Presseschau vom 03.02.2004
Vogelgrippe und Rekorddefizit in den USA. Diese Themen setzen die Schweizer Zeitungen heute als Schwerpunkte im Ausland.
Im Inland-Teil dominieren Kommentare zu den Bemühungen der Schweiz und der EU, die zweiten Bilateralen Verhandlungen zu Ende zu führen.
"Zweiseitig riskantes Seilziehen", titelt die BASLER ZEITUNG. Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey möchte alle neun Dossiers gleichzeitig abschliessen, doch für die EU werde es langsam eng.
"Während die Schweiz vorläufig auf Zeit spielen kann, muss die EU bis Mitte Jahr die Zinsbesteuerung unter Dach und Fach haben, damit die Richtlinie EU-intern wie geplant ab 2005 in Kraft gesetzt werden kann."
Spitzfindigkeiten
Der TAGES ANZEIGER nennt die Probleme im Seilziehen um die Einigung direkt:
"Die Schweiz will nur bei Steuerbetrug, nicht aber bei Hinterziehung Rechtshilfe gewähren. Die EU will das nicht akzeptieren."
Der bilaterale Weg sei für die Schweiz derzeit anstrengend und trage wenig Früchte.
"Die Sorgen der Schweiz interessieren in Brüssel immer weniger", so der TAGI. Und er kommt zum Schluss:
"Umso wichtiger war der Entscheid des Bundesrats, das Beitrittsgesuch in Brüssel zu lassen."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG lobt die klare Haltung der Aussenministerin:
"Bundesrätin Micheline Calmy-Rey ist in Brüssel nicht als Bittstellerin aufgetreten."
Rekorddefizit für Bush als Stolperstein...
Das grösste Defizit in der Geschichte der USA beträgt 521 Milliarden Dollar. Ist das nun schlecht für Präsident Bush oder eher ein Trumpf? Die Kommentatoren sind sich nicht einig.
"Riesenlöcher im US-Haushalt", titelt der DER BUND. Das Defizit sei ein gefundenes Fressen für seine demokratischen Widersacher.
"Und sie haben damit gute Aussicht auf Erfolg", so der Kommentar.
"Wegen der aufgeblähten Staatsausgaben beginnt auch Bushs konservative Basis gegen den Präsidenten zu rebellieren. Ohne sie kann er die Wiederwahl nicht schaffen. Das musste vor zwölf Jahren schon Bush Senior erfahren."
Die Westschweizer Zeitung LE TEMPS wertet das Defizit nicht als gutes Zeichen und titelt: "Les folies fiscales de George Bush" – Die steuerpolitischen Torheiten des George Bush.
Zu lange habe man die Butter, die Kanonen und die Steuer-Erleichterungen haben wollen. Das sei ein verantwortungsloses Spiel.
...oder als Trumpf?
Ganz anders sieht es die BERNER ZEITUNG: "Defizit als Trumpf?", fragt sie.
"Der mitfühlende Konservatismus, den Bush erfunden hat, mag teuer sein, wie seine parteiinternen Kritiker zu Recht monieren."
Politisch habe er sich jedoch als höchst effektiv erwiesen.
"Wenn die Wirtschaft bis zur Wahl mitspielt, ist das Defizit sogar sein heimlicher Trumpf."
Für die NEUE LUZERNER ZEITUNG könnte das US-Riesendefizit jedoch Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben.
"Bushs fanatischer Kreuzzug gegen das Böse könnte für die Welt teuer werden."
Winziges Virus - ganz gross
Die "unheimliche Vogelgrippe" ist dem BLICK heute eine rot gefärbte Schlagzeile wert.
"Ein winziges Virus macht uns fertig."
Und das Boulevardblatt kennt den Seuchenplan des Bundes: "Politiker werden zuerst geimpft." Danach würden Ärzte und Pflegepersonal, Chauffeure, anschliessend Polizei und Feuerwehr die Spritze erhalten.
Die Menschheit könne zwar Sonden zum Mars schiessen und Riesenschiffe wie die "Queen Mary II" bauen. Gegen ein winziges Virus jedoch seien wir machtlos.
"Das Fatale aber ist: Je mehr wir durch Stress, falsche Ernährung, Umweltgifte, zu wenig Bewegung, zu viel Alkohol und Rauchen unsere Immunabwehr schwächen, desto leichteres Spiel haben die Viren."
swissinfo, Christian Raaflaub

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