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Oerlikon nach Einigung mit Banken gerettet - 2009 halbe Milliarde Verlust (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 01. April 2010 - 15:10 publiziert

Zürich (awp) - Das Schweizer Traditionsunternehmen OC Oerlikon hat nach monatelangem Ringen mit dem Gläubigern den Kopf aus der Schlinge gezogen. Der Industriekonzern vereinbarte mit den Kreditgebern eine Einigung zur finanziellen Restrukturierung, wobei eine Kapitalerhöhung zentrales Element ist. Die Wirtschaftkrise, die neben dem Kauf der Textilmaschinenherstellers Saurer die finanzielle Schieflage verursachte, hinterlässt derweil tiefe Spuren in der Bilanz.
Der Verwaltungsratspräsident (VRP) sieht das Unternehmen nach der Einigung mit den Gläubigern auf einem guten Weg. "Wir stehen finanziell wieder auf stabilen Füssen", sagte VRP Vladimir Kuznetsov am Donnerstag am Unternehmenssitz in Pfäffikon. Kuznetsov geht nun davon aus, dass der Industriekonzern mit mehr als hundert Jahren Tradition an einem Aufschwung wieder teilhaben kann. Dies war offensichtlich nicht immer klar. "Ein Konkursrisiko war 2009 nicht ausgeschlossen", sagte Kuznetsov.
Das Jahr 2009 werde in der Geschichte Oerlikons prägend sein, kommentierte CEO Hans Ziegler. Im abgelaufenen Jahr sank der Umsatz um mehr als ein Drittel und der Auftragseingang reduzierte sich um nahezu ein Drittel. Der EBIT verschlechterte sich auf -589 Mio nach einem Verlust von 59 Mio CHF im Vorjahr, der Nettoverlust betrug 592 Mio CHF, nach einem Minus von 422 Mio CHF. Auf dem Ergebnis lasteten rund 350 Mio CHF an Sonderkosten. Allein auf dem Goodwill der Textilmaschinensparte wurden 202 Mio CHF abgeschrieben.
Keine der Sparten konnte sich dem wirtschaftlichen Niedergang entziehen. "Ein dramatischer Umsatzeinbruch in allen Segmenten", kommentierte COO Thomas Babacan. Der operative Chef blickt jedoch zuversichtlich in die Zukunft. So sei die Profitabilität gesteigert worden und Innovationen sowie eine erhöhte Effizienz sollen den Konzern wieder nach oben führen. Ein kräftiger Tritt auf die Kostenbremse kommt hinzu. Die wiederkehrenden Kosten sollen nun gegenüber 2008 bis Ende 2011 um insgesamt bis zu 400 Mio CHF gesenkt werden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009 seien Einsparungen von rund 237 Mio CHF erzielt worden. Insgesamt beliefen sich die Restrukturierungskosten 2009 auf 107 Mio CHF. "Im laufenden Jahr 2010 dürften die Restrukturierungskosten zwischen 50 Mio und 70 Mio CHF liegen", sagte Finanzchef Jürg Fedier.
Die Belegschaft bekommt die Einsparungen zu spüren. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt fast 2'000 Stellen abgebaut und weitere 1'100 Mitarbeitende verliessen das Unternehmen im Rahmen von Desinvestitionen. Weitere 1'700 Stellen sollen nun bis Ende 2011 wegfallen.
Neben den Beschäftigten müssen auch Aktionäre und Gläubiger Federn lassen. Die Banken müssen dabei auf 25 Mio bis 125 Mio CHF verzichten. Die eigentliche Rekapitalisierung des schlingernden Konzerns wird über eine Herabsetzung des Nennwertes aller Aktien und der anschliessenden Herausgabe von neuen Aktien erreicht.
Pro Aktie erhalten die heutigen OC-Oerlikon-Eigner demnach das Recht, 19 neue Aktien zu je 3,72 CHF zu kaufen. Hauptaktionärin Renova, die rund 45% an OC Oerlikon hält, verpflichtet sich, alle ihre Bezugsrechte auszuüben. Kuznetsov zählt bei der Rekapitalisierung auch auf die österreichischen Beteiligungsgesellschaft Victory, mit der Renova eine Gruppe bildet. "Wir gehen davon aus, dass Victory Aktien zeichnen wird", sagte der VRP. Victory hält gegenwärtig rund 11% an dem Industriekonzern
Die Banken dagegen werden jene neuen Aktien zeichnen, deren Bezugsrechte nicht wahrgenommen werden. Der Preis für die neuen Aktien wird dabei mit den Schulden verrechnet, die OC Oerlikon bei den Kreditgebern hat. Auf diese Weise soll rund 1 Mrd CHF in die Konzernbilanz fliessen.
Darüber hinaus erhalten die Kreditgeber die Möglichkeit, bis zu 150 Mio CHF Schulden ebenfalls in neue Aktien umzuwandeln. Ausserdem können die Banken, bei denen OC Oerlikon in der Kreide steht, jene Titel kaufen, welche der Konzern derzeit selbst hält. Alles in allem kann so das Eigenkapital des Konzerns um bis zu 1,3 Mrd CHF erhöht werden.
Die Aktien zeigen sich am Nachmittag nach einem volatilen Auftakt unverändert. Der Gesamtmarkt (SPI) notiert fester.
ps/cc

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