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Volkswagen will frisches Geld für Porsche-Übernahme aufnehmen

Dieser Inhalt wurde am 16. Oktober 2009 - 16:10 publiziert

WOLFSBURG (awp international) - Europas grösster Autobauer Volkswagen will sich auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung Anfang Dezember eine umfangreiche Kapitalerhöhung genehmigen lassen. Mit dem frischen Geld soll die Übernahme des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche abgesichert werden, ohne das auch im Wettbewerbsvergleich gute Kreditrating zu gefährden. Geplant sei die Ausgabe von bis zu 135 Millionen stimmrechtslosen Vorzugsaktien innerhalb der nächsten fünf Jahre, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Dabei erhalten die Altaktionäre ein Bezugsrecht, über den Vorratsbeschluss dürfen sie deshalb aber nicht mit abstimmen.
Die Kapitalerhöhung sei ein "Meilenstein auf dem Weg zum integrierten Automobilkonzern mit Porsche", hiess es in der Mitteilung. Das VW-Management hatte stets betont, für die Porsche-Übernahme nicht in die Konzernkasse greifen zu wollen, sondern auf frisches Geld vom Kapitalmarkt zu setzen. Um das bestehende "A-"-Rating zu erhalten, das den Wolfsburgern günstige Kreditkonditionen ermöglicht, und gleichzeitig die geplante Porsche-Übernahme zu refinanzieren, ist nach Einschätzung des VW-Managements eine Kapitalerhöhung von mindestens vier Milliarden Euro notwendig.
Rein rechnerisch könnte der Konzern auf Basis des aktuellen Kurses jedoch bis zu 10,5 Milliarden Euro einnehmen. Dabei bleiben aber Kursschwankungen unberücksichtigt sowie die im Rahmen einer Kapitalerhöhung üblichen Abschläge. Zudem fürchtet der Konzern im nächsten Jahr besonders in Westeuropa einen Absatzeinbruch, nachdem die Wolfsburger in diesem Jahr dank der staatlichen Abwrackprogramme deutlich besser durch die Krise steuern als die Konkurrenz. Nach neun Monaten liegt der VW-Konzernabsatz mit weniger als einem Prozent nur minimal unter dem Vorjahr. "Der Vorratsbeschluss sichert uns operativ und marktseitig die notwendige Flexibilität", betonte ein Unternehmenssprecher.
Dennoch nährte die Höhe der geplanten Kapitalerhöhung Spekulationen über weitere Übernahmeziele der Wolfsburger. An erster Stelle steht dabei der Münchener Lastwagenbauer MAN , an dem VW bereits rund 30 Prozent hält. Entsprechend gehörte die MAN-Aktie zu den Tagesgewinnern. Die VW-Vorzüge wurden dagegen bis zum Nachmittag mit einem Abschlag von 4,56 Prozent bei 74,32 Euro gehandelt.
Eine ähnliche Schlappe wie im April muss der Konzern nicht fürchten. Auf der ordentlichen Hauptversammlung im Frühjahr hatten die Vorzugsaktionäre einen Vorratsbeschluss gekippt, der jedoch einen anderen Genehmigungsrahmen vorsah. Diesmal werden aber nur die Stammaktionäre gefragt, deren Zustimmung als sicher gelten darf. Die Stimmrechte liegen mit 51 Prozent bei Porsche, rund 20 Prozent hält das Land Niedersachen und gut sieben Prozent werden vom Emirat Katar gehalten. Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass die Vorzugsaktionäre eine Verwässerung ihrer Beteiligung ohne Protest hinnehmen. Der Konzern hat die Hauptversammlung vorsichtshalber für zwei Tage angesetzt. "Wir wollen jedem Aktionär die Möglichkeit geben, seine Meinung zu äussern", sagte der Sprecher.
Kritische Stimmen bemängeln vor allem die geringe Transparenz bei der geplanten Porsche-Übernahme und fürchten, dass Volkswagen zu viel für Porsche zahlen könnte. Damit würde indirekt die Eignerfamilien Porsche/Piech subventioniert. Zudem wird Patriarch Ferdinand Piech ein Interessenskonflikt als Porsche-Miteigner und Chef des VW-Aufsichtsrats vorgeworfen. Zu einem Ultimatum des norwegischen Staatsfonds, bis zum 21. Oktober auf die Kritik zu reagieren, wollte sich der VW-Sprechern nicht äussern. Ein Trost könnte für die Vorzugsaktionäre der voraussichtliche Aufstieg ihrer Papiere in den Leitindex Dax sein. Dieser steht an, wenn Katar Mitte Dezember seine VW-Beteiligung weiter auf rund 17 Prozent aufstockt und damit der Streubesitz der Stämme auf unter zehn Prozent sinkt.
Sollte der Vorratsbeschluss am 3. Dezember den Segen der Aktionäre erhalten, soll die Kapitalerhöhung zur Refinanzierung der Porsche-Übernahme im ersten Halbjahr 2010 erfolgen. Weitere Spekulationen, welche weiteren Schritte erfolgen könnten, wiegelte der Sprecher ab. Laut der Vorlage kann die Kapitalerhöhung jedoch in mehreren Schritten bis zur Obergrenze von 135 Millionen Aktien ausgeführt werden. Noch bis Ende 2009 will VW 42 Prozent von Porsche übernehmen und dafür rund 3,3 Milliarden Euro zahlen. 2011 könnte nach Einschätzung von Analyst Christian Breitsprecher von Sal. Oppenheim weiteres frisches Kapital gebraucht werden, um die übrigen 58 Prozent am Sportwagenbauer zu übernehmen. Der Wert des gesamten Unternehmens wurde Mitte August auf 12,4 Milliarden Euro taxiert. Die vollständige Zusammenführung beider Unternehmen soll spätestens bis Mitte 2011 erfolgen. "Der komplette Zeitplan der gesamten Transaktion steht unverändert", bekräftigte der Unternehmenssprecher.
Auf der Hauptversammlung sollen auch umfangreiche Rechte für das Land Niedersachsen abgesichert werden. So sollen dem Land zwei Aufsichtsratssitze garantiert werden, sofern die Beteiligung bei mindestens 15 Prozent des Stammkapitals bleibt. Wegen der Verschmelzung beider Unternehmen ist die Stimmenverteilung im neuen Konzern noch unklar. Das Land muss jedoch mit einer Abschmelzung seines Anteils rechnen./dct/fn/ck
--- Von Dorothee Tschampa, dpa-AFX ---

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