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LONDON (awp international) - Als sich die Lage in Libyen vor rund drei Wochen zuspitzte, charterten viele westliche Länder Passagierjets und Fähren, um ihre Landsleute aus der Krisenregion zu holen. Grossbritannien schickte ein Kriegsschiff. Wenige Tage später war Premierminister David Cameron der erste politische Protagonist einer UN-Vetomacht, der das Wort "Flugverbotszone" in den Mund nahm - was nichts anderes heisst, als einen Luftkrieg gegen Muammar al-Gaddafis Luftwaffe.
"Wir schliessen keinesfalls den Einsatz militärischer Mittel aus", sagte Cameron bereits am 28. Februar, obwohl nur Berichte und keine Beweise für Massaker in Libyen vorlagen. Die Zeitungen auf der Insel karikierten den jungen Premier - Cameron ist noch nicht einmal ein Jahr im Amt - sogleich als Möchtegern-Kriegsherr, der seine innenpolitischen Probleme auf dem Schlachtfeld kaschieren will. International war er isoliert. Kaum einer der westlichen Verbündeten wollte ihm folgen, am ehesten fand er noch Unterstützung seitens der Araber. Nach einer gescheiterten Geheimdienstmission britischer Agenten mussten sich Cameron und sein Aussenminister William Hague sogar beissenden Spott anhören.
Das Blatt hat sich gewendet. Das Säbelrasseln in Libyen könnte zum grössten diplomatischen Erfolg seit langem für die ehemalige Weltmacht Grossbritannien - und zu Camerons erstem - werden. Denn er schloss in den vergangenen Wochen die Reihen hinter seinem Vorschlag für eine Flugverbotszone.
Er setzte gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sowie mit arabischer Hilfe nicht nur die UN-Resolution durch, sondern zwang auch Oberst Gaddafi vom Kommandostand in die Diplomatie. Der Despot musste reagieren - und verkündete am Freitag umgehend eine sofortige Feuerpause. Seinen Aussenminister Mussa Kussa liess er verkünden, die Führung in Tripolis wolle den Dialog. "Die Republik Libyen unternimmt alles, um die Zivilbevölkerung zu schützen und ihr die benötigte humanitäre Hilfe zukommen zu lassen."
Westliche Diplomaten gaben darauf zunächst nicht viel. "Es zählt nicht was er sagt, sondern was er tut", sagte Cameron postwendend, um gar nicht erst den Eindruck aufkommen zu lassen, er sei geneigt, die Daumenschrauben zu lösen. Auch das Verteidigungsministerium in London plante am Freitag weiter den Militäreinsatz.
Sollte es dazu kommen, wäre Grossbritannien ein weiteres Mal ganz vorne in der Reihe, wenn es zum Krieg kommt. Im Irak und Afghanistan zogen die Briten gemeinsam mit den Amerikanerin zu Felde. Auch 1986, als US-Präsident Ronald Reagan nach einem Anschlag auf die von US-Soldaten besuchte Diskothek "La Belle" in West-Berlin standen die Briten unter der "Eisernen Lady" Margaret Thatcher eng an der Seite Amerikas und liessen die US-Bomber von ihren Basen starten - andere Länder erlaubten dies nicht.
Zwei Jahre später stürzte über dem schottischen Lockerbie ein US-Passagierflugzeug der Fluggesellschaft PanAm ab. Ein Vergeltungsschlag, nach Auffassung des Westens angeordnet vom "verrückten Hund", wie Reagan den Oberst aus Tripolis tituliert hatte. 270 unschuldige Menschen starben.
2004 versuchte Premierminister Tony Blair - getrieben auch von wirtschaftlichen Interessen britischer Unternehmen - das Problem Gaddafi politisch zu lösen. Blair reichte dem Despoten in einem Beduinenzelt in der libyschen Wüste "die Hand der Freundschaft". Seitdem bauten sich mannigfaltige Beziehungen zwischen London und Tripolis auf - bis hin zu persönlichen Kontakten libyscher Waffenhändler und Gaddafis Sohn Saif al-Islam zu Mitgliedern der britischen Königsfamilie und anderen Würdenträgern. Das ist den Briten jetzt hochgradig peinlich./dm/DP/fn

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