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Föderalismus und Umweltschützer am Pranger

Die Schweizer Presse hinterfragt den Amgen-Entscheid gegen Galmiz. swissinfo.ch

Die Zeitungen bedauern, dass Amgen Irland der Schweiz vorgezogen hat. Der Föderalismus und die Gegner werden hinterfragt.

Dieser Inhalt wurde am 25. Januar 2006 - 09:15 publiziert

In dieser Einschätzung ist sich die Schweizer Presse in allen Landesteilen einig.

"Der Entscheid des Unternehmens Amgen, seine neue Produktionsstätte in Irland und nicht der Schweiz zu errichten, überrascht wenig", schreibt die BASLER ZEITUNG. Auch wenn die Firma nun sage, dass die politische Schlacht um das Grosse Moos sie nicht abgeschreckt habe. Doch das sei nicht das Hauptproblem bei derartigen Entscheiden:

"In der Standort- und Ansiedlungsfrage machten sowohl Bund wie auch Kantone eine schlechte Figur", schreibt die BaZ.

Aus Fiasko lernen

Der Berner BUND findet deshalb: "Vom Galmiz-Fiasko lernen". Überrascht von der spektakulären Anfrage aus den USA, habe der Kanton Freiburg mit seiner Hauruck-Umzonung von Staatsland im Grossen Moos versucht, schneller zu handeln, als man planerisch vernünftig denken kann, schreibt der BUND und kommt zum Schluss:

"Es ist bedauerlich, dass sich Amgen nicht für Yverdon entschieden hat. Aber dass beim Murtensee keine Riesenfabrik gebaut wird, kann man kaum beklagen."

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schreibt von einer verlorenen Partie und meint: "Daran sind nicht die schweizerischen Verhältnisse – wie in jeder vergleichbaren Wettbewerbssituation – alleine schuld. Irland hat den investitionswilligen Amerikanern offenbar mehr und besseres geboten."

Nämlich, so die MITTELLAND ZEITUNG: "Eine längere Erfahrung Irlands in der Biotechnologie, einen bessere Service-Infrastruktur und das Angebot an Arbeitskräften." Und weiter:

"Um sich künftig im Fall weiterer ansiedlungswilliger Grossfirmen keine Blösse mehr zu geben, müssen die Kantone in Absprache mit dem Bund dringend geeignete und regional akzeptierte Bauzonen ausscheiden."

Freiburgs Sondertour half nicht weiter

Der Zürcher TAGES ANZEIGER findet, nach dem Nein von Amgen stehe also der Föderalismus auf dem Prüfstand. Der Egoismus der Kantone – wie nun bei der raumplanerischen Sondertour des Kantons Freiburg demonstriert – helfe nicht weiter.

"Wenn die Kantone glauben, weiterhin nur ihre eigenen Interessen verfolgen zu können, strapazieren sie die eidgenössische Solidarität. Föderalismus heisst zwar auch Wettbewerb. Egoismus allein hilft der Schweiz aber nicht weiter."

LA REGIONE aus Locarno schreibt: "Auch der Kanton Tessin hat sich in die Standortfrage eingebracht, ohne dass je eine konkrete Anfrage von Amgen bestand. Aber zusammen mit Freiburg und der Waadt hat es dazu beigetragen, dass eine 'gesamtschweizerische Verwirrung' um neue Arbeitsplätze entstanden ist."

Die Deutschschweizer Gärtner

Die welsche Wirtschaftszeitung L'AGEFI findet es betrüblich, dass Amgen nicht in die Schweiz kam, zumal das Unternehmen seinen Hauptsitz im Dezember von Luzern nach Zug verlegt habe. "Denn Amgen hätte auch für zahlreiche Zulieferbetriebe Arbeit bedeutet."

Für die welsche Presse ist einer der Hauptschuldigen der Deutschschweizer Umweltschützer.

LA LIBERTE schreibt von der "Hysterie über die Umzonung in Galmiz, welche vor allem die Deutschschweiz ausgelöst hat". Sie sei so gehässig geworden, dass gar ein Drohbrief an den CEO von Amgen gerichtet worden sei.

Und selbst das Westschweizer Radio unterliess es nicht, die Schuld auf "einige Deutschschweizer Gärtner" zu schieben.

Doch auch in der Romandie ging man hart mit dem Schweizer Föderalismus und dem Wettbewerb unter den Kantonen ins Gericht. In Standortfragen müsse die Schweiz einheitlicher auftreten.

LE QUOTIDIEN JURASSIEN: "Die Verzettelung der Kräfte in Galmiz hat der Sache mehr geschadet als die Umweltschützer."

swissinfo, Urs Maurer

In Kürze

Amgen ist eine der 500 grössten Firmen in den USA.
Das Unternehmen baut eine Fabrik in Europa mit rund tausend Arbeitsplätzen.
Amgen prüfte auch Standorte in der Schweiz: Galmiz und Yverdon.
Am Mittwoch fiel der Entscheid zu Gunsten von Cork in Irland.

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