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Europäisierung der Universitäten schreitet voran

Besonders die Organisationen der Studenten stehen dem neuen Studiensystem kritisch gegenüber.

(Keystone)

"Bologna" lautet diesen Semesterbeginn für viele das Stichwort. Das neue europäische Studiensystem wird auch in der Schweiz eingeführt.

Einige Universitäten haben ihre Studiengänge schon angepasst. Andere – vor allem in der Westschweiz – zeigen wenig Enthusiasmus.

Die Bologna-Reform hat ein einheitliches europäisches Universitäts-System ab dem Jahr 2010 zum Ziel. Als grösste Änderung wird die Ausbildung in drei Stufen aufgeteilt: Drei Jahre für den "Bachelor", zwei Jahre für den "Master", dann folgt das Doktorat.

In der Schweiz steht es den Universitäten frei, dieses neue System schon vor seiner Inkraftsetzung 2010 zu übernehmen.

Einige haben sich schon angepasst, so die Uni St. Gallen seit 2001. An den Universitäten Basel, Luzern und Tessin hat die Mehrheit der Fakultäten bereits gewechselt.

Skeptischer zeigt sich die Westschweiz: Neuenburg, Lausanne und Genf haben die Reform für Herbst 2004 vorgesehen. Nur einige wenige Fakultäten arbeiten schon nach dem neuen System.

Zweiklassen-Uni befürchtet

Die Bologna-Reform stösst nicht überall auf offene Türen. Doch trotz anfänglicher Zurückhaltung mussten die Unis die Idee schliesslich wohl oder übel akzeptieren. Die Studierenden hingegen sind immer noch nicht überzeugt.

Die Ziele der Erklärung von Bologna jedoch sollten sie eigentlich mitreissen: Prinzipiell geht es darum, die Mobilität zu fördern und den Abgängern überall in Europa gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu garantieren.

Ein Ideal, das bei weitem nicht realisiert sei, schätzt der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS). Die Mobilität sei nur einer Elite vorbehalten. Und die Reform führe zu einer Zweiklassen-Ausbildung: "Bachelor" für die grosse Masse und "Master" für die Reichen.

Denn der neue Ausbildungsmodus erlaube mit seinem dicht gedrängten Programm kaum mehr, daneben Geld zu verdienen. Ausserdem befürchtet der VSS, die Kosten der Reform könnten zum Teil auf die Studiengebühren abgewälzt werden.

"Es sollte nicht teurer werden, da einige Studiengänge verkürzt werden", antwortet Rudolf Nägeli, Koordinator der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS).

Interessant für die Wirtschaft

"Dieser Ausbildungsmarkt – man wollte es zwar nicht so nennen, doch genau darum geht es – ist vor allem für die Wirtschaft entstanden", kommentiert Thomas Frings, politischer Sekretär des VSS.

"Für die Unternehmen ist dieses neue System sehr interessant", bestätigt Xavier Comtesse von Avenir Suisse, dem Think-Tank der Schweizer Wirtschaft.

"Zur Zeit haben wir ein sehr schwerfälliges System", präzisiert er. "Mit der Bologna-Reform kommen die Diplomierten schneller auf den Markt, dank dem Niveau 'Bachelor', das nach drei Jahren erreicht ist."

Übergang vom Bachelor zum Master

Das neue System kommt aus dem angelsächsischen Raum. Dort schliessen nur 20 Prozent ihr Studium mit der Auszeichnung "Master" ab. Was eine andere Befürchtung des VSS stützt: Der Verband geht von einem Qualitätsverlust der Studien aus, denn erst der "Master" entspricht dem heutigen Lizenziat.

Ein Detail, der Übergang vom "Bachelor" zum "Master, muss noch geregelt werden. Zwei Möglichkeiten stehen zur Verfügung: Entweder kann ein "Bachelor" direkt an irgend einer Universität weiter machen, oder die Universitäten wählen sich ihre Kandidaten selber aus.

swissinfo, Alexandra Richard
(Übertragen aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Die Deklaration von Bologna wurde 1999 von 33 Ländern unterzeichnet, darunter die Schweiz.

Die Bologna-Reform plant ein einheitliches europäisches Universitäts-System.

Ab dem Jahr 2010 sollen die Diplome der Studien-Abgängerinnen und –Abgänger in allen Unterzeichner-Staaten anerkannt werden.

Die Reform sieht eine Universitäts-Laufbahn in drei Stufen vor: Drei Jahre für den "Bachelor", zwei Jahre für den "Master", dann folgt das Doktorat.

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