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TOKIO/FRANKFURT/DÜSSELDORF (awp international) - Japan schmiedet einen neuen Stahlgiganten: Durch die Fusion des japanischen Branchenführers Nippon Steel mit seinem kleineren Konkurrenten Sumitomo Metal könnte im kommenden Jahr der zweitgrösste Stahlhersteller der Welt nach ArcelorMittal aus der Taufe gehoben werden. Mit dem Zusammenschluss wollen die beiden japanischen Produzenten nach Ansicht von Beobachtern vor allem für die stark wachsende Nachfrage der stahlhungrigen Wachstumsländer wie China gewappnet sein. Stahl-Weltchampion ArcelorMittal bleibt aber die Nummer eins.
Für den europäischen Markt bedeutet das nach Einschätzung von Experten aber keine Gefahr. "Japans Exportzuwachs spielt in Europa keine Rolle", sagt Branchen-Analyst Michael Broeker vom Handelshaus Steubing. Mit weiteren Stahl-Fusionen rechnen Beobachter künftig vor allem in China. Nach einer tiefen Krise profitiert die Branche derzeit von einem weltweiten Aufschwung: In diesem Jahr wird ein Wachstum des Stahlverbrauchs zwischen fünf und sechs Prozent erwartet. Bereits 2012 rechnen Experten jedoch mit einer leichten Abschwächung.
Der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp ist von der Fusion in Fernost kaum betroffen. Das vor allem auf hochwertige Stähle spezialisierte deutsche Unternehmen rangierte im Jahr 2009 bei der Rohstahlerzeugung deutlich hinter der Spitzenliga. Unangefochtener Marktführer ist ArcelorMittal mit einer Rohstahlproduktion von mehr als 73 Millionen Tonnen 2009. Entsprechende Zahlen für 2010 liegen noch nicht vor.
Mit einer Rohstahlproduktion lag der chinesische Stahlgigant Baosteel auf Rang zwei mit 38,9 Millionen Tonnen. Mit dem geplanten Zusammenschluss rücken Nippon Steel und Sumitomo mit zusammen 38,4 Millionen Tonnen bei der Rohstahlerzeugung nach letzten offiziellen Zahlen dicht an den zweiten Rang heran. Nach japanischen Schätzungen könnte die Produktion auf 50 Millionen Tonnen springen. Beim Umsatz liegt Nippon Steel dagegen derzeit mit umgerechnet 21,6 Milliarden Euro auf Rang zwei und könnte diese Position durch die Fusion weiter festigen.
Hintergrund der aktuellen Fusion sind nach Einschätzung von Experten massive Schwierigkeiten der Branche auf ihrem Heimatmarkt. Erst in der vergangenen Woche musste Nippon Steel seine Jahresprognose senken, weil sich die Versorgungssituation beim Kohleeinkauf durch die Überschwemmungen in Australien zusätzlich verschärfte. Hinzu kommt der starke Yen, der Exporte verteuert. Seit langem stagniert die Nachfrage auf dem Heimatmarkt von Nippon Steel und Sumitomo. Parallel haben sie es mit immer härterer Konkurrenz der chinesischen und koreanischen Stahlhersteller zu tun. Zudem explodierenden seit dem Ende der Wirtschaftskrise die Rohstoffpreise.
Angesichts des Kostendrucks überrascht die angekündigte Fusion die meisten Marktkenner nicht. Bereits seit 2002 arbeiten Nippon Steel und Sumitomo eng zusammen und sind über Kreuz aneinander beteiligt. "Der komplette Zusammenschluss erscheint daher wie ein logischer Schritt", sagte Analyst Hermann Reith von der BHF-Bank.
Die japanische Regierung signalisierte bereits Zustimmung. Auch vor dem Kartellamt haben die beiden Unternehmen nach eigenem Bekunden keine Sorge. In Japan stünden sich durch den Zusammenschluss zwei grosse Unternehmen im Stahlbereich gegenüber - neben dem neuen Stahlgiganten die weltweite Nummer fünf, JFE. Der japanische Markt ist ohnehin ziemlich abgeschottet. So habe Japan im vergangenen Jahr 43 Millionen Tonnen Stahl exportiert und gerade einmal sieben Millionen Tonnen eingeführt, sagt Analyst Reith. In Europa sei das Verhältnis in etwa ausgeglichen.
Auch die Fusion in Japan wird nur wenig an der weltweiten Zersplitterung der Stahlindustrie ändern. ArcelorMittal kommt als weltgrösster Stahlproduzent gerade einmal auf einen Marktanteil von rund 10 Prozent - die drei Eisenerzproduzenten Vale, BHP Billiton und Rio Tinto kontrollieren dagegen fast 70 Prozent des Rohstoff-Absatzes und haben dementsprechend grosse Verhandlungsmacht gegen die Stahlkonzerne./uta/nl/DP/fn

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