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TAGESÜBERSICHT WIRTSCHAFT

Dieser Inhalt wurde am 29. Oktober 2009 - 17:20 publiziert

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 29. Oktober
CHIASSO JAGT STEUERFAHNDER: Der Tessiner Grenzort Chiasso will der italienischen Offensive auf den Schweizer Finanzplatz nicht länger tatenlos zusehen: Die Exekutive der Gemeinde hat Kontrollen veranlasst, um zivile italienische Steuerfahnder zu entlarven. Es gebe verschiedene Hinweise, dass auf dem Gebiet von Chiasso unbewilligte Nachforschungen betrieben würden, teilte das Municipio von Chiasso mit. Die Tessiner Polizei und die Grenzwächter würden versuchen, diesen zivilen Fahndern das Handwerk zu legen. Ständerat Filippo Lombardi (CVP/TI) fordert, die Verhandlungen mit Italien über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen auszusetzen. Das Finanzdepartement (EFD) bestätigte, das derzeit Verhandlungen stattfinden. Geht es nach Lombardi, soll die Schweiz die Gespräche "sisitieren, bis die Lage geklärt ist", wie er in einem Interview mit der "Mittelland Zeitung" sagte.
ABB MIT DÜNNEM AUFTRAGSBUCH: Weltweite Investitionen in den Energiesektor stützen den Technologiekonzern ABB. Dennoch ist der schweizerisch-schwedische Grosskonzern nicht gegen die Krise gefeit. Die Bestellungen gingen im dritten Quartal um weitere 21 Prozent auf 7,1 Mrd. Dollar zurück. Der Reingewinn nahm um 12 Prozent auf gut 1 Mrd. Dollar zu. Kräftig angehoben wurde er aber durch 380 Mio. Dollar an Rückstellungsauflösungen. Diese wurden möglich, weil Kartellbussen kleiner ausfallen als befürchtet. Der Umsatz reduzierte sich zwischen Juli und September um 10 Prozent auf 7,91 Mrd. Dollar, wie der Elektrotechnik- und Automationsspezialist weiter mitteilte. Das Betriebsresultat vor Zinsen und Steuern (EBIT) steigerte ABB ebenfalls dank der Rückstellungsauflösungen um 10 Prozent auf 1,42 Mrd. Dollar.
LONZA SPART: Die Krise hat im dritten Quartal den Basler Pharmazulieferer Lonza so stark erwischt, dass er ein Sparpaket schnürt: Die Kosten sollen bis zu 80 Mio. Fr. sinken; 450 Stellen werden dafür abgebaut. Der Jahresgewinn dürfte um rund 80 Mio. auf 360 Mio. Fr. sinken. Die Einbussen erklärte Lonza mit einer sehr kurzfristigen Häufung von Abbestellungen, Verschiebungen sowie Preis- und Mengenreduktionen. Nach einem Betriebsergebnis (EBIT) im Vorjahr von 441 Mio. Fr. erwartet Lonza nun für 2009 noch 360 bis 380 Mio. Fr. - abzüglich Umstrukturierungskosten. Trotz einer Personalfluktuation von sieben Prozent im Jahr sind Entlassungen möglich. Das Unternehmen will vor allem im mittleren und oberen Management abbauen, was weltweit jeden Standort betreffe. Überdies könnten einzelne Anlagen und kleinere Werke geschlossen werden - Visp sei wohl nicht darunter.
SWISS SPÜRT TURBULENZEN: Der eisige Gegenwind der Wirtschaftskrise bläst der Swiss weiterhin voll ins Gesicht. Die Fluggesellschaft hat in den ersten neun Monaten einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Auch der Umsatz ging zurück. Dennoch kann sich das Ergebnis im Vergleich zur Konkurrenz sehen lassen. Der operative Gewinn sackte von Januar bis Ende September um 70 Prozent auf 113 Mio. Fr. ab. Der Betriebsertrag schmolz um 18 Prozent auf 3,236 Mrd. Franken. Wegen der Wirtschaftskrise würden immer weniger Passagiere Erste Klasse oder Businessklasse buchen und dafür Economy fliegen, erklärte die Fluggesellschaft. Zudem sei der Preiskampf härter geworden. Dank dem Druck auf die Kosten habe die Swiss die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bisher weitgehend unter Kontrolle, sagte Swiss-Chef Harry Hohmeister.
HOTELPLAN GIBT FLUGGESCHÄFT AB: Der Reisekonzern Hotelplan steigt aus dem Fluggeschäft aus: Die Migros-Tochter hat ihre Mehrheit von 51 Prozent an der Fluggesellschaft Belair an Air Berlin verkauft. Damit erwirbt der deutsche Billigflieger Belair vollständig und will 130 neue Stellen in der Schweiz schaffen. Über den Verkaufspreis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilten Hotelplan und Air Berlin in einem gemeinsamen Communiqué mit. Air Berlin will mit der Belair kräftig expandieren. Im nächsten Frühling solle die Flotte um drei weitere Flugzeuge wachsen.
