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MÜNCHEN (awp international) - Der langjährige Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat in seiner Autobiografie Vorwürfe im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre zurückgewiesen und sich über einen rüden Umgang mit ihm beklagt. Siemens habe ihm damals schriftlich mitgeteilt, dass er die Räumlichkeiten des Konzerns nicht mehr nutzen dürfe, was für ihn einem Hausverbot gleichgekommen sei, schreibt Pierer in seinem Buch "Gipfel-Stürme", aus dem die "Welt am Sonntag" vorab zitierte. Er sei der einzige der Altvorstände, der von einem derartigen Verbot betroffen war, obwohl ihm vorher zugesagt worden sei, dass er unter anderem Büro und Fahrer weiter nutzen dürfe.
Pierer will das Buch, das im Econ Verlag erscheint, an diesem Montag (17.1.) in Berlin vorstellen. Es wäre der erste grössere öffentliche Auftritt des einstigen "Mr. Siemens" nach seiner Einigung mit seinem früheren Arbeitgeber auf Schadenersatz in Millionenhöhe. Pierer stand von 1992 bis 2005 an der Siemens-Spitze, am 26. Januar wird er 70 Jahre alt. Eine persönliche Verwicklung in den Skandal um schwarze Kassen und dubiose Zahlungen zur Erlangung von Aufträgen im Ausland, der den Konzern in seine bisher tiefste Krise stürzte, hatte Pierer stets von sich gewiesen. Lediglich eine "politische Verantwortung" für die Affäre räumte er ein.
Das Unternehmen wies Pierers Kritik am Sonntag zurück: "Auch wenn Herr von Pierer immer wieder von Hausverbot spricht - ein solches gab und gibt es nicht." Für den ehemaligen Konzernchef und früheren Aufsichtsratsvorsitzenden gelte aber das Gleiche wie für andere ehemalige Vorstände: "Kein Alt-Vorstand geht nach eigenem Ermessen einfach so ein und aus in seinem früheren Wirkungsbereich einschliesslich Büros, Mitarbeiter, Kantine etc. Darauf war Herr von Pierer seinerzeit in der Tat ausdrücklich hingewiesen worden."
Im grössten Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte waren über Jahre hinweg insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro an Schmiergeldern in schwarze Kassen geschleust und zur Erlangung von lukrativen Auslandsaufträgen eingesetzt worden. Die Aufarbeitung kostete den Konzern rund 2,5 Milliarden Euro, darunter Anwalts- und Beraterkosten, Straf- und Steuernachzahlungen. Von diesem Donnerstag (20.1.) an muss sich der ehemalige Siemens-Zentralvorstand Thomas Ganswindt als bisher ranghöchster Ex-Manager des Konzerns im Zusammenhang mit dem Skandal vor Gericht verantworten.
In dem Buch schreibt Pierer laut Vorabdruck, er habe dem Vergleich nur zugestimmt, um eine langwierige gerichtliche Fortführung der Auseinandersetzungen mit Siemens zu verhindern. Den Bussgeldbescheid der Staatsanwaltschaft habe er akzeptiert, um nach dem Schlussstrich mit Siemens auch hier den Schlussstrich zu ziehen und zu einem normalen, selbstbestimmten Leben zurückzufinden.
Von den schwarzen Kassen des Konzerns habe er nichts gewusst, beteuerte Pierer zudem in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag). "Das hat sogar ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München bestätigt", sagte der Ex-Manager, der einmal zu den wichtigsten Wirtschaftslenkern Deutschlands gehörte. "Und das wird, soweit noch Verfahren gegen andere Personen laufen, ja auch noch eine Rolle spielen."
Das System, das es zu seiner Zeit zur Verhinderung von Korruption im Konzern gegeben hat, habe dem Stand der Dinge entsprochen, sagte Pierer. Nie sei er persönlich in Verhandlungen mit Kunden mit dem Thema Bestechung konfrontiert worden. Auf die Frage, ob es möglich sei, in einem auf der ganzen Welt tätigen Unternehmen mit Hunderttausenden Mitarbeitern Geschäfte ohne Korruption zu machen und den Überblick darüber zu behalten, antwortet Pierer: "Siemens sagt, das geht. Das ist ein klares und eindeutiges Statement."/csc/DP/he

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