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(Neu: Einschätzungen von Analysten in den Abschnitten 7 und 8 nach Lead)
Basel (awp/sda) - Wegen der gekürzten Gesundheitsbudgets vor allem in den USA und in Europa sowie Rückschlägen bei der Zulassung von Medikamenten greift der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern Roche zum Rotstift. Wieviele Stellen er streicht, gibt er bis Ende Jahr bekannt.
Die Kostenträger im Gesundheitswesen investierten ihre knapper werdenden Ressourcen vermehrt in Therapien und Diagnosemethoden mit dem grössten medizinischen Nutzen, begründet Roche am Freitag die Initiative. Der Kostendruck habe zur Folge, dass der Konzern die Prozesse zur Anpassung der Kostenstruktur und zur Produktivitätsverbesserung beschleunigen müsse.
Die Initiative "Operational Excellence" sei indessen nicht nur eine Kostensenkungsmassnahme, teilte Roche weiter mit. Es gehe auch darum, die richtigen Prioritäten zu setzen.
Alle Unternehmenseinheiten von Roche überprüfen nun in den kommenden Monaten ihre Strukturen und Prozesse. Zu internen Vorgaben für diese Analyse wollte Konzernsprecher Alexander Klauser auf Anfrage keine Angaben machen.
Die aus dieser Analyse folgenden Massnahmen sollen 2011 und 2012 umgesetzt werden. Wie das konkret aussieht und welche Auswirkungen es auf den Stellenbestand hat, will Roche vor Ende des laufenden Jahres bekannt geben.
FOKUSSIERUNG AUF INNOVATION
Wie das Communiqué Konzernchef Severin Schwan zitiert, startet Roche die Initiative aus einer Position der Stärke. Anders als bei vielen Konkurrenten liefen bei Roche nur wenige Patente ab. Zudem verfüge das Unternehmen trotz Rückschlägen in den vergangenen Monaten über eine starke Pipeline in Forschung und Entwicklung.
Die Ressourcen würden auf Investitionen in Innovationen fokussiert, die dem langfristigen Erfolg dienen. An der Börse wurde die Ankündigung gut aufgenommen. Die Roche-Genussscheine lagen nach Handelsschluss 1,8% im Plus bei 142,20 CHF. Der Gesamtmarkt (SMI) schloss um 1,1% Prozent höher.
Analysten sehen vor allem im Vertrieb und bei den Forschungsausgaben Einsparungspotenzial. Ebenso könnte die Integration der 2008 übernommenen US-Biotechnologietochter Genentech mehr als die in Aussicht gestellte eine Milliarde Franken Synergien bringen. "Die Einsparungen sind unseres Erachtens zu niedrig angesetzt", erklärte Vontobel-Analyst Andrew Weiss. "Sie könnten bis zu 1,6 Mrd CHF betragen."
Sarasin-Analyst David Kägi geht davon aus, dass in den USA und Europa rund 1500 Beschäftigte im Vertrieb abgebaut werden können. Die Analysten des Brokers Helvea schätzen, dass Roche bis spätestens 2013 mühelos zwei 2 Mrd CHF einsparen kann.
RÜCKSCHLÄGE BEIM UMSATZRENNER
Roche musste jüngst einige Rückschläge bei der Zulassung von Medikamenten hinnehmen. So empfahl in den USA der Beratungssausschusses der Nahrungs- und Medikamentenaufsicht FDA, die Zulassung von Avastin zur Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs zurückzuziehen. Falls die FDA der Empfehlung bis am 17. September folgt, droht Roche ein Umsatzverlust von 600 Mio CHF.
Einen weiteren Rückschlag musste Roche in Grossbritannien hinnehmen. Die britische Gesundheitsbehörde NICE hat Avastin zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs weiterhin als zu teuer abgelehnt - trotz eines neuen Preisvorschlags von Seiten des Pharmakonzerns. Der Entscheid ist anfechtbar.
Avastin ist der Umsatzrenner bei Roche. Das Krebsmedikament brachten es im ersten Semester auf 3,4 Mrd CHF. Auf die Onkologie entfielen in den ersten sechs Monaten 57% des Pharmaumsatzes von 19,4 Mrd CHF. Der Gesamtumsatz stieg um 3% auf 24,6 Mrd CHF.
Ihren Konzerngewinn konnten die Basler gegenüber dem Vorjahressemester um satte 37% auf 5,6 Mrd CHF steigern. Das Unternehmen beschäftigt in der Schweiz rund 10'000 Angestellte. Weltweit sind es 80'000.
Roche-Konkurrent Novartis sieht derzeit keinen Anlass für Sparmassnahmen, wie Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella am Rande des "Tags der Wirtschaft" in Basel sagte. Novartis hatte im Juli nach einem überraschend starken zweiten Quartal die Umsatzprognose angehoben.
rt

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