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TRIPOLIS/LONDON (awp international) - Knallhart hat der Westen die weitere Linie im Libyenkonflikt abgesteckt: Es werde nicht lockergelassen, ehe Machthaber Muammar al-Gaddafi nicht die Führung abgibt. Gaddafi müsse "weg und zwar für immer", schrieben US-Präsident Barack Obama, der britische Premier David Cameron und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy in einem gemeinsamen Beitrag für die britische "Times", den französischen "Figaro" und die "Washington Post" (Freitagausgaben). Ganz andere Töne kamen aus Tripolis: Dort hatte sich Gaddafi am Vorabend feiern lassen, und seine Tochter Aischa rief zum Widerstand auf.
Würde Libyen seinem Schicksal überlassen, bestehe das Risiko, dass das Land zu einem "gescheiterten Staat" werde. "So lange Gaddafi an der Macht ist, müssen die Nato und ihre Koalitionspartner ihre Operationen weiterführen, so dass Zivilisten geschützt bleiben und Druck auf das Regime aufgebaut wird", schreiben Obama, Sarkozy und Cameron.
Die Welt würde sich eines "skrupellosen Verrats" schuldig machen, würde Gaddafi an der Macht bleiben, heisst es weiter. Auch eine Waffenruhe mit einem Ausstiegsszenario für Gaddafi, das Mitglieder seiner Familie in Libyen an der Macht belasse, sei nicht akzeptabel. "Es ist undenkbar, dass jemand, der sein eigenes Volk massakrieren wollte, eine Rolle in einer künftigen Regierung spielt." Damit der Übergang funktioniere, "muss Gaddafi weg, und zwar für immer".
Gaddafi liess sich indes in Tripolis feiern wie ein Filmstar. Im geöffneten Schiebedach seines Geländewagens stehend, im schwarzen Sakko, mit dunkler Sonnenbrille und zerknittertem Schlapphut wurde Gaddafi in einer hupenden Fahrzeugkolonne durch die Hauptstadt chauffiert. Dabei ballte er die Fäuste in Siegerpose, wie die Bilder des libyschen Staatsfernsehens zeigten.
Später rief seine Tochter Aischa al-Gaddafi ihre Landsleute zum Widerstand gegen die Aufständischen und ihre Verbündeten auf. "Wer Gaddafi nicht will, der verdient nicht zu leben", sagte sie in der Nacht zum Freitag vor Anhängern im Stützpunkt Bab al-Asisi in Tripolis nach Angaben arabischer Medien. Ihr Vater halte sich nicht nur in Libyen auf, "sondern er ist in den Herzen aller Libyer".
Aischa al-Gaddafi erinnerte an den 25. Jahrestag des US-Luftangriffs auf Tripolis (15. April 1986). Sie sagte: "Als ich ein Mädchen von gerade einmal neun Jahren war in diesem Haus von Geduld und Tapferkeit, feuerten sie Raketen auf uns ab und versuchten, mich zu töten. Sie töteten damals in Libyen Dutzende von Kindern, und jetzt nach einem Vierteljahrhundert sind es die gleichen Raketen und Bomben, die auf die Köpfe meiner und eurer Kinder regnen, so als wollten sie eine Generation nach der anderen bestrafen." Die USA hatten den Angriff damals als Reaktion auf die Unterstützung des libyschen Regimes für den internationalen Terrorismus bezeichnet.
Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete am Freitag unter Berufung auf Augenzeugen von Angriffen der Truppen Gaddafis auf die Stadt Jafran südwestlich von Tripolis. Auf einer Website der Aufständischen hiess es, die Rebellen und die Zivilbevölkerung der seit Wochen belagerten Stadt Misurata hätten am Donnerstag den ganzen Tag Angriffe der Truppen Gaddafis ertragen müssen. Es sei ihnen aber gelungen, ein Eindringen der Truppen ins Stadtzentrum zu verhindern.
Unterdessen rief auch das Terrornetzwerk Al-Kaida zum Kampf gegen Gaddafi auf. Die arabischen Armeen müssten in Libyen eingreifen und helfen, Gaddafi zu vertreiben, bevor "die Hilfe des Westens ... sich in eine Invasion verwandelt", sagte der Stellvertreter von Osama bin Laden, Eiman al-Sawahiri, laut dem US-Sender ABC in einer auf Islamisten-Websites verbreiteten Videobotschaft./abc/dm/fi/DP/tw

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