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NEW YORK (awp international) - Jetzt wird es richtig brenzlig für die Deutsche Börse und ihren Wunschpartner New York Stock Exchange: Die US-Technologiebörse Nasdaq und die mit ihr verbündete US-Rohstoffbörse ICE kündigten am Montag an, die NYSE Euronext notfalls feindlich übernehmen zu wollen. Ihre bisherigen Annäherungsversuche waren ins Leere gelaufen, weil die NYSE weiterhin mit der Deutschen Börse fusionieren will.
"Der Verwaltungsrat der NYSE Euronext hat unser überlegenes Angebot zwei Mal ausgeschlagen, ohne überhaupt mit uns zu reden", ereiferte sich ICE-Chef Jeffrey Sprecher. "Wir wenden uns mit unserem Angebot jetzt direkt an die Aktionäre der NYSE Euronext." Denen offeriert das Bieterduo rund 11 Milliarden Dollar (7,4 Mrd Euro) in Barem und eigenen Aktien. Nehmen die Anteilseigner an, platzt die Fusion mit den Frankfurtern.
Eigentlich wollen die Deutsche Börse und die NYSE den weltgrössten Börsenbetreiber schmieden. Darauf hatten sie sich nach monatelangen Verhandlungen Anfang des Jahres geeinigt. Das Gegenangebot von Nasdaq und ICE hatte NYSE-Verwaltungsratschef Jan-Michiel Hessels noch jüngst als "illusorisch" bezeichnet: "Wir glauben nicht, dass sie die nötigen Genehmigungen bekommen." Wettbewerbshüter und Finanzaufsicht müssen zustimmen - und eine Kombination aus NYSE und Nasdaq würde die Börsenlandschaft in den USA umwälzen.
Die Nasdaq bietet je NYSE-Aktie 14,24 Dollar in Cash und 0,4069 eigene Aktien. Obendrauf kommen 0,1436 Aktien der ICE. Bei der Fusion mit der Deutschen Börse bekämen die NYSE-Aktionäre dagegen 40 Prozent am neuen Gesamtunternehmen. Auf der NYSE-Hauptversammlung vor wenigen Tagen hatten einige Anteilseigner gemurrt, sie seien unter Wert verkauft worden, und auf einen höheren Anteil gedrungen. Auf diese unzufriedenen Aktionäre setzen Nasdaq und ICE.
Nasdaq-Chef Bob Greifeld sprach von einer "positiven Resonanz", die er von den NYSE-Aktionären bekommen habe. Dem NYSE-Verwaltungsrat bot er Gespräche an, wenngleich sich die Stimmung zwischen den beiden Lagern durch das feindliche Übernahmeangebot nicht verbessert haben dürfte. Im Mai wollen Nasdaq und ICE die Einzelheiten ihrer Offerte offenlegen. Schon jetzt stieg die NYSE-Aktie um ein gutes Prozent.
Deutsche Börse und NYSE versuchen, ihren Aktionären die Fusion mit der Aussicht auf höhere Einsparungen und damit höhere Gewinne schmackhaft zu machen. Nach bisherigen Plänen sollen die NYSE-Anteilseigner auf einem extra anberaumten Aktionärstreffen am 7. Juli über den Zusammenschluss befinden./das/DP/he

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