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Panik in Griechenland nach weiterer Abwertung (AF)

Dieser Inhalt wurde am 27. April 2010 - 19:20 publiziert

ATHEN (awp international) - Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Dienstag auf ein Ramsch-Niveau gesenkt und damit grosse Besorgnis in dem Land ausgelöst. Die weitere Abwertung von BBB+ auf BB+ wurde als "unerklärlich" bezeichnet. "Es ist nunmehr ein klar europäisches Thema", sagte der griechische Regierungssprecher Giorgos Petalotis im griechischen Radio wenige Minuten nach der Abwertung. Es ist das erste Mal, dass der Sprecher in Athen so schnell auf eine Abwertung reagiert.
"Die Geldeinlagen in Griechenland sind sicher", beschwichtigte der Regierungssprecher. "Die Verhandlungen mit dem IWF und die EU gehen bald zu Ende wir werden bald Unterstützung bekommen, hiess es. "Die Moral in der Regierung ist sehr gut. Wir tun was richtig ist", fügte Petalotis hinzu. Im staatlichen Fernsehen hiess es: "Es ist eine Attacke gegen das Land. Etwas muss jetzt dringend geschehen". Viele Sender unterbrachen ihr Programm und berichteten vom "neuen Schlag gegen die Wirtschaft" des Landes. Die Athener Börse war bereits am Nachmittag um sechs Prozent auf ein Jahrestief von 1696,68 Punkten gefallen.
Griechenland ist vom finanziellen Zusammenbruch bedroht. Deswegen hatte Athen die EU und den Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag offiziell um Hilfe gebeten. Die Euro-Länder wollen Athen allein 2010 mit bis zu 30 Milliarden Euro unter die Arme greifen - Deutschland würde davon bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen.
Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou rief am Dienstag in einer emotionalen Rede seine Landsleute zum Zusammenhalt auf: "Griechenland geht durch eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte. Die Beschlüsse, die jetzt gefasst werden müssen, werden von schwerwiegender Bedeutung auch für die kommenden Generationen sein", sagte er am Dienstag vor der Parlamentsgruppe seiner Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) in Athen. "Lasst uns unser Vaterland neu beleben. Jetzt oder nie", unterstrich er in der Ansprache, die vom Fernsehen übertragen wurde.
Trotz der schwierigen Lage wurden am Dienstag öffentliche Verkehrsmittel in Athen lahmgelegt. Und zahlreiche Gewerkschaften kündigten weitere Streiks für Anfang Mai an. Die Athener Presse spekulierte, dass die Griechen den Gürtel noch enger schnallen müssen, um die dringend benötigten Gelder von EU und IWF zu bekommen.
"Zwei Löhne Opfer", schrieb die regierungsnahe Athener Zeitung "Ta Nea". "Merkel sagt: Wir geben euch - aber ihr müsst bluten", hiess es in der linksliberalen "Eleftherotypia". Am Montagabend hatte der griechische Premier Papandreou mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen der brenzligen Lage telefoniert. Die Medien waren sich weitgehend einig, dass die Gefahr einer Staatspleite auch nach möglichen Finanzspritzen für die nächsten Jahre nicht gebannt ist.
Griechenland hatte klargestellt, dass es bis spätestens Mitte Mai eine Milliardenhilfe braucht. "Das kritische Datum ist der 19. Mai. Bis dahin muss die Unterstützung aktiviert sein", hatte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Montagabend im griechischen Parlament gesagt. Athen muss zum 19. Mai eine Milliarden-Anleihe zurückzahlen und die Summe neu finanzieren.
tt/DP/js

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