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TRIPOLIS/BRÜSSEL (awp international) - In Libyen haben die gewaltsamen Proteste gegen das Regime von Staatschef Muammar al-Gaddafi die Hauptstadt Tripolis erfasst. Oppositionsanhänger brannten in der Nacht zu Montag das Gebäude des Volkskongresses nieder. Nach Augenzeugenberichten soll das Gebäude des staatlichen Fernsehens geplündert worden sein. Die Lage in dem nordafrikanischen Land blieb unübersichtlich.
Mehrere Volksstämme sollen sich den Gaddafi-Gegnern angeschlossen haben. Ein Gaddafi-Sohn warnte vor einem Bürgerkrieg. Der Staatschef mied weiter die Öffentlichkeit. Die Gewalt in Libyen lässt die Ölpreise steigen.
Gaddafis Sohn Saif al-Islam, der als Nachfolger der Präsidenten gehandelt wird, hatte in der Nacht in einer Fernsehansprache vor einem Bürgerkrieg gewarnt. Er sagte, die Führung sei bereit zu Reformen. Sie wolle aber, falls nötig, bis zum letzten Mann kämpfen.
Das Parlament, der Allgemeine Volkskongress, sollte am Montag zusammenkommen und über Reformen beraten. Nach Angaben von Einwohnern der Stadt waren bis zum frühen Morgen Schüsse zu hören gewesen. Zahlreiche Polizeistationen der Hauptstadt standen am Morgen in Flammen, wie ein Korrespondent des Fernsehsenders Al-Jazeera berichtete. Menschenrechtsgruppen hatten am Wochenende von etwa 150 Toten bei den tagelangen Aufständen gesprochen.
Nach unbestätigten Meldungen sollen sich die Sicherheitskräfte aus mehreren Städten zurückgezogen haben. Die Aufständischen, die am vergangenen Mittwoch mit ihren Demonstrationen gegen die Staatsführung begonnen hatten, haben demnach einige Städte weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht. Im Osten hätten kriminelle Banden das Machtvakuum für Plünderungen ausgenutzt.
Die EU sollte nach Ansicht des italienischen Aussenministers Franco Frattini derzeit von Sanktionen gegen das von Gewalt erschütterte Libyen absehen. "Europa sollte nicht eingreifen", sagte Frattini am Montag in Brüssel am Rande eines Treffens mit seinen europäischen Amtskollegen.
Auf Internetseiten der Oppositionellen hiess es, zwei Stämme planten, die Stadt Sebha in Zentrallibyen unter ihre Kontrolle zu bringen. Zuvor hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass sich Gaddafi dorthin zurückgezogen haben soll.
Bis zum Morgen hingen Tränengasschwaden in der Luft. Der Flughafen Tripolis war am Montag noch geöffnet. Dem Vernehmen nach bereiteten sich zahlreiche Ausländer auf die Ausreise vor. Westliche Firmen sind vor allem im libyschen Energiesektor sowie im Baugeschäft tätig. Auch etwa 500 Deutsche leben in dem nordafrikanischen Land, darunter auch viele Deutsche mit doppelter Staatsbürgerschaft.
Das Auswärtige Amt in Berlin warnt nun vor Reisen in den Osten des Landes. Auf seiner Internet-Seite empfahl das Ministerium ausdrücklich, Bengasi, die zweitgrösste libysche Stadt, zu meiden. Grundsätzlich wird geraten, von Reisen nach Libyen abzusehen. Allen Deutschen, die sich derzeit noch in dem nordafrikanischen Land aufhalten, wird die Ausreise empfohlen. Eine förmliche Reisewarnung für ganz Libyen gab es aber noch nicht.
Als Touristen sind im Land vermutlich nur wenige Bundesbürger unterwegs. Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte Libyen erst im vergangenen November besucht und dabei auch Machthaber Muammar al-Gaddafi getroffen. Damals fand in Tripolis ein EU/Afrika-Gipfel statt.
Eine Sondermaschine der Turkish Airlines musste am Montag einen Evakuierungsflug abbrechen. Die Maschine habe in Bengasi, der zweitgrössten Stadt des Landes, keine Landeerlaubnis mehr bekommen und sei deswegen nach Istanbul zurückgekehrt, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu./abc sv/DP/tw

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