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MÜNCHEN (awp international) - Der Elektrokonzern Siemens gibt seinen rund 128.000 Mitarbeitern in Deutschland weitreichende Arbeitsplatzgarantien. Das Unternehmen einigte sich mit der IG Metall auf einen entsprechenden Beschäftigungspakt. Damit knüpft Siemens an eine auslaufende Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung von 2008 an - und weitet sie aus: Der Pakt gilt nun nicht nur für die Mutter, sondern auch für die Töchter in Deutschland, wie die Siemens AG am Mittwoch in München mitteilte. Schlechte Nachrichten gibt es dagegen aus dem Medizintechnik- Geschäft, in dem Siemens eine Milliardenabschreibung vornehmen muss.
Einer der Kernpunkte des Abkommens mit der Gewerkschaft ist, dass Siemens im Falle personeller Anpassungen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden will. Falls es doch dazu kommt, muss der Betriebsrat solchen Kündigungen zuvor zustimmen. Die Vereinbarung ist unbefristet, jedoch frühestens nach Ablauf von drei Jahren kündbar.
Konzernchef Peter Löscher sprach von einem klaren und langfristigen Bekenntnis zum Standort Deutschland. "Siemens ist ein verantwortungsvoller Arbeitgeber. Jeder einzelne Mitarbeiter ist uns wichtig." IG-Metall-Chef Berthold Huber bewertete die Einigung als wichtige Grundlage für die künftige Entwicklung des Unternehmens mit zuletzt 128 000 Mitarbeitern in Deutschland. "Das neue Abkommen bietet den Beschäftigten von Siemens Sicherheit und Schutz bei zukünftigen Veränderungen. Siemens bleibt in der sozialen Verantwortung für die Beschäftigten", sagte Huber.
Zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen will Siemens nach eigenen Aussagen "wie bereits in der Vergangenheit sämtliche Mittel ausschöpfen". Dazu gehöre unter anderem ein Personalausgleich zwischen den Standorten und Kurzarbeit. Sollten sich Einschnitte beispielsweise wegen einer massiven Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes als nicht abwenden lassen, müssen sich Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter zuvor an einen Tisch setzen. Zuletzt hatte das Unternehmen in Deutschland rund 128.000 Mitarbeiter. Während der Wirtschaftskrise waren zeitweise bis zu 19.000 Siemens-Beschäftigte in Kurzarbeit.
Nach den Worten von Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler wird mit der Vereinbarung sichergestellt, dass sowohl die Stammbelegschaften als auch Qualifikation und Fertigungsfähigkeit bei Siemens gehalten würden. "Das Abkommen hat sich während der Krise bewährt, was inzwischen auch die Firmenseite anerkennt." Seine langfristige Fortsetzung sei "unter wirtschaftlichen und sozialen Aspekten für die Beschäftigten und das Unternehmen vernünftig und zukunftsweisend".
Anders als die Vorgänger-Vereinbarung, die Ende September abgelaufen wäre, gilt die Standort- und Beschäftigungssicherung auch unmittelbar für die deutschen Siemens-Töchter mit Ausnahme des vor der Ausgliederung stehenden Siemens-IT-Dienstleisters SIS. Dort sollen im Zuge des Umbaus weltweit mehr als 4000 Arbeitsplätze wegfallen. Das bisherige Abkommen war 2008 geschlossen worden, um ein milliardenschweres Sparprogramm bei Siemens in Vertrieb und Verwaltung abzufedern, das mit dem Abbau tausender Jobs einher ging.
Im Medizintechnik-Geschäft muss der Konzern derweil im vierten Geschäftsquartal bis zu 1,4 Milliarden Euro abschreiben. Siemens hatte in der 2006 und 2007 zusammengekauften Labordiagnostik-Sparte seine hochgesteckten Ziele verfehlt. Über drohende Abschreibungen war deshalb bereits spekuliert worden. Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hatte bereits vor einiger Zeit entsprechende Andeutungen gemacht. Der Konzern hatte neben der Bayer-Diagnostiksparte auch die US-Unternehmen DPC und Dade Behring für insgesamt mehr als elf Milliarden Euro übernommen und zu einer eigenen Diagnostiksparte zusammengeführt. "Während die Kostenziele im Rahmen der Integration der drei Unternehmen voll erfüllt wurden, sind wir bei dem Wachstum hinter unseren Zielen zurückgeblieben", teilte der Chef des Sektors Healthcare, Hermann Requardt, am späten Dienstagabend in München mit.
Hintergrund der Abschreibung sei eine Neubewertung mittelfristiger Wachstumserwartungen und langfristiger Marktentwicklungen in der Labordiagnostik. Der Schritt sei nicht zahlungswirksam. Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2009/10 (30. September) bleibe davon unberührt. Löscher verteidigte den Kauf der Unternehmen. Die Börsen reagierten am Mittwoch zeitweise mit einem kräftigen Kursabschlag für die Siemens-Aktien auf die Neuigkeiten. Am frühen Abend notierten die Papiere fast zweieinhalb Prozent im Minus bei unter 77,50 Euro./csc/DP/edh

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