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FRANKFURT (awp international) - Die Europäischen Zentralbank (EZB) sieht die Konjunkturentwicklung zuversichtlicher als zuletzt. Signale für eine Änderung der Zinspolitik habe EZB-Präsident Jean-Claude Trichet jedoch nicht gegeben, sagten Bankenvolkswirt übereinstimmend nach der Pressekonferenz am Donnerstag. Trichet bleibe bei seinem Ausblick vorsichtig und betone die Risiken. Zuvor hatte die Notenbank wie von Volkswirten erwartet ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent belassen.
"Die verfügbaren Daten signalisieren ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum im zweiten Quartal", sagte Trichet. Zudem seien die bisher veröffentlichten Daten für das dritte Quartal besser als erwartet ausgefallen. "Im zweiten Halbjahr dürfte die Wirtschaftsentwicklung jedoch nicht mehr ganz so dynamisch verlaufen wie im zweiten Quartal." Allerdings dürfte das Wachstum im zweiten Quartal auch aussergewöhnlich stark gewesen sein.
Mit Blick auf die Konjunktur warnte Trichet jedoch vor zu viel Optimismus. "Es sei noch zu früh, um einen Erfolg mit Blick auf die konjunkturelle Erholung zu erklären." Die Wirtschaft erhole sich weiter mit moderatem Tempo und die Erholung verlaufe holprig. Die Risiken sowohl für das Wachstum als auch für die Preisentwicklung seien weitgehend ausgeglichen, sagte Trichet. Das Umfeld sei aber durch Unsicherheit geprägt. Die EZB will laut Trichet in diesem Umfeld ein "Stabilitätsanker" bleiben.
Ansonsten signalisierte der oberste Währungshüter der Eurozone einen anhaltend niedrigen Leitzins. Das Zinsniveau im Euroraum bleibe angemessen. Die Preisentwicklung bleibe moderat, sagte Trichet. Vor allem der binnenwirtschaftliche Preisdruck sollte verhalten bleiben. Die Inflationserwartungen seien fest verankert und in Übereinstimmung mit dem Inflationsziel der EZB. Die Notenbank strebt eine Inflationsrate von unter, aber nahe zwei Prozent an.
Die getroffenen Sondermassnahmen der EZB seien vorübergehend und mit dem Mandat der Zentralbank vereinbar, bekräftigte Trichet frühere Aussagen. Zuletzt hatte die EZB kaum noch Anleihen gekauft. Die Lage am Sekundärmarkt für Staatsanleihen habe sich verbessert. Er sei zufrieden mit dem Programm. Trichet begrüsste die Ergebnisse des Bankenstresstests. Dieser zeige die Widerstandskraft des Bankensystems der Eurozone. Neben dem Stresstest habe auch die Konjunkturerholung und die Konsolidierungspolitik zu einer Normalisierung der Geldmärkte beigetragen. Zuvor hatte die EZB wie erwartet den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent belassen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in einer abwartenden Haltung. Weder seien Signale in Richtung geldpolitischer Wende zu vernehmen, noch hinterlasse Trichet den Eindruck, die Zügel würden nochmals gelockert, heisst es in einem Kommentar der Landesbank. Trichet sieht nach Einschätzung der Commerzbank aber zumindest die Konjunkturlage optimistischer als zuletzt. "Die Notenbank bleibt jedoch ansonsten angesichts der bestehenden Unsicherheiten vorsichtig und eine Änderung der Zinspolitik ist nicht in Sicht", sagte Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Auch beim Inflationsausblick habe sich nichts geändert.
Trichet habe mit der Art und Weise seiner Präsentation vertrauensbildend wirken wollen, sagte DekaBank-Experte Karsten Junius. Die EZB wolle der grosse Stabilitätsanker sein. Dabei könne die Notenbank inzwischen einige Erfolge vorweisen, die diese These untermauerten. Trichet sei offenbar davon überzeugt, dass der ausgeworfene Anker auch halte. Dies dürfte zu einer weiteren Einengung der Risikoaufschläge für Peripheriestaaten führen.
Der deutsche Aktienindex geriet zwar nach Beginn der Pressekonferenz unter Druck. Dies lag laut Händlern jedoch an den enttäuschen ausgefallenen US-Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung. Der Eurokurs bewegte sich mit 1,3173 US-Dollar nach der Pressekonferenz ungefähr auf dem Niveau von vor Beginn der Pressekonferenz./jsl/jha/

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