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SNB/Hildebrand mahnt Lösung des "too big to fail"-Problems an

Dieser Inhalt wurde am 18. November 2009 - 18:50 publiziert

Zürich (awp) - Für die "too big to fail"-Problematik müssen nach Ansicht von SNB-Direktoriumsmitglied Philipp Hildebrand politische Lösungen gefunden werden. Von dem Problem, dass systemrelevante Banken derzeit nicht in den Konkurs geschickt können, sei die Schweiz mit ihrem im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft sehr grossen Bankensektor ganz besonders betroffen, sagte Hildebrand in einer Rede in Genf. Er warnte davor, in den Bemühungen für eine Reform des Finanzsystems nachzulassen.
Solange Banken auf die Unterstützung durch Staatsgelder rechnen könnten, werde ihre Marktdisziplin immer unterlaufen, stellte Hildebrand in seinem Vortrag klar. Werde das Problem nicht adäquat angegangen, könnte das in einer künftigen Krise ernsthafte Konsequenzen haben.
Ein zukünftiges Finanzsystem muss laut dem SNB-Direktoriumsmitglied eine ordentliche Auflösung grosser, systemrelevanter Firmen zulassen, wenn diese vom Konkurs bedroht sind. Im Vordergrund der Bemühungen zur Entschärfung dieses Problems müsse ein international anerkannter und geregelter Prozess stehen, der die Abwicklung grosser Finanzinstitute während einer schweren Krise erlaube.
Die betroffenen Firmen müssten zudem verpflichtet werden, ihre internen Strukturen klarer gegeneinander abzugrenzen, so Hildebrand. Das würde nicht nur die geordnete Abwicklung in einer Krise erleichtern sondern dürfte auch für ein besseres Risikomanagement in den betreffenden Firmen sorgen. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass in einigen Fällen die Firmen nicht nur zu gross, sondern auch zu komplex geworden seien.
Die Massnahmen müssten aber auch die Grösse der Banken angehen. Zwar bringe die Grösse den Instituten sicherlich auch Vorteile, gemäss empirischen Erkenntnissen seien diese Vorteile recht limitiert. Die Debatte über die Aufsplittung einiger grosser europäischer Banken zeige, dass solche Massnahmen nicht unmöglich seien.
Im Hinblick auf eine künftige neue Krise müssten forderte Hildebrand zudem eine Verschärfung der Kapital- sowie die Liquiditätsanforderungen der Banken. Das könne mittelfristig ohne allzu drastische Anpassungen durch die Banken erfolgen, gab sich Hildebrand überzeugt: Viele der in Not geratenen Banken hätten ja in den Jahren vor der Krise mehr Geld in Dividenden und Aktienrückkäufen ausgeschüttet, als sie während der Krise verloren hatten.
Neben risikobasierten Kapitalanforderungen brauche es auch eine einfache und kohärente Verschuldungsgrenze, so Hildebrand weiter. Ein internationaler Standard müsse von den Banken zudem einen Liquiditätspuffer fordern, dessen Wert auch in Zeiten massiver Verwerfungen robust bleibe.
Eine wirksame Reform der Regulierung führe zu Kosten für die Banken, räumte Hildebrand ein. Eine gestärkte Regulierung bringe aber den Instituten auch Vorteile. Auch wenn nun viele Banken wieder substanzielle Gewinne schrieben, dürfe mit den Bemühungen für eine Reform des Systems nicht nachgelassen werden: Andernfalls werde eine künftige noch grössere Krise zu einem regulatorischen und protektionistischen Rückschlag führen werde, der die Marktwirtschaft bedrohen würde.
tp/are

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