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MÜNCHEN (awp international) - Erdbeben, Überschwemmungen und Stürme wirbeln das Gewinnziel des weltgrössten Rückversicherers Munich Re durcheinander. Nach dem schweren Erdbeben in Neuseeland sowie Überschwemmungen und einem Wirbelsturm in Australien zu Beginn des Jahres seien die geplanten 2,4 Milliarden Dollar Gewinn nur noch erreichbar, wenn im weiteren Jahresverlauf die Grossschäden unter den Erwartungen bleiben, teilte das Unternehmen am Donnerstag in München mit. Die genannten Katastropfen schlugen nach ersten Schätzungen mit umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro zu Buche. Das sind gut zwei Drittel der Summe, die Munich Re im gesamten Jahr 2010 für Naturkatastrophen aufwenden musste.
Das ursprünglich veranschlagte Budget von einer Milliarde Euro für Naturkatastrophen für dieses Jahr sei ausgeschöpft, räumte der Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard bei der Bilanzpressekonferenz ein. Ganz aufgeben wollte er das Gewinnziel aber noch nicht. "Wir sind bei Normallauf unter Wasser. Aber die 2,4 Milliarden Euro sind noch nicht aus der Welt. Sie sind nur schwieriger zu erreichen." Auch 2010 habe mit schweren Naturkatastrophen wie etwa dem Erdbeben in Haiti begonnen. Munich Re schloss das Jahr zwar mit einem Gewinnrückgang von fünf Prozent. Dennoch betrug das Nettoergebnis 2,43 Milliarden Euro und lag damit auf der Linie der diesjährigen Erwartungen.
MUNICH RE AM HÄRTESTEN GETROFFEN
Mögliche Kosten für weitere Naturkatastrophen sollten unter anderem aus dem Geschäft des Erstversicherers Ergo kompensiert werden, sagte von Bomhard. Die Policen für Schaden- und Unfallversicherungen, Lebensversicherungen und Krankenversicherungen machen 37 Prozent der Aktivitäten bei Munich Re aus. Auf die Rückversicherung, mit der die Münchner Risiken für andere Versicherungen übernehmen, entfallen 63 Prozent. Indirekt sind so rund zwei Milliarden Menschen, nahezu ein Drittel der Weltbevölkerung, über Munich Re versichert.
Als weltgrösster Rückversicherer ist Munich Re von Grossschäden auch am stärksten betroffen. Der zweitgrösste Rückversicherer Swiss Re rechnet für das Erdbeben in Neuseeland mit Belastungen von 800 Millionen Dollar (rund 575 Millionen Euro), die Hannover Rück mit umgerechnet 150 Millionen Euro. Insgesamt wird das Beben die Branche hart treffen. Die Munich Re rechnet mit Kosten von rund zehn Milliarden australischen Dollar (rund 7,3 Mrd Euro) - rund ein Zehntel davon sollen auf den eigenen Konzern entfallen.
WEITERE BEBEN IN NEUSEELAND ERWARTET
Mittelfristig würden die Schäden aus Wirbelstürmen und Überschwemmungen zunehmen, prognostizierte der bei Munich Re für das Rückversicherungsgeschäft zuständige Vorstand Torsten Jeworrek. Nach den beiden schweren Erdbeben in der neuseeländischen Stadt Christchurch im September 2010 und im vergangenen Februar rechnen die bei Munich Re beschäftigten Wissenschaftler möglicherweise bereits in den nächsten Monaten mit weiteren Beben.
Dies werde zumindest in der Region zu "signifikanten Preiserhöhungen" führen, sagte Jeworrek. Auch auf die im April anstehenden Preisverhandlungen in Japan und Korea würden sich die Naturkatastrophen auswirken. Bei der jüngsten Erneuerungsrunde im Januar konnten die Münchener wie die Konkurrenz kaum höhere Preise durchsetzen.
PRÄMIEN SOLLEN WEITER ZULEGEN
2012 will der Konzern wieder einen Gewinn in der Grössenordnung von 2,4 Millionen Euro erreichen. Auch am mittelfristigen Renditeziel von 15 Prozent hält das Unternehmen fest. Allerdings wird zumindest in diesem Jahr auch dieses Ziel schwer zu erreichen sein, wie man in München selbst einräumt. Grund dafür sind die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt, wo Munich Re die Beiträge seiner Versicherten anlegt. 2010 hatte die Rendite bei 13,5 Prozent gelegen.
Das Unternehmen geht davon aus, dass die Kapitalmarktzinsen in diesem Jahr weiter auf niedrigem Niveau bleiben werden. Es sei daher mit niedrigen laufenden Erträgen aus Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren und Darlehen zu rechnen. Zudem gebe es nur moderate Chancen auf Veräusserungsgewinne. "Deshalb geht die Munich Re von einem mittelfristig niedrigeren Kapitalanlageergebnis aus, bei dem die Verzinsung auf den Bestand unter 4 Prozent liegen sollte", hiess es.
AKTIE FINDET SICH AM DAX-ENDE WIEDER
2010 stieg das Kapitalanlageergebnis um zehn Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Damit glich die Munich Re den Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Die Beitragseinnahmen des Branchenführers legten im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 45,5 Milliarden Euro zu. 2011 will von Bomhard diese um bis zu rund fünf Prozent auf 48 Milliarden Euro steigern. Er setzt dabei vor allem auf organisches Wachstum und kleinere Zukäufe. Die Aktionäre erhalten für 2010 mit 6,25 Euro je Aktie eine um 50 Cent erhöhte Dividende.
Die im Dax notierte Aktie gab am Nachmittag um mehr als zwei Prozent nach und war damit einer der schwächsten Werte im deutschen Leitindex. Das Papier entwickelte sich bereits in den vergangenen Monaten deutlich schlechter als die meisten Standardwerte. Händler führten die Verluste am Donnerstag auf die vorsichtigen Aussagen zum Gewinnziel im laufenden Jahr zurück. Zudem schloss die Munich Re wegen der hohen Kosten für die Naturkatastrophen einen Verlust im ersten Quartal nicht aus. Zudem wurde von einigen Experten mit Enttäuschung aufgenommen, dass der Konzern im kommenden Jahr nicht mit einem im Vergleich zu 2010 steigenden Gewinn rechnet./fin/zb

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