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Tognum lehnt Übernahmepreis als zu niedrig ab (2. AF)

(Neu: Stellungnahme von Daimler und Rolls-Royce)
FRIEDRICHSHAFEN (awp international) - Der Grossdieselmotorenhersteller Tognum beurteilt das Übernahmeangebot von Daimler und Rolls-Royce als zu billig. Der Angebotspreis von 24 Euro je Aktie sei nicht angemessen, teilten Vorstand und Aufsichtsrat am Freitag mit. Daher werde den Tognum-Aktionären abgeraten, das Angebot anzunehmen.
Daimler und Rolls-Royce halten indes am gebotenen Preis fest. In einer Stellungnahme betonten sie erneut, das Angebot liege 30 Prozent über dem letzten Kurs, bevor die Übernahmepläne bekannt wurden. Seither notieren die Tognum-Papiere über dem Angebotspreis, zuletzt bei mehr als 26 Euro.
GROSSES WACHSTUMSPOTENZIAL
Nach Meinung der beiden Interessenten berücksichtigt das Angebot auch hinreichend die Zukunftschancen von Tognum. Das sehen die Führungsgremien von Tognum jedoch anders. Ihrer Auffassung nach wird der Angebotspreis besonders den in den letzten Jahren getätigten Investitionen und daraus resultierenden Wachstumschancen nicht gerecht. Tognum hat besonders viel Geld in die Verbrauchsreduzierung investiert und rechnet sich angesichts der weltweit zunehmend strenger werdenden Abgasgesetzgebungen Wettbewerbsvorteile aus.
Zudem erwartet das Unternehmen einen weiteren Aufwärtstrend nach der Krise, vor allem in Geschäftsfeldern, die erst mit Verzögerung vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren. Ferner berücksichtige der Angebotspreis, der genauso hoch ist, wie der Ausgabepreis beim Börsengang im Juli 2007, nicht den geleisteten Schuldenabbau. Bis Ende Dezember 2010 sei die Nettoverschuldung um rund 300 Millionen Euro zurückgeführt worden.
UNABHÄNGIGES GUTACHTEN STÜTZT ABLEHNUNG
Vorstand und Aufsichtsrat stützen ihre ablehnende Haltung auch auf ein unabhängiges Gutachten der Deutschen Bank und des Finanzdienstleisters Lazard, die bei ihren Berechnungen ebenfalls auf einen höheren Preis kommen. Aus unternehmerischer Sicht sei die Übernahme aber sinnvoll, bekräftigte die Tognum-Führung, die selbst Aktien hält.
Bislang sind nur wenige Aktionäre auf das Übernahmeangebot eingegangen. Nur 0,03 Prozent des Aktienkapitals wurde den Bietern innerhalb der ersten Woche angeboten, wie die Interessenten am Mittwoch mitteilten. Hinzu kommt das Aktienpaket von 28,4 Prozent, das Daimler bereits hielt. Daimler hatte mehrfach betont, das Angebot nicht nachbessern zu wollen. "Wir haben Zeit", heisst es aus dem Unternehmen. Bis zum Ende der Angebotsfrist am 18. Mai müssen mehr als die Hälfte der Aktien in den Besitz der Bieter übergegangen sein, andernfalls wird das Angebot nichtig.
ZUKÜNFTIGER MARKTFÜHRER
Daimler und Rolls-Royce wollen Tognum zu einem weltweiten Marktführer für Industriemotoren weiterentwickeln und künftig in einem Gemeinschaftsunternehmen zu gleichen Teilen führen. Rolls-Royce bringt darin sein bei der Tochter Bergen gebündeltes Geschäft mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit ein. Die Bieter haben zugesagt, dass der Hauptsitz von Tognum in Friedrichshafen bleibt und dort auch weiterhin Produktion sowie Forschung und Entwicklung angesiedelt sind. Für die Arbeitsplätze sieht Daimler-Chef Dieter Zetsche in der Übernahme eher Chancen und keine Gefahr. Auch die bereits getroffene Nachfolgeregelung, nach der der Vorstandsvorsitz im Herbst von Volker Heuer auf den derzeitigen Finanzvorstand Joachim Coers übergeht, tragen die Bieter mit.
Tognum gehörte bis Ende 2005, damals unter dem Namen MTU Friedrichshafen, zum Autokonzern Daimler. Damals verkaufte der frühere Daimler-Chef Jürgen Schrempp den Spezialisten für Motoren etwa für Frachtschiffe, Yachten, Züge oder Panzer an den schwedischen Finanzinvestor EQT. Nach dem Börsengang stieg Daimler 2008 wieder bei Tognum ein. Derzeit beliefern die Schwaben Tognum mit kleineren Dieselmotoren, die in Friedrichshafen auf den Einsatz jenseits der Strasse umgerüstet werden. Auf dieses Geschäft entfällt bei Tognum ein Umsatzanteil von rund zehn Prozent./dct/ck

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