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Tripolis/Kairo (awp/sda/dpa/rtd/dapd) - Regierungstruppen und Aufständische kämpfen in Libyen um strategisch wichtige Städte. Dabei ist die Lage an den Brennpunkten unübersichtlich. In Al-Sawija, 50 Kilometer westlich von Tripolis, wechselte die Front am Sonntag innerhalb von Stunden mehrmals hin und her.
Die Streitkräfte von Staatschef Muammar al-Gaddafi griffen die Stadt nach einem Bericht des Nachrichtensenders Al-Dschasira von Flugzeugen aus und mit Artillerie an. Gaddafi-Anhänger feierten in Tripolis den angeblichen "Sieg" über die Rebellion. Aufständische und Augenzeugen widersprachen dieser Darstellung.
Gaddafi-Truppen drangen auch nach Misrata, 210 Kilometer östlich von Tripolis, vor und lieferten sich dort mit Rebellen Häuserkämpfe.
Ein von den Regimegegnern in Benghasi gebildeter Nationalrat rief die internationale Gemeinschaft auf, eine Flugverbotszone in Libyen einzurichten. Nur so könnten Zivilisten vor den Bomben des Diktators geschützt werden. Eine Bodenintervention ausländischer Streitkräfte lehnte der Rat aber strikt ab.
Der Stabsschef von US-Präsident Barack Obama zeigte sich am Sonntag skeptisch gegenüber einer Flugverbotszone. Zuvor hatte bereits US-Verteidigungsminister Robert Gates erläutert, eine Flugverbotszone beginne mit einem Angriff auf Libyen, um die Flugabwehr zu zerstören.
ANGEBLICHE ERFOLGE
Mit Freudenschüssen und einem Aufmarsch auf dem Grünen Platz in Tripolis feierten mehrere tausend Regimeanhänger vermeintliche Erfolge der Regierungstruppen. Sie hielten Bilder des Machthabers in die Höhe und riefen: "Gott, Muammar und Libyen!".
Das Staatsfernsehen hatte am Morgen die angebliche Rückeroberung der umkämpften Städte Al-Sawija, Misrata und Ras Lanuf und sogar die des tief im Rebellenland gelegenen Tobruk gemeldet. Zudem hiess es, die Regierungstruppen seien auf dem Vormarsch zur Hafenstadt Benghasi.
Ein Mitglied des Nationalrats von Misrata sagte dagegen Al-Dschasira, die Gaddafi-Gegner hätten Benghasi weiter fest in ihrer Hand. Später gingen die Streitkräfte jedoch massiv gegen die Rebellen vor.
Im östlichen Ölhafen Ras Lanuf, den die Aufständischen in der Nacht zum Samstag erobert hatten, versuchte das Regime durch Luftangriffe Terrain wettzumachen. Die Aufständischen zogen sich zunächst zurück, setzten dann aber ihren Vormarsch weiter nach Westen fort.
Im westlich gelegenen Bin Dschawwad lieferten sie sich heftige Gefechte mit den Gaddafi-Truppen, berichtete eine Reporterin von Al-Dschasira.
OSTEN VON REGIME-GEGNERN KONTROLLIERT
Der ganze östliche Landesteil von Ras Lanuf über Benghasi bis zur ägyptischen Grenze wird nach übereinstimmenden Berichten von Augenzeugen und Reportern weiter von Gaddafi-Gegnern kontrolliert.
Ein in Libyen von Aufständischen festgehaltenes Diplomatenteam aus Grossbritannien ist nach Angaben von Aussenminister William Hague wieder frei. Die Männer hätten Kontakt zur Opposition aufnehmen wollen, erklärte Hague. Laut BBC handelt es sich offenbar unter anderem um sechs Soldaten einer Spezialeinheit, die Diplomaten begleiteten.
Zur Vorbereitung des Libyen-Sondergipfels am kommenden Freitag schickte die EU am Sonntag ein Erkundungsteam nach Tripolis, um zu prüfen, wie die EU-Staaten weitere Unterstützung für die Menschen im Land leisten können.
Mit Blick auf die Repression des Aufstandes durch das Regime sagte Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey am Sonntag gegenüber Medien, Gaddafi müsse wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Internationalen Strafgerichsthof in Den Haag gebracht werden.
Gaddafi seinerseits fordert eine Untersuchung des Aufstandes gegen sein Regime durch die UNO oder die Afrikanische Union, wie er der französischen Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" sagte. Zugleich machte er, wie schon bisher, "Terroristen" für die Rebellion verantwortlich.
Das libysche Regime hält drei niederländische Marineflieger fest, die versucht hatten, zwei Landsleute aus der Gaddafi-Hochburg Sirte auszufliegen. Sie werden der Spionage bezichtigt.
EVAKUATION BESCHLEUNIGT
Mehrere Staaten beschleunigten unterdessen die Evakuation von Flüchtlingen aus Libyen. Laut UNO sind bisher mehr als 190'000 Menschen vor den Kämpfen geflohen, 104'000 nach Tunesien, 85'000 nach Ägypten und 4000 nach Algerien.
Drei Schiffe der deutschen Marine nahmen am Samstag in Tunesien mehr als 400 ägyptische Flüchtlinge an Bord und liefen Richtung Ägypten aus. In der Nacht zum Sonntag landeten in Kairo zudem zwei von vier US-Militärflugzeugen, die 312 ägyptische Flüchtlinge in ihre Heimat zurückbringen. China hat bereits über 35'000 Landsleute nach Hause geholt.

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