PREISBEWUSSTE TESSINER: Vier von zehn Schweizerinnen und Schweizern achten beim täglichen Einkauf immer auf Preise und Qualität. 12 Prozent schauen nie auf den Preis. Gespart wird vor allem bei den Kleidern, aber auch bei der Unterhaltungselektronik und beim Auto. Das zeigt eine telefonische Umfrage von Demoscope im Auftrag von comparis.ch bei 1222 Personen in der Schweiz. 40 Prozent der Befragten gaben an, Preise und Qualität immer zu vergleichen. 47 Prozent machen dies zumindest teilweise. Zwischen Deutschschweiz, Romandie und italienischsprachiger Schweiz gibt es deutliche Unterschiede: Während 35 Prozent der Deutschschweizer immer auf den Preis schauen, sind es in der Westschweiz 46 Prozent und in der italienischsprachigen Schweiz sogar 50 Prozent.
PRÄMIENSCHWUND BEI AXA WINTERTHUR Die Axa Winterthur hat wegen eines rückläufigen Leben-Geschäfts in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres weniger eingenommen: Die Prämieneinnahmen des Versicherers reduzierten sich gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent auf 8,97 Mrd. Franken. Im Einzelleben- und BVG-Geschäft gingen die Bruttoprämien gesamthaft um 4,1 Prozent auf 5,86 Mrd. Fr. zurück, teilte die Schweizer Tochter des französischen Branchenriesen Axa mit. Dagegen habe sich in einem weitgehend gesättigten Markt und bei einem grossen Konkurrenzdruck das Prämienvolumen im Nichtleben-Geschäft um 1,6 Prozent auf 3,11 Mrd. Fr. verbessert.
GEBERIT SPÜRT BAISSE AUF DEM BAU: Die schwierige Lage in der Bauwirtschaft hat beim grössten europäische Sanitärtechnik-Konzern Geberit auf die Gewinn- und Umsatzergebnisse gedrückt. Unter dem Strich blieben nach neun Monaten 316,3 Mio. Franken - ein Fünftel weniger als in der Vorjahresperiode. Der Umsatz lag mit 1,68 Mrd. um 14,3 Prozent tiefer. Der Betriebsgewinn (EBIT) betrug 426,8 Mio. Franken, was einem Rückgang von 13,1 Prozent entspricht. In lokalen Währungen hätte der Umsatz um 8,9 Prozent abgenommen. Geberit-Chef Albert Baehny rechnet auch im ersten Quartal 2010 mit einem stabilen Geschäftsumfeld.
BESSERE LAGE DER PENSIONSKASSEN: Die prekäre finanzielle Situation der Pensionskassen hat sich dank steigender Börsenkurse weiter entspannt: Der Deckungsgrad der Vorsorgeeinrichtungen erhöhte sich im dritten Quartal im Schnitt um 4,3 Prozentpunkte auf 97,7 Prozent. Die positive Entwicklung ist weitgehend auf die anhaltende Erholung der Aktienmärkte zurückzuführen, wie Swisscanto, die Anlagegesellschaft der Kantonalbanken, mitteilte. Privat-rechtliche Pensionskassen wiesen durchschnittlich per Ende September einen Deckungsgrad von 103,5 Prozent auf, bei den öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen betrug er 91,3 Prozent.
UMSATZRÜCKGANG BEI STRAUMANN: In der Wirtschaftskrise zögern viele Patienten den Zahnarztbesuch hinaus. Das spürt auch der Basler Zahnimplantate-Hersteller Straumann, dessen Umsatz in den ersten neun Monaten 2009 um 6,3 Prozent auf 552 Mio. Fr. zurückgegangen ist. In Landeswährungen betrug der Umsatzrückgang 2,6 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte.
US-WIRTSCHAFT AUS DER REZESSION: Die US-Wirtschaft hat sich mit dem ersten Wachstum nach einjähriger Unterbrechung vermutlich aus der Rezession gelöst. Vor allem der private Konsum heizte die Wirtschaftsleistung an. Dies teilte das Handelsministerium nach ersten Berechnungen mit. Die Wirtschaftsleistung der USA legte im Sommer aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent zu, nachdem sie im Frühjahr noch um 0,7 Prozent abgenommen hatte. Der Aufschwung wird vor allem den milliardenschweren Hilfsprogrammen von US-Regierung und Notenbank zugeschrieben. Zudem senkte die US-Notenbank ihren Leitzins auf ein historisches Tief von beinahe Null Prozent und versuchte auch mit anderen Massnahmen, den Kreditmarkt in Schwung zu bringen. Trotz des neuen Aufwärtstrends verharrt die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau. Im September betrug die Quote 9,8 Prozent.
BESSERE STIMMUNG IM EURO-RAUM: Die Stimmung von Unternehmern und Konsumenten in den 16 Euro-Ländern hat sich im Oktober unerwartet stark verbessert. Der Index kletterte um 3,4 auf 86,2 Punkte, wie die EU-Kommission mitteilte. Das ist der siebte Anstieg in Folge. Im März hatte es ein Rekordtief von 64,6 Zählern gegeben. Trotz der Aufholjagd notiert das Barometer weiter deutlich unter seinem langfristigen Durchschnittswert. Wichtigster Grund für den Anstieg war eine deutliche Stimmungsverbesserung in der Industrie. Die Stimmung bei Konsumenten und Bauwirtschaft hellte sich ebenfalls auf.

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