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Transocean/Ölpest: Hoffen und Bangen an US-Golfküste

Dieser Inhalt wurde am 30. April 2010 - 07:44 publiziert

WASHINGTON (awp international) - Hoffen und Bangen an der US-Golfküste: Unmittelbar vor dem Eintreffen des riesigen Ölteppichs haben Einsatzkräfte am Donnerstag mit Hochdruck daran gearbeitet, Schaden abzuwenden. Südöstliche Winde hatten das Öl bis zum späten Donnerstagnachmittag (MESZ) bis auf knapp fünf Kilometer vor das Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre im Süden des Staates Louisiana am Mississippi-Delta zugetrieben, wie ein Sprecher der US-Wetterbehörde NOAA auf einer Pressekonferenz mitteilte. Zuvor war erwartet worden, dass das Öl erst im Laufe des Freitags auf Land trifft.
Die Vorbereitungen auf die Ankunft des Öls liefen unterdessen auf Hochtouren. Einsatzkräfte brachten offiziellen Angaben zufolge zunächst mehr als 50 Kilometer Barrieren aus. 74 Kilometer stünden noch bereit, weitere 80 Kilometer seien angefordert. Die Küstenwache hatte darauf gehofft, am Donnerstag wie bereits am Vortag erneut Öl auf dem Meer abzufackeln. Das hätten allerdings Wetter und Wellengang verhindert. "Sobald es ein passendes Fenster dafür gibt, werden wir damit weitermachen", sagte eine Sprecherin.
Auch die US-Streitkräfte wurden eingeschaltet. Die Marine bereitete rund 20 Kilometer an aufblasbaren Öl-Barrieren sowie sieben Systeme zum Abschöpfen des Öls von der Meeresoberfläche vor, sagte Sprecher Myers Vasquez. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Pensacola in Florida würden weitere Gerätschaften bereitgehalten.
Die US-Regierung spricht inzwischen von einer Ölpest "von nationaler Bedeutung". Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, rief für seinen Staat den Notstand aus. Nun können rasch Bundeshilfen fliessen. Inzwischen ist klar, dass das Ausmass der Katastrophe grösser ist als ursprünglich gedacht: Es fliesst täglich fünfmal mehr Öl ins Meer als zuerst angenommen. Sorge bereite laut Jindal nun zusätzlich, dass durch starken Wind im Golf nun auch schwereres und nicht wie erwartet nur leichteres Öl auf die Küste treffe.
US-Präsident Barack Obama hatte zuvor eine "gründliche Untersuchung" des Unfalls versprochen. Die Bundesregierung werde mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln helfen, die Ölpest einzudämmen. Die Regierung und der Ölkonzern BP "tun das Möglichste, um nicht nur auf diesen Vorfall zu reagieren, sondern auch seinen Ursachen auf den Grund zu gehen", sagte der Präsident.
US-Innenminister Ken Salazar ordnete eine "umgehende Untersuchung" aller Tiefsee-Ölplattformen im Golf an. Sie solle binnen sieben Tagen abgeschlossen werden. Zudem würden alle Ölquellen überprüft, "damit so etwas nicht noch einmal passiert", sagte ein Sprecher.
Auslöser der Ölpest waren die Explosion und der Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon", die BP von der Firma Transocean geleast hatte. Seitdem tritt das Rohöl in 1'500 Meter Meerestiefe aus - wie die US-Behörde für Ozeanographie nun schätzt, sind es täglich etwa 670 Tonnen, die in den Golf von Mexiko gelangen. Es wurde ein drittes Leck entdeckt, aus dem Öl sprudelt.
Tritt weiter Öl in diesen Mengen aus, würde es nur 57 Tage dauern, bis das Ausmass der "Exxon-Valdez"-Katastrophe erreicht würde - der bisher schlimmsten Ölpest in der US-Geschichte. Bis Mittwoch hatten die Experten dafür noch 260 Tage berechnet. Der Ölteppich erreichte nach Angaben des Senders CNN bis Donnerstagmittag (Ortszeit) an den breitesten Stellen eine Ausdehnung von 72 mal 169 Kilometern.
fb/DP/tw/rt

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