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Munich Re dämpft Erwartungen für 2009 - Dennoch Milliardengewinn (2. AF)

Dieser Inhalt wurde am 05. November 2009 - 13:20 publiziert

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Gewinnerwartung 2010, Steuerbelastung, Ergo-Prognose gekippt, Aktienkurs)
MÜNCHEN (awp international) - Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re dämpft nach einem von hohen Steuern belasteten Quartal die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr. Statt bei gut 2,5 Milliarden Euro, wie noch im August in Aussicht gestellt, soll der Überschuss nun nur noch bei 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro liegen. Im dritten Quartal fiel der Gewinn mit 644 Millionen Euro geringer aus als von Experten erwartet. Niedrige Zinsen und drohende Winterstürme trüben die Aussichten. Das mittelfristige Gewinnziel für die Erstversicherungstochter Ergo (Hamburg-Mannheimer, Victoria) kippte die Munich Re komplett.
Die Aktie des Konzerns rutschte am Morgen in die Verlustzone. Um die Mittagszeit bei 1,24 Prozent im Minus bei 106,05 Euro und damit im hinteren Drittel des Dax. Analysten und Börsianer nahmen die Neuigkeiten unterschiedlich auf. Während sich die einen von den operativen Zahlen begeistert zeigten, bemängelten die anderen die vorsichtige Gewinnprognose.
NÄCHSTES JAHR 2 MRD EURO GEWINN MÖGLICH
Finanzvorstand Schneider zeigte sich mit dem Quartalsabschluss zufrieden. "In den operativen Bereichen liegen wir über den Prognosen", sagte er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Der Überschuss habe nur wegen der ausserordentlichen Steuerbelastung die Erwartungen verfehlt. Für das kommende Jahr hält Schneider erneut einen Gewinn von zwei Milliarden Euro oder mehr für möglich. Aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen könne er dies jedoch "nicht versprechen".
Auch sonst gab sich der Finanzchef vorsichtig: "Markenzeichen der Munich Re ist, dass wir nur Realistisches anstreben wollen." Nicht mehr realistisch ist seiner Ansicht nach das Ziel der Tochtergesellschaft Ergo, ihren Gewinn bis zum Jahr 2012 auf 900 Millionen Euro zu steigern. Mutiger werden will die Munich Re bei der Geldanlage in Aktien. Die Aktienquote könne von derzeit 2 Prozent auf bis zu 5 Prozent steigen, sagte Schneider.
UNTER DEM STRICH ENTTÄUSCHT
Ein Jahr nach dem Lehman-Schock legte die Munich Re unter dem Strich wie im operativen Geschäft deutlich zu. Der operative Gewinn verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahr auch wegen ausgebliebener Naturkatastrophen auf 1,2 Milliarden Euro. Dank der Erholung an den Finanzmärkten fiel auch das Kapitalanlageergebnis mehr als dreimal so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Damals hatten hohe Abschreibungen infolge der Finanzkrise den Konzern unter dem Strich sogar knapp in die roten Zahlen gebracht. Die Bruttoprämieneinnahmen wuchsen nun durch die Übernahme der früheren AIG-Sparte Hartford Steam Boiler (HSB) um fast zwölf Prozent auf 10,4 Prozent.
RÜCKVERSICHERUNG LEGT ZU
Die Verbesserung im operativen Geschäft verdankt der Konzern ausschliesslich der Rückversicherungssparte, die nach dem Krisenquartal des Vorjahres ihren operativen Gewinn auf nahezu eine Milliarde Euro steigerte - fast siebenmal so viel wie ein Jahr zuvor. Die Erstversicherungstochter Ergo verdiente operativ mit 226 Millionen Euro rund sechs Prozent weniger als im Vorjahresquartal.
In der Kredit- und Kautionsversicherung machte sich weiter die Wirtschaftskrise bemerkbar. Die Belastungen beliefen sich dort seit Jahresbeginn auf 343 Millionen Euro - bis zur Jahresmitte waren es noch 217 Millionen Euro gewesen.
STÜRME UND NIEDRIGE ZINSEN DROHEN
Für das vierte Quartal zeigte sich Schneider "nicht pessimistisch". Belasten dürften in naher Zukunft allerdings das niedrige Zinsniveau an den Kapitalmärkten. Nachdem die Kapitalanlagen des Konzerns von Januar bis September eine Rendite von 4,3 Prozent abwarfen, rechnet der Vorstand für das Gesamtjahr immerhin noch mit mehr als 4 Prozent. In den Folgejahren dürfte die Rendite allerdings "spürbar" unter dieser Schwelle liegen.
Unterdessen könnte sich die bislang erfreuliche Grossschaden-Bilanz noch vor Jahresende verschlechtern. Im dritten Quartal hatte die Munich Re nur Schäden von knapp 100 Millionen Euro zu begleichen, davon etwa drei Viertel infolge des Sturms Xystus in Mitteleuropa. Die Wirbelsturmsaison sei allerdings noch nicht vorbei, gab die Konzernführung zu bedenken. Im November und Dezember könnten noch Winterstürme wüten./stw/zb

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