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TURIN (awp international) - Machtprobe bei Fiat : Die mehr als 5.000 Beschäftigten im Stammwerk des Autobauers in Turin-Mirafiori haben über einen umstrittenen neuen Tarifvertrag entschieden. Bis zum Freitagnachmittag konnten sie sich zu den Plänen von Fiat-Chef Sergio Marchionne äussern, der für das Werk flexiblere Verträge, längere Arbeitsschichten und kürzere Pausen verlangt. Das Ergebnis des Referendums wurde am frühen Samstagmorgen erwartet.
Nach dem vorbereiteten Abkommen für Mirafiori, das von der linken Gewerkschaft Cgil-Fiom kategorisch abgelehnt wird, sollte bei einer Zustimmung der Belegschaft eine Milliarde Euro in das Werk investiert werden - auch, um dort unter anderem zusammen mit dem US-Partner einen neuen Chrysler-Jeep zu bauen. Der Turiner Konzern hält 25 Prozent an Chrysler und lotet eine Mehrheitsübernahme aus. Die Cgil- Fiom hatte als einzige Gewerkschaft das neue Tarifsystem für das Stammwerk als "skandalös" abgelehnt und einen Generalstreik nicht ausgeschlossen.
Marchionne hat damit gedroht, diese Investition im Ausland zu tätigen, sollten die Arbeitnehmer nicht zustimmen. Alle gemässigten Fiat-Gewerkschaften sind für den Plan, um Arbeitsplätze zu retten. Somit wurde in Turin eher mit einem positiven Ergebnis gerechnet.
Kritiker nennen Marchionnes einschneidende Forderungen für das Stammwerk "moderne Sklaverei", Befürworter sprechen von einer neuen Ära des Autobaus in Italien. Um seinen Tarifvertrag zu erzwingen, hatte er auch damit gedroht, aus dem Arbeitgeberverband Confindustria auszutreten.
In Mirafiori wurden im vergangenen Jahr etwa 120.000 Fahrzeuge gebaut. Die Produktion soll nach Marchionnes Plänen mehr als verdoppelt werden. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hofft auf einen positiven Ausgang, um den Standort Italien des mächtigsten Industriekonzerns im Land zu sichern. Dabei geht es um mögliche Gesamtinvestitionen des Turiner Autobauers von 20 Milliarden Euro in Italien, wie Marchionne bereits vor Monaten angekündigt hatte./ka/DP/stw

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