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Siedlungsentwicklung soll räumlich besser begrenzt werden

(Keystone-SDA) Ein Nationales Forschungsprogramm (NFP) macht grosse Schwächen in der Schweizer Raumplanung aus. Laut den Forschern werden Siedlung, Infrastruktur und Landschaft zu wenig als Ganzes behandelt – und die Bedürfnisse einiger Gruppen, etwa älteren Menschen, kommen zu kurz.

Jede Sekunde wird in der Schweiz eine Fläche von einem Quadratmeter verbaut. Die Zersiedelung stosse zunehmend von den Agglomerationen in die Alpentäler vor, sagte Eugen Brühwiler von der ETH Lausanne, Präsident der Leitungsgruppe des NFP “Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung” (NFP 54), am Mittwoch vor den Medien in Bern.

Laut den Forschern sollte die Siedlungsentwicklung räumlich besser begrenzt und bestehende Siedlungen besser koordiniert genutzt werden. Erhebliches Potenzial sehen die Wissenschaftler zum Beispiel in brachliegenden Industrie- und Bahnarealen. Letztere besetzten eine Fläche von 280 Hektaren, sagte Brühwiler.

Soziale Verdrängung

Auch der Untergrund biete erhebliches Potenzial, zum Beispiel für Verkaufsräume, Lager und Logistik. Da er aber auch für die Nutzung von Ressourcen wie Kies, Wasser und Energie wichtig ist, sei eine umfassende Koordination nötig, sagte Brühwiler.

Zu wenig beachtet werden heute die Bedürfnisse verschiedener sozialer Gruppen, wie Leitungsgruppenmitglied François Hainard von der Universität Neuenburg sagte. Neubauwohnungen in Städten etwa bedienten grösstenteils ein lukratives Marktsegment. Arme Menschen könnten sich diese nicht leisten und würden in die Agglomeration abgedrängt.

Ganzheitliche Planung

Ganzheitliche Planung sei auch bei den technischen Infrastrukturen nötig. Noch immer würden Strassen, Bahnen, Gas-, Wasser- und Stromversorgung oder Kanalisationen weitgehend unabhängig voneinander geplant und erstellt. Die Forscher schlagen vor, ein nationales Infrastrukturkonzept zu erarbeiten.

Einen haushälterischen Umgang mit dem Boden verlangt auch eine Volksinitiative. Umweltverbände wollen damit unter anderem ein Baulandmoratorium für 20 Jahre erreichen. Die Teilrevision des Raumplanungsgesetzes, mit welcher der Bundesrat die Initiative bekämpfen will, steckt momentan in den parlamentarischen Beratungen.

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