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TRIPOLIS/DOHA (awp international) - Gegen alle Appelle des Westens setzt der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi seine blutige Offensive gegen die Aufständischen unbeirrt fort. Die Rebellen leisten ihrerseits nach wie vor erbitterten Widerstand und kontrollieren weite Teile im Osten des Landes. Beide Seiten meldeten auch am Montag Erfolge. Dabei steigt die Zahl der Toten und Verletzten stündlich.
Angesichts der bürgerkriegsähnlichen Zustände werden nun Erkundungsteams von Vereinten Nationen und Europäischer Union in Libyen erwartet. Bundesaussenminister Guido Westerwelle begrüsste die Ernennung eines UN-Sondergesandten für Libyen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den früheren jordanischen Aussenminister Abdul Ilah Chatib mit der schwierigen diplomatischen Mission betraut.
Ein Brennpunkt des Konflikts ist die nach Tripolis und Bengasi drittgrösste Stadt Misurata im Westen des Landes. Salah Badi, der Kommandeur der Aufständischen in Misurata, sagte der Nachrichtenagentur dpa, seit 4.00 Uhr sei die Lage in der Stadt ruhig. In der Nacht seien die Truppen Gaddafis mit 42 Militärfahrzeugen und sieben Panzern in die Stadt eingedrungen.
Die Soldaten des Machthabers hätten sich heftige Gefechte mit den Aufständischen geliefert und sich dann wieder aus der Stadt zurückgezogen. Zwei Panzer seien von den Regimegegnern zerstört worden. Mehr als 40 Menschen starben. 24 Soldaten und Söldner sowie 17 Aufständische und ein zwei Jahre altes Mädchen seien ums Leben gekommen, sagte Badi.
Nach Rebellenangaben wurden bei den Kämpfen mehr als ein Dutzend Soldaten gefangen genommen. Ein Sprecher der Aufständischen sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, von den 14 gefangenen Soldaten der Chamies-Brigade seien vier verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden.
Auch im Osten wurde rund um das Dorf Bin Dschawad an der Mittelmeerküste wieder gekämpft. In dem Ort, der am Wochenende zunächst von den Rebellen eingenommen und dann von Gaddafis Truppen zurückerobert worden war, starben am Sonntag nach Angaben eines Krankenwagenfahrers sieben "Revolutionäre". 65 Menschen seien zum Teil schwer verwundet worden.
Die arabische Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" berichtete am Montag, Gaddafi habe am Vortag in der Hauptstadt Tripolis Waffen und Munition an junge Männer verteilen lassen, die aus dem Kreis der Unterstützer seines Regimes stammen. Diese Männer hätten in mehreren Vierteln sinnlos herumgeballert, um Chaos zu stiften.
Zugleich soll Gaddafi Kontakt zum neuen "Nationalrat" in Bengasi aufgenommen haben - angeblich um vorzuschlagen, dass er mit seiner Familie ins Exil geht. Seine Bedingungen seien: Die neuen Machthaber lassen ihn mitsamt seinem Vermögen ausreisen und verzichten auf Ermittlungen gegen ihn und seinen Clan, berichtete "Al-Sharq Al-Awsat". Die Übergangsregierung der Aufständischen habe auf diesen Vorschlag, der ihnen von einem Vermittler unterbreitet worden sei, noch nicht reagiert.
Westerwelle nannte den neuen UN-Sondergesandten für Libyen einen erfahrenen Politiker aus der Region, der dem humanitären und politischen Einsatz der Staatengemeinschaft für Libyen Gesicht und Stimme gebe. "Die Staatengemeinschaft muss zugleich den Druck auf die libysche Führung weiter erhöhen", forderte Westerwelle. "Der UN-Sicherheitsrat muss sich erneut mit der Lage in Libyern befassen. Weitere gezielte Sanktionen wie ein Stopp aller Zahlungen an das Gaddafi-Regime gehören dringend auf die Tagesordnung von EU und Vereinten Nationen", verlangte der Aussenminister. Auch ein Team der EU unter Leitung des Italieners Agostino Miozzo ist nach Mitteilung der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton auf dem Weg nach Libyen.
Dschumaa Ibrahim, ein Staatssekretär im libyschen Aussenministerium, nannte es "nicht akzeptabel und illegal", dass französische und britische Diplomaten Kontakte zu den Rebellen im Osten des Landes aufgenommen hätten. Der einzige Ansprechpartner für die Regierungen dieser Länder müsse die libysche Regierung sein.
as/abc/laj/DP/she/rt

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