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FRANKFURT/LONDON/TOKIO (awp international) - Nach einer bewegten Woche ganz im Zeichen der Katastrophe in Japan haben die Weltbörsen am Freitag ihren Erholungskurs vom Vortag fortgesetzt. Börsianer verwiesen auf den Beschluss der G7-Staaten, gemeinsam gegen die Aufwertung des Yen vorzugehen. Es ist das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, dass die führenden Wirtschaftsnationen gemeinsam am Devisenmarkt einschreiten. Diese Entschlossenheit lässt Anleger nun offenbar zumindest vorübergehend aufatmen. Der teure Yen, der am Vortag auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg im Vergleich zum US-Dollar gestiegen war, setzt der exportorientierten japanischen Wirtschaft zu, weil dadurch deren Produkte in wichtigen Märkten teurer werden.
Der Nikkei-225-Index stieg am Freitag um 2,72 Prozent auf 9.206,75 Punkte. Sogar die Aktien von Tokyo Electric Power (Tepco), der Betreiberfirma des Katastrophenreaktors Fukushima Eins, machten Boden gut und stiegen um knapp 19 Prozent. Auf Wochensicht büsste der Nikkei dennoch 10,22 Prozent ein, gegenüber dem Schlussstand vom Donnerstag vergangener Woche - dem letzten Handelstag vor dem verheerenden Erdbeben und Tsunami - verlor er sogar 11,77 Prozent. Am deutlichsten war es am Dienstag bergab gegangen, als der Nikkei um mehr als zehn Prozent abgestürzt war. Das waren die heftigsten Kursverluste seit Oktober 2008. Am kommenden Montag wird die Tokioter Börse wegen eines Feiertages geschlossen bleiben, was Anlegern nach den vergangenen turbulenten Tagen eine kurze Verschnaufpause verschafft.
Die Kombination aus dem G7-Beschluss und ersten Anzeichen einer Stabilisierung am havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins hätten etwas beruhigt, sagte Aktienhändler Chris Weston von IG Markets. Dennoch sei auch weiterhin mit deutlichen Schwankungen an den Märkten zu rechnen. Ähnlicher Meinung sind die Experten der DZ-Bank. "Einen Crash erwarten wir nicht, kurzfristig sind aber erneute Rücksetzer aufgrund negativer Meldungen aus Japan immer wieder wahrscheinlich", schrieben sie in einer Studie.
In Europa lagen die wichtigsten Indizes allesamt im Plus. Der Dax stieg zuletzt um 0,42 Prozent auf 6.684,68 Prozent. Seit dem Handelsschluss am Donnerstag vergangener Woche steht aber immer noch ein Minus von 5,36 Prozent zu Buche. Der EuroStoxx 50 gewann am Freitag 0,40 Prozent auf 2.797,21 Punkte. Mit einem Verlust von insgesamt 3,87 Prozent seit dem vorvergangenen Donnerstag schlug er sich etwas besser als der deutsche Leitindex. Erholt zeigten sich zum Wochenausklang zudem die Leitindizes Cac 40 und FTSE 100 in Paris und London. An der Wall Street zeichnete sich ebenfalls ein freundlicher Handelsstart ab.
Am Devisenmarkt zeigten der G7-Beschluss und die bereits erfolgten Massnahmen bereits Wirkung. Der Yen verlor zum Dollar deutlich an Boden. Zuletzt mussten für einen Dollar 81,42 Yen bezahlt werden. Am Vortag war ein Dollar zeitweise nur 76,25 Yen wert gewesen. Auch gegenüber dem Euro gab der Yen am Freitag nach. Dass die japanische Währung zuletzt so stark gestiegen war, lag daran, dass Investoren und Versicherer aus dem ostasiatischen Land dringend Geld brauchen, um die Schäden nach der Natur- und Atomkatastrophe in der Heimat zu bezahlen. Deshalb stieg die Nachfrage nach dem Yen.
Die Experten der Commerzbank sehen gute Chancen, dass der Dollar nun im Vergleich zum Yen nicht noch mehr an Wert verlieren wird. Letztlich gehe es bei dem Schritt der G7 nicht nur um die japanische Währung, sondern auch um das allgemeine Vertrauen der Finanzmärkte. "Das Verhindern einer neuen Vertrauenskrise ähnlich wie nach dem Lehman-Schock 2008 ist im Interesse aller Staaten und Zentralbanken weltweit", erkläre die Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke. Volkswirt Kristian Tödtmann von der DekaBank sieht in dem gemeinsamen Vorgehen der führenden Wirtschaftsnationen ein sehr starkes und auch wirksames Signal. "Der Aufwertungsdruck für den Yen dürfte ausgeschaltet werden", sagte er der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.
Japans Notenbank hatte wie an den Vortagen grosse Finanzspritzen zur Stabilisierung in die Märkte injiziert. Sie stellte den Banken drei Billionen Yen (rund 26 Mrd Euro) kurzfristige Notfall-Liquidität zur Verfügung, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Bereits Anfang und Mitte der Woche hatte die Notenbank Dutzende Milliarden Euro zur Beruhigung der Finanzmärkte in das Bankensystem gepumpt.
Ungeachtet der jüngsten Kurserholung richten sich die Blicke der Börsianer nach wie vor Richtung Fukushima. "Die Frage, ob es noch zu einem 'Super-GAU' kommt, oder die Bemühungen zur Schadensbegrenzung Erfolg haben, ist entscheidend für die weitere Entwicklung an den Aktienbörsen", heisst es bei der Landesbank Berlin. Da die Lage bislang noch unklar sei, sollte sich die "nervöse Börsenphase" zunächst fortsetzen.
Am Unglücksreaktor in Japan rückten neue Techniker, Feuerwehrleute und Soldaten an. Mit diesem Grossaufgebot wird versucht, den drohenden GAU abzuwenden. Soldaten bespritzten mit Wasserwerfern erneut den mit hoch giftigem Plutonium bestückten Reaktor 3. So sollen die erhitzten Brennstäbe gekühlt werden. Eine erste Notstromleitung in das Atomkraftwerk steht. Damit sollen die Kühlkreisläufe in Gang gebracht werden. Ob das gelingen kann, ist wegen der gewaltigen Zerstörungen in der Anlage aber ungewiss. Indes stufte Japan die Gefährlichkeit des Störfalls in dem Kraftwerk von der Stufe 4 auf die Stufe 5 der internationalen Bewertungsskala Ines hoch./chs/rum/tw

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