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Munich Re stürzt wegen Katastrophen tief in die roten Zahlen (Zus)

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Hintergrund, Aktienkurs, Analystenstimme)
MÜNCHEN (awp international) - Erdbeben, Tsunami und Flut haben den weltgrössten Rückversicherer Munich Re tief in die roten Zahlen gestürzt. Für das erste Quartal musste der Dax-Konzern wegen der Ereignisse in Japan, Neuseeland und Australien fast eine Milliarde Verlust ausweisen. Dennoch rechnet das Management für 2011 weiterhin mit einem Gewinn, obwohl die verheerenden Tornados in den USA im April mit weiteren 100 bis 150 Millionen Euro zu Buche schlagen dürften. Die Aktie des Rückversicherers rutschte am Vormittag um 1,29 Prozent ins Minus und gehörte damit zu den schwächeren Werten im Markt.
"Wir wollen und können selbst nach diesen verheerenden Naturkatastrophen einen Gewinn für das Gesamtjahr erzielen", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider am Montag in München. Ihr ursprüngliches Gewinnziel von 2,4 Milliarden Euro hatte die Munich Re vor Wochen gekippt. Nun ein niedrigeres auszugeben, halte er nicht für angebracht, sagte Schneider.
KATASTROPHENPOLICEN WERDEN TEURER
Allerdings erwartet der Vorstand im Naturkatastrophen-Geschäft deutlich steigende Preise. In Japan seien Erdbebenversicherungen zum April zum Teil um die Hälfte teurer geworden. Aus Sicht von WestLB-Analyst Thomas Noack ist nun die entscheidende Frage für den Versicherer, wie stark er bei Katastrophenversicherungen insgesamt an der Preisschraube drehen kann.
In den ersten drei Monaten verbuchte die Munich Re unter dem Strich ein Minus von 947 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Plus von 485 Millionen Euro gestanden. Für die Folgen der Naturkatastrophen musste die Munich Re mit 2,7 Milliarden Euro geradestehen. Alleine für Erdbeben und Tsunami in Japan hat der Vorstand 1,5 Milliarden Euro angesetzt. Das ist etwa so viel, wie das Unternehmen für alle Naturkatastrophen des Jahres 2010 zusammen aufbringen musste.
MITBEWERBER GETROFFEN
Die Katastrophen hatten bereits dem weltweit zweitgrössten Rückversicherer Swiss Re im ersten Quartal rote Zahlen eingebrockt. Allerdings traf es ihn nur halb so schlimm wie die Münchner. Der Branchendritte Hannover Rück konnte sich dank hoher Gewinne aus Kapitalanlagen und einer Steuerrückerstattung in die schwarzen Zahlen retten. Für die Munich Re darf es im Rest des Jahres nicht mehr allzu dick kommen: Für Katastrophenschäden hat der Vorstand noch 700 bis 750 Millionen Euro eingeplant.
Unterdessen deckten die Beitragseinnahmen in der Rückversicherung im ersten Quartal nicht einmal zwei Drittel der Ausgaben für Schäden und Verwaltung. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 159,4 Prozent weit über der kritischen 100-Prozent-Marke.
FINANZMÄRKTE HELFEN NICHT
Dennoch schnitt das Unternehmen unter dem Strich besser ab als von Analysten erwartet. Der operative Verlust fiel mit 1,4 Milliarden Euro hingegen noch höher aus als befürchtet. Auch an den Finanzmärkten konnte die Munich Re die Belastungen nicht auffangen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schrumpften die Gewinne aus Kapitalanlagen um ein Fünftel auf knapp zwei Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen kletterten konzernweit überraschend stark um 11,3 Prozent auf fast 13 Milliarden Euro.
Unterdessen hatte die Munich Re auch in der Erstversicherung Belastungen zu verkraften. Die Erstversicherungsstochter Ergo, zu der auch der Krankenversicherer DKV, die Rechtsschutzversicherung D.A.S. und die Reiseversicherung ERV gehören, musste Abschreibungen von 34 Millionen Euro auf ihr Südkorea-Geschäft vornehmen. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich zwar um einen halben Prozentpunkt auf 98,2 Prozent, fiel aber schlechter aus als von Experten erwartet. Im Gesamtjahr soll der Gewinn der Sparte jedoch weiterhin 450 bis 550 Millionen Euro erreichen./stw/stb/

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