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VULKAN/Aschewolke behindert wieder Flugverkehr in Europa (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 17. Mai 2010 - 15:57 publiziert

HAMBURG (awp international) - Vulkanasche aus Island hat Europas Luftverkehr wieder behindert. Wichtige Flughäfen in Grossbritannien und Holland wurden vorübergehend geschlossen. Die umstrittenen kontrollierten Sichtflüge, mit denen die Fluggesellschaften ihre Maschinen nach dem Vulkanausbruch wiederholt in den gesperrten Luftraum gebracht hatten, will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) abschaffen. Dem ARD- Magazin "report München" sagte der Politiker, er wolle die entsprechende Gesetzeslücke schliessen.
In der Nacht zum Montag waren die beiden grössten britischen Flughäfen, Heathrow und Gatwick, geschlossen worden. Ebenso wie die gesperrten Airports in den Niederlanden, Amsterdam-Schiphol und Rotterdam The Hague, wurden sie am Vormittag wieder für den Flugverkehr freigegeben, teilten die zuständigen Behörden mit.
Der deutsche Luftraum bleibt von der Aschewolke vorerst verschont, schätzte der Deutsche Wetterdienst (DWD). Berechnungen zufolge bestehe "bis in die kommenden Nacht 0.00 Uhr für die deutschen Flughäfen keine Gefahr", sagte die Leiterin der DWD- Luftfahrtberatungsstelle, Sabine Bork, der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Der Wind treibe die Staubwolke zum Nordmeer. Der Vulkan blieb aber weiterhin aktiv und spuckte Asche in den Himmel.
Nach Auskunft der britischen Flugsicherung Nats wurden Dutzende Flüge gestrichen. Passagiere an den internationalen Drehkreuzen mussten Verspätungen in Kauf nehmen. In Gatwick, Grossbritanniens zweitgrösstem Flughafen, konnten bis 11.00 Uhr (12.00 Uhr MESZ) gar keine Maschinen landen. Derweil gingen Flughäfen in Manchester, Liverpool und Leeds nach der Sperre am Wochenende wieder in Betrieb.
Ebenso konnten irische Flughäfen am Montag wieder öffnen. Airports in Teilen Schottlands und Nordirlands blieben dagegen weiter geschlossen. Wind aus Nordwest hatte die Vulkanasche in Richtung Irland und Grossbritannien geweht. Nach Angaben der Europäischen Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol in Brüssel verhinderte die Aschewolke am Montag europaweit rund 1.000 Flüge.
Am Vormittag wurden auch der vorübergehend gesperrte Flughafen von Ostende und der belgische Luftraum über der Nordsee wieder freigegeben. Die Lufthansa strich am Montag nach Angaben eines Unternehmenssprechers etwa ein Dutzend Flüge nach Amsterdam.
Auch deutsche Flughäfen spürten Auswirkungen der Asche des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull. Auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld fielen die Flüge von und nach Dublin, Edinburgh, London und Nottingham aus. Die Flughäfen in Frankfurt und Hamburg waren ebenfalls betroffen. Elf Langstreckenflüge wurden zum Rhein- Main-Airport umgeleitet worden, weil sie nicht an ihren Zielorten in Amsterdam und London Heathrow landen konnten.
Airlines, die massive Verluste verkraften müssen, kritisierten erneut das Flugverbot. Der Präsident von Virgin Atlantic, Richard Branson, nannte die Schliessung von Manchester "einen Witz". Ein Sprecher von British Airways sagte, die Fluggesellschaften sollten selbst entscheiden dürfen, ob sie fliegen oder nicht. Der derzeitige Ansatz sei "zu restriktiv". Die britische Luftfahrtbehörde CAA wies dies zurück. Die Sicherheit der Menschen habe oberste Priorität.
Auch Ramsauer nannte die Sperren "richtig und alternativlos". Die Fluggesellschaften hätten in der Diskussion nach dem Vulkanausbruch in Island eine spezielle Gesetzeslage nutzen können. "Es ist eine gewisse Unlogik - ganz klar - zu sagen: Instrumentenflüge dürfen nicht stattfinden, aber für kontrollierte Sichtflüge gibt es kein Verbot, gibt es keine Regelung", erläuterte Ramsauer in der ARD.
"In diese Lücke ist man von Seiten der Luftlinien gestossen", sagte Ramsauer. "Und dann hat das Luftfahrtbundesamt gesagt, das ist nicht verboten. Dieses Regelungsdefizit und manches andere muss schnellstens behoben werden, da sind wir gerade dabei."
Lufthansa dagegen schliesst Flüge nach kontrollierten Sichtflugregeln (CVFR) im Bedarfsfall trotzdem nicht aus: "Ein Fliegen nach CVFR kann Lufthansa für die Zukunft nicht grundsätzlich und für alle Zeiten ausschliessen, da es sich um ein rechtlich einwandfreies und sicheres Verfahren handelt", sagte Lufthansa- Sprecher Michael Lamberty dem ARD-Magazin "report München".
Der Lufthansa- Sicherheitspilot Jürgen Steinberg war nach seiner Kritik an den Sichtflügen aus seiner Funktion ausgeschieden. Steinberg hatte Ende April zeitlich begrenzten Sichtflügen zunächst zugestimmt, um Umsatzausfälle zu begrenzen. Später hatte er dies bedauert und erklärt, dies dürfe sich nicht wiederholen. Der Verkehrsminister sagte in der ARD, "wenn jemandem der eigene Sicherheitspilot hinschmeisst, den Dienst quittiert, weil er diametral anderer Auffassung ist", solle man sich mit Angriffen zurückhalten./bj/DP/stw

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