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Tokio (awp/sda) - Die Atomkatastrophe in Japan hat eine neue Dimension erreicht. Bei einer weiteren Explosion im Atomkraftwerk Fukushima 1 wurde am Dienstag nach Regierungsangaben erstmals eine innere Schutzhülle eines Reaktors beschädigt. Die AKW-Betreibergesellschaft Tepco sprach von einer "sehr schlimmen" Lage.
Das Chaos in den einzelnen Reaktorblöcken der Anlage Fukushima 1 breitete sich aus. In Block 2 liess der gewaltige Druck den Reaktorblock stellenweise bersten. In Block 4 brach zwischenzeitlich ein Feuer aus, das gelöscht werden konnte.
In der Aussenwand des Reaktorgebäudes klaffen zwei acht Quadratmeter grosse Löcher, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf die Atomare Sicherheitsagentur des Industrieministeriums berichtete. Ein Sprecher des AKW-Betreibers teilte mit, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es im Atomkomplex Fukushima 1 zu einer Kernschmelze komme.
Nach einem Anstieg der Radioaktivität am Atomkraftwerk Fukushima 1 in Folge mehrerer Explosionen sanken die Werte wieder, wie Regierungssprecher Yukio Edano sagte.
Nach zwei Explosionen an Reaktoren und einem Feuer war zuvor eine starke Erhöhung der Strahlung gemessen worden. Die Regierung warnte daraufhin erstmals vor einer "Gesundheitsgefährdung" durch erhöhte radioaktive Strahlung. Nach Angaben Edanos könnte die erhöhte Radioaktivität auf die Explosion im Reaktorblock 3 vom Montag zurückzuführen sein.
Unterdessen wurden aus zwei weiteren Reaktoren des Kraftwerks, den Blöcken 5 und 6, Probleme gemeldet. Nach Angaben von Edano wurden in beiden Reaktoren leicht erhöhte Temperaturen gemessen. Bisher hat es nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom Freitag Explosionen in den Reaktoren 1, 2, 3 und 4 gegeben.
Die Stadtverwaltung der Hauptstadt Tokio teilte mit, die Strahlenwerte seien am Nachmittag (Ortszeit) wieder gesunken. Am Morgen waren leicht erhöhte Strahlenwerte gemessen worden, die nach Angaben der Behörden aber die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigen sollten. Im Grossraum Tokio leben rund 35 Millionen Menschen.
Die Weltwetterorganisation WMO teilte am Dienstag in Genf mit, die radioaktiven Partikel im Umkreis des Atomkraftwerkes Fukushima 1 würden vom Wind wieder auf das Meer hinausgeblasen. Es gebe weder für Japan noch benachbarte Länder "Auswirkungen". Zuvor war in Japan befürchtet worden, die radioaktiven Partikel würden in Richtung Tokio geweht.
Der Luftraum über der AKW-Anlage wurde am Dienstag gesperrt. Für einen 30-Kilometer-Radius über den Reaktoren gelte eine Flugverbotszone, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Regierung.
Auch Anwohner in einem Radius von 30 Kilometern rund um das havarierte AKW wurden aufgefordert, sich nicht im Freien aufzuhalten und Türen und Fenster zu schliessen.
An die Bewohner innerhalb eines 20-Kilometer-Radius wurde appelliert, sich an die Evakuierungsanordnung zu halten und das Gebiet umgehend zu verlassen.
Die Internationale Energieagentur IEA befürchtet nicht, dass Japan wegen der Störfälle in seinen Atomkraftwerken ein langfristiger Strom-Engpass droht. Japan habe genügend Kapazitäten zur Stromerzeugung aus Öl, um die Ausfälle bei der Kernenergie zu ersetzen, teilte die IEA am Dienstag mit.
Auch die Ölversorgung des Landes bereite ihm trotz der Erdbebenschäden keine grossen Sorgen, sagte Agentur-Chef Nobuo Tanaka der Nachrichtenagentur Reuters. Japan habe Reserven für 170 Tage. Die IEA stehe aber mit ihren strategischen Reserven für den Notfall bereit.
tp

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