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CH/Steueramnestie I: Tessiner Vermögensverwalter mit blauem Auge davongekommen

Dieser Inhalt wurde am 30. April 2010 - 12:02 publiziert

Lugano (awp/sda) - Die italienische Steueramnestie für Kapitalfluchtgelder, die am 30. April endet, hat sich auf den Tessiner Finanzplatz weniger schlimm ausgewirkt als befürchtet. Die Vermögensverwalter konnten den Abfluss von italienischen Kundengeldern in Grenzen halten.
Es sei schwierig, exakte Zahlen zu liefern, sagte Franco Citterio, der Direktor der Tessiner Bankiervereinigung (ABT) am Freitag gegenüber dem Radio- und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI). Die ABT stütze sich daher bei ihrer Bestandesaufnahme auf Angaben der italienischen Nationalbank.
Demnach legalisierten die Italiener bis Mitte Februar Schwarzgeld im Umfang von rund 85 Mrd EUR. Davon stammten rund 60 Mrd aus der Schweiz, ein Grossteil davon aus dem Tessin. Von diesen 60 Mrd flossen jedoch "nur" 25 Mrd effektiv nach Italien zurück.
Beim Rest handelt es sich um eine so genannte juristische Rückführung; physisch bleibt das Vermögen in der Schweiz. Viele Banken konnten einen Grossteil der legalisierten Gelder über ihre Filialen in Italien oder über eine juristische Repatriierung wieder auffangen.
Die BSI beispielsweise, die älteste Bank im Tessin, steigerte im letzten Jahr ihren Reingewinn um 1,8% auf 103 Mio CHF. Die abgezogenen Kundengelder seien durch Neugeldzuflüsse und die starke Marktentwicklung wettgemacht worden, teilte die BSI Ende März mit.
Ähnlich tönt es bei der Banca del Sempione. Sein Institut habe den "Scudo" gut verkraftet, sagte Bankdirektor Stefano Rogna in einem am Freitag im "Corriere del Ticino" veröffentlichten Interview. Die Banca del Sempione steigerte ihren Reingewinn im vergangenen Jahr um 18% auf 10,7 Mio CHF.
Die kurz vor Weihnachten beschlossene Verlängerung des "Scudo" bis zum 30. April warf im Tessin denn auch keine hohen Wellen mehr. Zumal die Nachfrist in erster Linie zur steuerlichen Erfassung von Immobilienwerten im Ausland diente.
Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti wollte mit der Steueramnestie - der insgesamt dritten seit 2001 - nicht nur die Staatskassen füllen, sondern gleichzeitig auch den Bankenplatz Lugano trockenlegen, wie er im vergangenen Sommer sagte.
Letzteres Ziel hat er nicht erreicht. Die Tessiner Bankenwelt sei psychologisch zwar stark unter Druck geraten, sagte die kantonale Finanzdirektorin Laura Sadis am Freitag gegenüber der RSI. Doch dank seiner Professionalität habe der Finanzplatz eine Zukunft.
uh

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