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TRIPOLIS/ISTANBUL/BERLIN (awp international) - Nach Tagen bürgerkriegsähnlicher Zustände hat sich Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi erstmals mit einem wirren Auftritt zu Wort gemeldet. In einer vom Staatsfernsehen verbreiteten Aufnahme trat der seit fast 42 Jahren herrschende Revolutionsführer Gerüchten entgegen, er habe sein Land verlassen.
Die Zustände im Land blieben weiter unklar. Gaddafi-treue Einheiten sollen schwere Waffen gegen die Opposition eingesetzt haben. Allein in der von Regimegegnern kontrollierten Stadt Bengasi sollen bislang etwa 400 Menschen ums Leben gekommen sein. Der Sicherheitsrat in New York kommt zu einer Sondersitzung zusammen.
Mit einer Sondermaschine will die Lufthansa im Tagesverlauf Deutsche aus Libyen zurückholen. Der Airbus A340-600 könne rund 300 Passagiere mit nach Frankfurt bringen, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Ein Transportflugzeug des österreichischen Bundesheeres hatte bereits in der Nacht 62 EU-Bürger aus Libyen ausgeflogen. Ausländische Konzerne in Libyen beklagen Übergriffe und Plünderungen.
Mit deutlichen Worten forderte Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) Gaddafi zum Rücktritt auf. "Eine Herrscherfamilie, die das eigene Volk mit Bürgerkrieg bedroht, die ist am Ende", sagte Westerwelle im ZDF-"Morgenmagazin". Er verurteilte die Gewalt gegen das protestierende Volk in dem nordafrikanischen Land aufs Schärfste.
Im Staatsfernsehen war Gaddafi in der Nacht zum Dienstag Gerüchten über seine Flucht entgegengetreten. "Ich bin in Tripolis und nicht in Venezuela", sagt der Staatschef. Während der nur wenige Sekunden langen Aufnahme, die wie ein Comedy-Sketch wirkt, hält Gaddafi einen geöffneten Regenschirm über sich. Er sitzt in einem beigen Auto, die Tür ist geöffnet, ein Mitarbeiter hält ihm ein Mikrofon hin, in das Gaddafi hineinmurmelt. Er habe mit den Jugendlichen auf dem Grünen Platz in Tripolis reden wollen, aber dann habe es angefangen zu regnen, zitiert der arabische Sender Al-Dschasira aus der kurzen Rede.
In einigen Vierteln von Tripolis beruhigte sich am Dienstagmorgen die Lage. "Wir fühlen uns jetzt wieder sicherer. Das Geschehen hat sich weiter weg verlagert", sagte ein Wachmann, der im Al-Andalus-Viertel arbeitet, in dem auch einige internationale Firmen ihren Sitz haben. Zum Teil waren die Bewohner der Hauptstadt telefonisch zu erreichen. Mobiltelefone funktionierten jedoch zumeist nicht.
Am Vortag hatten Schilderungen martialischer Angriffe auf die Demonstranten die Weltöffentlichkeit schockiert. Die Sicherheitslage blieb auch am Dienstag undurchsichtig. Wie Augenzeugen dem Nachrichtensender Al-Dschasira berichtet hatten, attackierten am Montag Kampfflugzeuge in Tripolis unbewaffnete Demonstranten.
Das wankende Regime verliert immer mehr Verbündete. Nachdem am Montag zahlreiche libysche Diplomaten aus Protest gegen den Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten ihren Rücktritt erklärt hatten, sagen sich nun nach Angaben der Opposition auch immer mehr der in Libyen äusserst einflussreichen Stämme von ihm los.
In der Nacht zum Dienstag riet ihm auch sein ehemaliger Vertrauter Nuri al-Mismari dazu, den Kampf gegen die Aufständischen aufzugeben. "Du siehst doch, dass dich das Volk nicht will, nun geh doch endlich", sagte er im arabischen TV-Sender Al-Dschasira.
Bei dem Versuch, die Proteste niederzuschlagen, hatten Sicherheitskräfte nach Medienberichten allein am Montag in Tripolis mehr als 150 Menschen getötet. In Bengasi seien seit Beginn der Proteste vor fünf Tagen rund 400 Menschen getötet worden, sagte ein Vertreter von Militärangehörigen, die sich den Aufständischen in der zweitgrössten libyschen Stadt angeschlossen hatten, der Nachrichtenagentur dpa. Neben Bengasi würden die Aufständischen mittlerweile auch Sirte und das nordostlibysche Agedabia kontrollieren.
Die Lage in Libyen ruft den UN-Sicherheitsrat auf den Plan. Das höchste Gremien der Vereinten Nationen kommt am Dienstag zu einer Sitzung hinter verschlossenen Türen zusammen. Das teilten die Vereinten Nationen in der Nacht mit. Das Treffen soll um 9.00 Uhr (Ortszeit/15.00 Uhr MEZ) beginnen./abc sv/DP/jsl

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