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GM sucht Europa-Chef - mehr Eigenständigkeit für Opel

Dieser Inhalt wurde am 09. November 2009 - 06:50 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Der US-Autokonzern General Motors (GM) geht nach der massiven Konfrontation mit Regierungen und Belegschaften in Europa auf Versöhnungskurs. Neuer Chef des Europageschäfts um den Autobauer Opel soll nach Möglichkeit ein Europäer werden, damit die Spannungen nicht noch weiter eskalieren, hiess es am Wochenende aus Konzernkreisen. Zudem will GM der deutschen Tochter nach dpa-Informationen künftig mehr Eigenständigkeit erlauben. GM-Chef Fritz Henderson komme am Montag zu Gesprächen nach Deutschland. Im Gepäck hat Henderson demnach eine erste Vorlage für ein Zukunftskonzept für Opel, das der Autokonzern mit dem Betriebsrat abstimmen will.
Die Debatte um staatliche Unterstützung für Opel geht derweil unvermindert weiter. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) äusserte sich skeptisch zu weiteren staatlichen Hilfen.
GM-KREISE: 'WIR SUCHEN DERZEIT EIN EUROPÄISCHES FÜHRUNGSTEAM'
Nach dem Platzen der Übernahme von Opel durch ein Konsortium um den Autozulieferer Magna hatte General Motors personelle Konsequenzen gezogen. Der bisherige Europachef Carl-Peter Forster, der sich für den Verkauf eingesetzt hatte, verlässt seinen Posten. Als Nachfolger Forsters im Opel-Aufsichtsrat ist für eine Übergangszeit der 77 Jahre alte GM-Veteran Bob Lutz im Gespräch. Als vorübergehender neuer GM- Europachef wird der Manager Nick Reilly gehandelt, der als harter Sanierer gilt und auf Widerstand bei den Gewerkschaften stösst.
Mittelfristig soll der Spitzenposten bei Opel dem Vernehmen nach aber nicht von einem GM-Manager bekleidet werden. Vielmehr solle Opel von einem externen Auto-Fachmann geführt werden. "Wir suchen derzeit ein europäisches Führungsteam", hiess es am Sonntag in GM-Konzernkreisen. Ein Kompromiss könnte der aus Wien stammende Magna- Manager Herbert Demel sein. Er hatte sich selbst einmal eher als "Entwicklungshelfer für menschliche Potenziale" denn als Kostenkiller bezeichnet. Demel hat bereits für verschiedene europäische Autobauer gearbeitet.
GM KOMMT EUROPÄISCHEM OPEL-BETRIEBSRAT ENTGEGEN
Wie die Deutsche Presse-Agentur dpa am Sonntag aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll Opel künftig unabhängig geführt werden und etwa über neue Modelle selbst entscheiden dürfen. Jeder bei GM wisse, dass Opel mehr Kontrolle über Unternehmensentscheidungen bekommen müsse.
Damit kommt GM dem europäischen Opel-Betriebsrat entgegen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz hatte vergangene Woche gefordert: "Die Adam Opel GmbH muss in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird." Dies sei eine Vorbedingung für die Verhandlungen über die Restrukturierung des Autobauers.
MEHRHEIT DER BUNDESBÜRGER LEHNT STAATLICHE HILFEN FÜR GM AB
Ob General Motors die Sanierung seines Europageschäfts nun auf eigene Faust stemmen will oder erneut auch Deutschland um Staatshilfe bittet, wird voraussichtlich das Zukunftskonzept zeigen. Nach einer Umfrage lehnt die Mehrheit der Bundesbürger staatliche Hilfen ab. 66 Prozent sind dagegen, nur 28 Prozent dafür, wie eine Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" ergab.
Bundeswirtschaftsminister Brüderle betonte, GM könne zwar wie jedes andere Unternehmen auch Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland beantragen, es gebe aber "kein Anrecht auf staatliche Hilfe", sagte Brüderle der "Wirtschaftswoche". Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) empfahl General Motors, keine deutschen Staatshilfen für Opel in Anspruch zu nehmen. "Es passt einfach nicht zusammen, erst alles selber machen zu wollen und dann dem Steuerzahler in Deutschland und Europa die Rechnung zu stellen", sagte Koch dem "Focus".
KENNES FORDERT REGIERUNGEN ZUR ZUSAMMENARBEIT BEIM KAMPF UM ARBEITSPLÄTZE AUF
Vor der Insolvenz von GM hatte Deutschland Opel einen Kredit von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, der Ende des Monats ausläuft. General Motors hatte bereits angekündigt, das geliehene Geld pünktlich zurückzuzahlen. Eigentlich war das Geld als Brückenfinanzierung für einen Mehrheitsverkauf von Opel vorgesehen. Vergangene Woche hatte GM aber völlig überraschend entschieden, Opel doch zu behalten.
Der Vizevorsitzende des Betriebsrats von GM Europe, Rudi Kennes, appellierte im "Deutschlandfunk" an die europäischen Regierungen, beim Kampf um den Erhalt von Opel-Arbeitsplätzen zusammenzuarbeiten. Sonst werde es keinen Gewinner geben, denn GM wolle "jetzt ganz tief schneiden, ein europäisches Blutbad organisieren mit Steuergeldern von den Menschen in Europa", sagte der Gewerkschafter.
FRANZ: WERDE HENDERSON DIESE WOCHE IN DEUTSCHLAND TREFFEN
Opel-Betriebsratschef Franz kündigte an, GM-Chef Henderson diese Woche in Deutschland zu treffen. Es müsse ausgelotet werden, ob es eine Basis für Gespräche zwischen dem Betriebsrat und dem US- Konzern über eine Sanierung gebe. Zu den Personalien sagte Franz: "Wir brauchen einen neuen Chef für einen neuen europäischen Opel- Konzern." Es müsse sich um einen Europäer handeln, der die Märkte kenne und auch deutsch sprechen könne. "Er muss Teamgeist und Benzin im Blut haben", sagte Franz der dpa.
Ebenfalls diese Woche soll es weitere Gespräche zwischen dem Chefunterhändler von General Motors, John Smith, und Vertretern der Bundesregierung geben, wie die dpa erfuhr. General Motors will gut 10 000 der mehr als 50 000 Jobs in Europa streichen. Bedroht ist insbesondere das Werk im belgischen Antwerpen. Nach GM-Angaben sind aber noch keine Entscheidungen gefallen. Man wolle sich mit dem Betriebsrat einigen. Fest stehe lediglich, dass die Fixkosten um 30 Prozent gesenkt werden müssten./hs/rg/DP/he

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