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Deutsche Börse: Kein Ausblick auf 2010 - mehr Finanzspielraum (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 27. Mai 2010 - 17:46 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Die Deutsche Börse bleibt angesichts weltweiter Debatten über schärfere Regeln für die Finanzbranche vorsichtig mit Aussagen zu ihrem diesjährigen Geschäftsverlauf. "Für einen Ausblick auf den weiteren Jahresverlauf ist es im Moment noch zu früh", sagte der Vorstandsvorsitzende des Dax- Konzerns, Reto Francioni, am Donnerstag während der Hauptversammlung (HV) in Frankfurt. Vor den etwas mehr als 600 anwesenden Aktionären, die insgesamt 45,3 Prozent des Grundkapitals repräsentierten, verwies er auf Unsicherheiten an den Märkten durch die vielfältigen Diskussionen über Regulierungen. "Es gibt Chancen ebenso wie Risiken", betonte Francioni und liess sich auf der HV zugleich grösseren finanziellen Spielraum genehmigen .
Von der Krise verunsicherte Marktteilnehmer hatten auch der Deutschen Börse einen holprigen Start in das Jahr 2010 beschert. So musste der Konzern im Jahresvergleich Einbussen bei Umsatz und Gewinn hinnehmen. Mit Blick auf die vorangegangenen Quartalen hingegen seien im ersten Vierteljahr 2010 aber wieder steigende Umsätze und Gewinne verzeichnet worden, hob Francioni hervor und betonte die Wichtigkeit, verspieltes Vertrauen in das Funktionieren des Finanzsystems wieder aufzubauen. Dabei komme den Börsen eine wichtige Funktion zu. "Wenn es hart auf hart kommt, greifen die Marktteilnehmer auch wieder verstärkt auf Börsen zurück."
'FINANZTRANSAKTIONSSTEUER FORTSCHRITT'
Erleichtert zeigte sich Francioni, dass die Idee einer Börsenumsatzsteuer "endlich vom Tisch zu sein scheint". Eine solche Abgabe hätte "Marktteilnehmern einen Anreiz zum Abtauchen in den undurchsichtigen ausserbörslichen Bereich gegeben, und im Vergleich zu diesem Szenario ist die Finanztransaktionssteuer ein Fortschritt". Doch auch eine Finanztransaktionssteuer müsse "international koordiniert und flächendeckend angewandt" werden, betonte Francioni. Grundsätzlich hält er eine solche Steuer zwar für kontraproduktiv, äusserte aber zugleich "volles Verständnis dafür, dass sich die Finanzbranche an den immensen Kosten der Rettungspakete der Regierungen beteiligen muss".
Die Aktie entwickelte sich bis zum Nachmittag unterdurchschnittlich: Während der Dax um 3,2 Prozent zulegte, gewann das Papier der Deutschen Börse rund ein Prozent. "Die Ungewissheit bezüglich der weiteren Regulierung des Kapitalmarktes ist der Hauptbelastungsfaktor", kommentierte Analyst Christian Muschick vom Finanzdienstleister Silvia Quandt. "Die Auswirkungen einer Finanztransaktionssteuer beispielsweise könnte die Handelsaktivität auf den Kapitalmärkten deutlich negativ beeinflussen."
Das integrierte Geschäftsmodell mit seinen Handels- und Nachhandelsdienstleistungen hält Francioni nach wie vor für einen wichtigen Erfolgsfaktor der Unternehmensgruppe. Mit Blick auf die Kosteneinsparungen werde zudem "das Tempo im laufenden Jahr erhöht", denn es müsse darauf geachtet werden, dass der Konzern seine Kosten "jederzeit im Griff" habe. Das jüngste Sparprogramm beinhaltet den Abbau von 370 Stellen auf Mitarbeiterebene in Frankfurt und Luxemburg sowie etwa 80 Leitungspositionen im Konzern. Die Dividende für 2009 blieb dennoch mit 2,10 Euro je Aktie auf Vorjahresniveau. Aktienrückkäufe sind in diesem Jahr allerdings keine vorgesehen.
FINANZIELLE FLEXIBILITÄT ERHÖHT
Hinsichtlich weiterer Wachstumsaussichten der Deutschen Börse liegt der Schwerpunkt laut Francioni nach wie vor auf dem organischen Wachstum. Übernahmen würden dabei weiterhin "nicht ausgeschlossen, wenn diese Wert für unsere Kunden und Aktionäre schaffen". Allerdings soll der nun aufgestockte Kapitalrahmen dem global operierenden Konzern im internationalen Wettbewerb mehr finanziellen Spielraum für "Ausnahmesituationen" ermöglichen. Die Aktionäre genehmigten an diesem Tag zu 85,5 Prozent die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung von bis zu 20 Prozent des Grundkapitals oder 39 Millionen Euro - nach bis zu 13,3 Prozent zuvor. Durchschnittlich liegt das Verhältnis von genehmigtem Kapital zum Grundkapital bei den Dax-Unternehmen laut Francioni bei 30 Prozent./ck/ben/stb

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