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TAGESÜBERSICHT WIRTSCHAFT

Dieser Inhalt wurde am 16. Oktober 2009 - 17:30 publiziert

Bern (awp/sda) - Freitag, 16. Oktober 2009
KONSUM SCHWÄCHELT: Die Konsumenten in der Schweiz haben im August weniger Geld ausgegeben. Im Detailhandel gingen die Umsätze um 1,2 Prozent zurück. Teuerungsbereinigt betrug die Abnahme 1,0 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) bekannt gab. Über das Jahr betrachtet, stagniert der Detailhandel: Werden die ersten acht Monate des Jahres 2009 zusammengerechnet, stiegen die Umsätze um 0,7 Prozent, real beträgt die Zunahme noch 0,4 Prozent. Den stärksten Umsatzrückgang spürten im August Schuh- und Bekleidungsverkäufer mit einem teuerungsbereinigten Minus von 10,7 Prozent (nominal: -8,5 Prozent).
KAHLSCHLAG BEI WIFAG: Die Stadtberner Druckmaschinen-Fabrik Wifag baut weitere 300 Stellen ab. Betroffen ist die kriselnde Zeitungssparte, in der die Wifag bereits im Mai den Abbau von 90 der 650 Arbeitsplätze angekündigt hat. Die Hoffnung, dass sich die "historische Krise" mit Kurzarbeit und dem ersten Abbau bewältigen lasse, habe sich zerschlagen. Der Druckmaschinenbau leide weltweit unter einem noch nie dagewesenen Auftragseinbruch und überdies unter einem dramatischen Preiszerfall, teilte die Wifag-Polytype Gruppe mit. Der Konzern könne den Schwerpunkt nicht mehr beim traditionellen Zeitungsdruck setzen. Für die Sparte werde deshalb ein starker Partner gesucht. Die Gewerkschaften reagierten bestürzt und machten dem Management des Unternehmens schwere Vorwürfe.
NORMALISIERUNG DER AUTO-KÄUFE: Der Verkaufsrückgang bei Neuwagen hat sich zum dritten Mal in Folge verlangsamt. Im September war der Absatz 2,7 Prozent tiefer als ein Jahr zuvor. Das ist weitaus besser als der gesamthafte Rückgang in den ersten neun Monaten 2009 von -10,1 Prozent. "Trotz eines voraussichtlich guten Autoherbstes ist allerdings davon auszugehen, dass das Autojahr 2009 nicht zu den guten Jahrgängen gehören wird", kommentierte Andreas Burgener, Direktor des Branchenverbands auto suisse, die jüngsten Zahlen.
ENTTÄUSCHUNG ÜBER CYTOS: Die Aktie des Zürcher Biopharma-Unternehmens Cytos ist spektakulär abgestürzt. Am Nachmittag lag der Titel mit 16 Franken knapp 30 Prozent unter dem Vortagesschlusskurs. Grund sind Rückschläge bei der Entwicklung des Anti-Nikotin-Impfstoffs NIC002. Cytos entwickelt den Impfstoff NIC002 in Zusammenarbeit mit Novartis. Der Basler Pharmakonzern will die Entwicklung weiterführen, Cytos drohen aber Liquiditätsschwierigkeiten.
DATENPANNE BEI AWD: Beim Finanzdienstleister AWD ist es in Deutschland zu einer Datenpanne gekommen. Dem Radiosender NDR Info wurden 27'000 Datensätze von Kunden der Swiss-Life-Tochter zugespielt. Diese enthalten nach Angaben des Senders Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Vertragsabschlüsse der einzelnen Kunden. Daraus sei unter anderem ersichtlich, welche Kunden eine Lebensversicherung abgeschlossen haben und wie viel Geld sie angelegt haben. AWD bestätigte die Datenpanne. Allerdings gebe es bei den vom NDR vorgelegten Daten in Hinblick auf Authentizität von Stammdaten und Kundennummern Zweifel. So seien zahlreiche der dem AWD übermittelten Kundendaten veraltet oder nicht mehr existent.
AUFSCHWUNG: Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich nach Ansicht der deutschen Regierung besser als befürchtet. Für das kommende Jahr erwartet sie ein Wachstum der Wirtschaftsleistung von 1,2 Prozent. Allerdings rechnet das deutsche Wirtschaftsministerium für dieses Jahr mit einem Minus von 5,0 Prozent. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erklärte, "die Chancen der weiteren Erholung überwiegen inzwischen die Risiken". Wichtig sei nun, nach den staatlichen Konjunkturprogrammen "den Weg zurück zur marktwirtschaftlichen Normalität" und zu Haushaltsdisziplin zu finden. Trotz des erwarteten Wirtschaftswachstums rechnet die Regierung für 2010 mit steigender Arbeitslosigkeit. Im Jahresschnitt werde die Zahl der Arbeitslosen um 640'000 auf 4,1 Millionen klettern.
