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MONTE CARLO (awp international) - Die Rückversicherer lassen sich bei der anstehenden Vertragserneuerung nicht von skeptischen Experten irritieren. Beim Branchentreffen "Rendez-vous de Septembre" in Monte Carlo geben sich die Vorstände sich optimistisch, dass sie sich dem herrschenden Preisdruck weitgehend entziehen können. "Wir verstärken nur die Teile des Geschäfts, die uns gute Gewinne versprechen", sagte Ulrich Wallin, Chef des weltweit viertgrössten Rückversicherers Hannover Rück am Montag. Branchenführer Munich Re will seinen Vertragsbestand zum Jahreswechsel so rentabel halten wie 2010, und Swiss Re kündigte an, sich auf "spezifische Kunden- und Marktsegmente" zu konzentrieren.
Im ersten Halbjahr hatten vor allem das Erdbeben in Chile, Stürme und der Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" den Rückversicherern herbe Belastungen eingebrockt. Dennoch sollte sich die Branche nach Ansicht von Experten kurzfristig kaum Hoffnung auf höhere Preise im Geschäft mit Erstversicherern wie der Allianz machen. "2011 werden die Prämien im Nichtleben-Bereich im dritten Jahr in Folge zurückgehen", sagte der Strategiechef des weltgrössten Rückversicherungsmaklers Aon Benfield, Bryon Ehrhart. Zudem ist die Kapazität für Rückversicherungsdeckungen nach der Finanzkrise viel stärker gewachsen als die Nachfrage. Das drückt auf die Konditionen.
Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnte kurzfristig vor allem ein Ereignis von der Grösse des Hurrikans "Katrina" von 2005 den Preistrend umkehren. Eine Katastrophe mit einem Schaden von 40 bis 50 Milliarden US-Dollar würde die Nachfrage der Erstversicherer nach Rückversicherungsschutz vermutlich wieder anspringen lassen, sagte Versicherungsexperte James Eck. Dann hätte die Branche allerdings zunächst immense Belastungen zu tragen.
Für die anstehende Verhandlungsrunde zum 1. Januar, bei dem ein Grossteil der Schaden- und Unfall-Rückversicherungsverträge zur Erneuerung ansteht, erwartet die Hannover Rück leicht fallende Preise. Allerdings sei das Preisniveau noch angemessen und auskömmlich, sagte Wallin. Die Erdbeben und die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko liessen Rückversicherungsschutz gegen Naturkatastrophen sowie die Versicherungsdeckungen für Ölbohrinseln teurer werden. Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek gab sich kämpferisch: "Wachstum ohne Profitabilität kommt für uns nicht infrage." Auch Swiss-Re-Manager Brian Gray kündigte "risikogerechte Preise" an. Andere Unternehmen arbeiteten hingegen "mit Tarifen, die wertvernichtende Wirkung haben", klagte er.
Trotz des überschüssigen Kapitals hält sich die Branche mit Zusammenschlüssen und Übernahmen zurück. Sie warteten auf die endgültige Fassung der Eigenkapitalregeln mit dem Titel Solvency II, sagte Miles Trotter, Analytiker bei der auf Versicherer spezialisierten Ratingagentur A.M. Best. "Solange wir nicht wissen, wie Rückversicherung unter den neuen Bedingungen bewertet wird, können wir keine grossen Deals machen", bestätigte Swiss-Re-Chef Lippe.
Nach Ansicht von Moody's ist die Lage auch für potenzielle Verkäufer nicht rosig. "Die Aktien der Branche werden seit zwei Jahren unter ihrem Buchwert gehandelt", sagte Experte Eck. Ein Verkauf sollte jedoch nach Möglichkeit einen Gewinn einbringen. Zurückhaltend äusserte sich auch Munich-Re-Vorstand Jeworrek: "Man wird sehen müssen, ob sich entsprechende Gelegenheiten ergeben". Er sehe aber keine Notwendigkeit, das Überschusskapital des Dax-Konzerns auszugeben.
Ihr Geld können die Rückversicherer nach Ansicht von Aon Benfield gut gebrauchen. "Die Branche ist nur überkapitalisiert, solange es kein grosses Schadenereignis gibt", sagt der Chef des Maklers, Michael O'Halleran. Zudem könnte den Unternehmen in den kommenden Jahren auch die Inflation zu schaffen machen. Zum einen, weil durch die Geldentwertung die Kosten für Schäden wachsen, die Prämien aber jeweils schon Monate zuvor ausgehandelt wurden. Zum anderen, weil die Wirtschaft darunter leiden und die Schäden in bestimmten Versicherungssparten steigen lassen könnte./stw

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