Was Frauen zur Erhöhung des Arbeitspensums bringen würde

Die Schweiz ist eines der europäischen Länder mit dem höchsten Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass dies nicht immer freiwillig geschieht und dass viele von ihnen ihre Beschäftigungsquote gerne erhöhen würden, wenn die Bedingungen stimmen würden.

Dieser Inhalt wurde am 26. Mai 2020 - 15:00 publiziert
Viele Frauen in der Schweiz reduzieren ihre Erwerbsquote, wenn sie ein Kind bekommen. © Keystone / Gaetan Bally

Sind die berufstätigen Mütter in der Schweiz mit ihrer Situation zufrieden? Um diese Frage zu beantworten, führte der Dachverband der Familienorganisationen Pro Familia im März eine Umfrage mit einer Stichprobe von 500 berufstätigen Frauen mit einem oder mehreren Kindern durch. Die Ergebnisse wurden am Sonntag veröffentlicht.

Die Studie veranschaulicht zunächst einmal, dass die Reduzierung des Arbeitspensums für eine Frau fast die Norm ist, wenn sie ein Kind bekommt. Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, dass sie ihre Erwerbsquote aufgrund ihrer Mutterschaft reduziert haben. Landesweit sind arbeitende Mütter, die aber nur einem Teilzeitpensum nachgehen, das verbreitetste Modell. Mehr als sechs von zehn Familien wählen gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) dieses Erwerbsmodell.

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Obwohl der Anteil der erwerbstätigen Frauen zu den höchsten in Europa gehört, ist die Schweiz nach den Niederlanden das Land, in dem Frauen am häufigsten Teilzeit arbeiten.

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Sieben von zehn Frauen würden gerne mehr arbeiten

Fast zwei Drittel der Frauen, die an der Pro Familia-Umfrage teilgenommen haben, geben an, dass sie mit ihrer Situation zufrieden sind. Jede fünfte Frau würde ihre Arbeitszeit gerne noch weiter reduzieren, und nur 17% würden gerne das Pensum erhöhen.

Die Studie zeigt aber auch: Wenn alle Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit der Arbeit von Müttern vorhanden wären, würden sieben von zehn Frauen mehr arbeiten. Dieser Wunsch betrifft vor allem Personen mit höherer Bildung. Das Steigerungspotenzial liegt hauptsächlich bei bis zu 80% – nur eine kleine Minderheit der befragten Frauen möchte Vollzeit arbeiten.

Was würde Frauen konkret dazu ermutigen, mehr in den Arbeitsmarkt zu investieren? Die Studie weist auf vier hauptsächliche Faktoren hin: Finanzieller Anreiz der Arbeit; Kosten der Kinderbetreuung, die Möglichkeit von Home-Office; Verringerung der Last durch Hausarbeit und den Kindern gewidmete Zeit.

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Die hohen Kosten für Kinderbetreuungs-Einrichtungen wurden lange Zeit als ein grosses Hindernis für die Beschäftigung von Frauen identifiziert. Trotz der in den letzten Jahren ergriffenen Massnahmen lohnt es sich für Frauen finanziell nicht immer, mehr zu arbeiten.

Nach Angaben des BFS wenden Familien durchschnittlich 4% ihres Einkommens für die ausserfamiliäre Kinderbetreuung auf. Die Kosten für die Betreuung eines Kindes unter vier Jahren in einer Kinderkrippe belaufen sich für einen Haushalt im oberen Drittel der Einkommensklasse auf rund 1160 Franken pro Monat, für einen Haushalt im unteren Drittel der Einkommensklasse auf 400 Franken.

Die Antworten auf die Pro Familia-Umfrage machen auch eine andere Realität deutlich, nämlich die Belastung durch häusliche und erzieherische Aufgaben, die Frauen "doppelten Schichten" aussetzen. In Haushalten mit Kind(ern) erledigen die Mütter nach wie vor den grössten Teil der Hausarbeit.

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Generell sind die traditionellen Geschlechterrollen nach wie vor sehr präsent, was wohl eine Folge der nicht-interventionistischen Familienpolitik der Schweiz ist. Francesco Giudici vom Statistischen Amt des Kantons Tessin sagte auf die Frage von swissinfo.ch im November 2019 zu diesem Thema: "Die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen, die zu einer Zeit entstanden, als das Modell des 'männlichen Ernährers' die Grundlage für das Familien- und Arbeitsleben bildete, sind in unserer Gesellschaft noch immer stark präsent und bringen auch immer wieder diese Idee mit sich, dass es Privatsache ist, ob jemand Kinder will oder hat."

Selbst die im vergangenen September beschlossene Einführung eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs wird laut Giudici keinen grossen Einfluss darauf haben, wie Männer und Frauen die Berufs- und Familienpflichten untereinander aufteilen werden.

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