ENTLASSUNGSWELLE: Die deutsche Industrie hat im August so viele Stellen abgebaut wie seit über 14 Jahren nicht mehr. Ende August zählten die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes 5,03 Millionen Beschäftigte. Das sind 229'000 oder 4,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit Januar 1995 war der prozentuale Rückgang der Beschäftigtenzahl im Vergleich zu einem Vorjahresmonat noch nie so stark wie diesen August, teilte das Statistikamt mit.
MILLIARDENVERLUST: Die krisengeplagte Bank of America ist im dritten Quartal überraschend tief in die roten Zahlen gestürzt. Unter dem Strich stand ein Verlust von mehr als 2,2 Mrd. Dollar. Ein Jahr zuvor hatte die zu den grössten US-Instituten zählende Bank noch einen Gewinn von 704 Mio. Dollar erzielt. Der Verlust fiel höher aus als von Experten erwartet. Auf das Ergebnis drückten erneut milliardenschwere Belastungen durch faule Kredite. Die Bank of America steht massiv unter Druck, weil sie sich unter anderem bei der spektakulären Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch vor rund einem Jahr verhoben hat. Als ersten Top-Banker der Wall Street zwingt die US-Regierung nun den zum Jahresende abtretenden Konzernchef Kenneth Lewis zum Verzicht auf einen Bonus und sein 1,5 Mio. Dollar schweres Grundgehalt für 2009. Der Haken: Dem 62-Jährigen stehen dennoch Aktienoptionen und Rentenansprüche von womöglich bis zu 125 Mio. Dollar zu.
KMU-FÖRDERUNG: Die italienische Regierung hat grünes Licht für die Gründung einer Bank für Süditalien gegeben. An der "Banca del Mezzogiorno" sollen sich unter anderem die italienische Post und private Unternehmen beteiligen. Die Bank soll vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Süditalien in ihrer Entwicklung unterstützen. Sie soll Staatspapiere mit Zinssätzen bis zu 5 Prozent emittieren können. Mit der Bank gibt Regierungschef Silvio Berlusconi dem Druck der süditalienischen Parlamentarier nach. Der Gesetzesentwurf zur Gründung der neuen Bank muss jetzt vom Parlament verabschiedet werden.
ROTE ZAHLEN: Der Handyhersteller Sony Ericsson fährt weiter hohe Verluste ein. Wie das schwedisch-japanische Gemeinschaftsunternehmen mitteilte, brachte das dritte Quartal einen Verlust von 164 Mio. Euro nach einem Minus von 213 Mio. Euro in den vorangegangenen drei Monaten. Im Vorjahresquartal lag das Minus bei 25 Mio. Euro. Konzernchef Dick Komiyama gab bekannt, dass sich Sony Ericsson "zur Stärkung der eigenen Finanzlage" Kreditzusagen über 455 Mio. Euro mit Garantien der beiden Mutterunternehmen gesichert und davon 255 Mio. Euro schon in Anspruch genommen hat.
BARBIE WENIGER GEFRAGT: Dem weltgrössten Spielwarenhersteller Mattel macht der schwache Auftritt seiner Klassiker-Puppe "Barbie" zu schaffen. Der Umsatz des Konzerns fiel im dritten Quartal auch wegen des sinkenden internationalen Geschäfts um 8 Prozent auf knapp 1,8 Mrd. Dollar. Der Gewinn nahm im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent auf 230 Mio. Dollar ab. Negative Währungseffekte und zu wenig neue Spielwaren etwa aus der Vermarktung von Kinofilmen und anderen Entertainment-Sparten drückten das Geschäft.
UNTERSUCHUNG: Nach Gerüchten um den Gesundheitszustand des Königs ermittelt die thailändische Börsenaufsicht wegen Kursmanipulation, wie die Regierung mitteilte. Der thailändische Aktienindex SET war Mitte der Woche ins Minus gerutscht, am Donnerstag verlor er zeitweise acht Prozent. Die Aktien wichtiger Unternehmen des Landes kamen unter Druck. Zuvor waren in der Hauptstadt Gerüchte aufgekommen, dass sich der Zustand von König Bhumibol verschlechtert habe.

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