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SÃO PAULO (awp international) - Börsenrekord aus Brasilien: Mit fast 70 Milliarden US-Dollar hat der Öl-Konzern Petrobras die grösste Kapitalerhöhung aller Zeiten vollzogen. Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva sprach am Freitag von einem "historischen Tag", der in die Geschichtsbücher eingehen werde. Mit dem Geld soll Öl in Tausenden Metern Tiefe vor der Küste Brasiliens gefördert werden. "Gott war sehr grosszügig mit dem brasilianischen Volk", sagte Lula bei einer Zeremonie in der Bovespa-Börse in São Paulo, wo die neuen Aktien das erste Mal am Montag gehandelt werden.
Das staatlich kontrollierte Unternehmen legte den Ausgabepreis für Vorzugsaktien mit 26,30 Reias und für Stammaktien mit 29,65 Reais fest. Der Umfang der Aktienplatzierung schlägt mit 120,3 Milliarden Reais (70 Mrd US-Dollar/52 Mrd Euro) alle Rekorde. Petrobras-Chef José Sergio Gabrielli sagte: "Heute beginnt eine neue Etappe für Petrobras, für Brasilien, für unsere Gesellschaft."
Mit der Kapitalerhöhung will das grösste Unternehmen Brasiliens die vor der Küste von Rio de Janeiro und Santos liegenden Ölressourcen ausbeuten. Der Staat, der bislang mit rund 40 Prozent an dem Konzern beteiligt ist und die Mehrheit der Stimmrechte hat, baut seinen Einfluss im dem Prozess weiter aus.
Ein zwischen Petrobras und der Regierung kürzlich vereinbartes Öl- Aktien-Tauschgeschäft hat ein Volumen von 43 Milliarden Dollar. Die Regierung überschreibt dabei Petrobras Förderrechte für fünf Milliarden Barrel Öl vor der Küste Brasiliens und stockt im Gegenzug seine Aktien auf. Der Restbetrag, also knapp 30 Milliarden US-Dollar, kommt von Kleinanlegern und institutionellen Investoren aus dem In- und Ausland.
Finanzminister Guido Mantega betonte, mit der Kapitalerhöhung stehe Petrobras weltweit an Platz zwei der Ölbranche nach dem US- Konzern Exxon. "Wer vor einigen Jahren behauptet hätte, dass Petrobras heute eine Kapitalerhöhung von 70 Milliarden US-Dollar vornimmt, den hätte man vermutlich in eine psychiatrische Klinik gebracht", sagte Mantega.
Mit dem frischen Geld will Petrobras auch seine ehrgeizigen Pläne bis 2014 finanzieren, die Investitionen von 224 Milliarden Dollar vorsehen. Die Förderung des Öls ist aufwendig und teuer - es liegt in bis zu 7000 Meter Tiefe und unter einen dicken Salzschicht. Die Umweltkatastrophe nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko machte der Branche zudem die hohen Risiken klar. Davon aber war am Freitag kein Wort zu hören.
Die Kapitalerhöhung fällt nach mehrmaligen Verschiebungen mitten die heisse Phase des brasilianischen Wahlkampfes und dürfte der Regierung Lula nicht ungelegen kommen. Am kommenden Sonntag sind in dem Land Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Die Kapitalerhöhung war ein zentrales Anliegen der Regierung. Lula bezeichnete die Ölvorkommen oft als "Geschenk Gottes" und zweite Unabhängigkeit Brasiliens./hr/DP/edh

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