Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Distanz halten, Hände waschen! Diese wichtigste Massnahme ist für die Ärmsten dieser Welt ein Witz. Der Mangel an Intensivpflege ist für sie Alltag. Bei uns droht dieses Szenario erst. Für Betroffene ist das aber kein Trost.
Herzliche Grüsse aus Bern
Wer erhält in der Not noch Intensivpflege? Diese Frage, die swissinfo.ch schon letzte Woche aufwarf und damit insbesondere in den sozialen Medien nicht nur positive Reaktionen auslöste, stellt sich immer dringlicher. Nun veröffentlichen Mediziner Richtlinien für heikle Triage-Entscheide.
Die Zahl der positiv auf Corona getesteten Personen ist in der Schweiz bis heute Mittag auf 8060 gestiegen. 70 Personen sind bisher daran gestorben.
Noch können die Spitäler alle Patienten so versorgen, wie es nötig ist, aber sie bereiten sich mit Hochdruck auf noch mehr schwer erkrankte Personen vor. Wie entscheiden die Ärztinnen und Ärzte, wenn es zu Engpässen kommt?
Dazu haben die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) und die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) nun gemeinsame Richtlinien für Triage-Entscheide auf den Intensivstationen veröffentlicht.
Solche Entscheide seien für das medizinische Personal enorm belastend. Entscheidend sei die kurzfristige Prognose, heisst es in der Richtlinie. Höchste Priorität hätten Patienten, die am meisten von der Intensivbehandlung profitierten.
- Weshalb das Alter per se kein Kriterium ist, erfahren Sie in der Neuen Zürcher ZeitungExterner Link. (Paywall)
- Weshalb der 80-Jährige John Marinello im Notfall auf künstliche Beatmung verzichtet, erzählt er einem Journalisten der Tamedia-GruppeExterner Link.
- Der Artikel meiner Kollegin Sibilla Bondolfi zur Frage nach den Kriterien bei der Triage hat letzte Woche viele Facebook-Kommentare ausgelöst. Manche wollten die bedrückende Botschaft nicht hören.
Nicht die Anzahl Betten, sondern der Mangel an Pflegefachleuten sei derzeit das grosse Problem, warnen Intensivmediziner. Die Kantone reagieren unterschiedlich darauf.
Einige Kantone bieten laut Medienberichten ehemalige Fachleute auf, die aus dem erlernten Beruf als Pflegefachleute ausgestiegen sind. Der Kanton Freiburg hat per Verordnung zwei Privatkliniken beschlagnahmt. Das Berner Inselspital teile Personal um und setze unterstützend Studierende ein.
Weil in vielen Spitälern nur noch medizinisch dringliche Behandlungen durchgeführt werden, sind zusätzliche personelle Ressourcen frei geworden. Zur Entlastung ist auch der Einsatz von Militär- und Zivilschutz vorgesehen.
Eine Inhaberin eines Lebensmittelgeschäfts mit Café müsse wahrscheinlich in ihren erlernten Beruf als Pflegefachfrau zurückkehren, berichten Medien der Tamedia-GruppeExterner Link.
- In Zürich ist die erste Intensivstation laut dem Tages-AnzeigerExterner Link bald voll.
- Warum das Virus die Ärmsten am härtesten trifft, erfahren Sie auf Nau.chExterner Link.
Am Wochenende hat der Bundesrat mit einem Betrag von vorerst 40 Milliarden die grösste Hilfsaktion für die Wirtschaft aller Zeiten lanciert. Damit sorgte er für Erleichterung. Inzwischen ist aber eine heftige Debatte zwischen den Sozialpartnern um den Shutdown im Gang.
Der in der Schweiz am stärksten von Covid-19 betroffene Kanton Tessin schliesst ab dieser Woche sämtliche Industriebetriebe – abgesehen von Betrieben, die für die Versorgung tätig sind. Sollte diese Massnahme für die ganze Schweiz eingeführt werden? Keines Falls, sagt der Arbeitgeberverband. Ja, unbedingt, sagt die Gewerkschaft.
Das Notstandsregime werde in vielen Betrieben nicht umgesetzt. Die Kontrollen seien mangelhaft. Die Arbeitnehmenden würden einem grossen Risiko ausgesetzt, sagt Vania Aleva, Chefin der Gewerkschaft Unia.
Ganz anderes äussert sich Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt. Die völlige Stilllegung der Wirtschaft könne unabsehbare Folgen für die Versorgung des Landes haben.
- Die Zeitung Blick hat AlevaExterner Link und VogtExterner Link interviewt.
- Die Analyse zum kantonalen Wildwuchs in der Corona-Krise sehen Sie bei SRFExterner Link.
- Wie die Stadt Bellinzona älteren und gefährdeten Menschen beim einkaufen hilft, erfahren Sie im Artikel meiner Kollegin Sonia Fenazzi.
- Die deutsche Wirtschaft könnte je nach Szenario um 7,2 bis 20,6 Prozentpunkte schrumpfen, sagt ein Experte in der Süddeutschen ZeitungExterner Link. Das hätte auch auf die Zulieferindustrie in der Schweiz Auswirkungen.
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Es ist ein grosses Versprechen. Ob es haltbar ist, wird sich weisen. Auch Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, die in die Schweiz zurückkehren, sollen Anrecht auf Krisen-Entschädigung haben.
Auch bei der Auslandschweizer-Organisation ASO häufen sich die Anfragen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Eine Frage, die immer wieder gestellt werde, gelte der Wirtschaftshilfe, sagt ASO-Direktorin Ariane Rusticchelli. Konkret: Haben Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer auch irgendwelche Ansprüche auf die Wirtschafts-Hilfen, die der Bundesrat am Freitag beschlossen hat?
SWI swissinfo.ch hat diese Frage heute an einer Pressekonferenz des Bundes den Anwesenden Chefbeamten des Aussendepartements und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) gestellt. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit SECO, antwortete:
«Wenn sie in die Schweiz zurückkommen gehe ich davon aus, dass sie von all den Massnahmen, die in der Schweiz gelten, profitieren können», sagte Zürcher und weiter:
«Ob für Auslandschweizer im Ausland Massnahmen vorgesehen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Das wäre eine weitere Anspruchsgruppe, die wir auf die Liste aufnehmen würden.»
Es versteht sich: Die Lage entwickelt sich rasant, die Massnahmen werden laufend angepasst. Es ist ein erstes Signal, aber noch keine verbindliche Zusage.
- Sehen Sie hierExterner Link (ab Minute 14), wie unser Bundeshauskorrespondent Urs Geiser im Berner Medienzentrum für Sie nachfragte.
- Lesen Sie hier, was bezüglich Wirtschaftshilfen vorgesehen ist.
- SRFExterner Link berichtet, wie Selbständige in der Schweiz vorgehen müssen, um zu ihrer Krisen-Entschädigung zu kommen.
Zum Schluss lasse ich meine Kollegin Melanie Eichenberger zu Wort kommen. Sie hätte im April ihren Partner geheiratet, jetzt fällt die Hochzeit ins Wasser. Melanies Verlobter hat in der Berner Zeitung einen persönlichen Artikel über diese Situation geschrieben, sie kommentiert diesen Text hier:
Die Welt ist aus den Fugen. Das Coronavirus stellt den Alltag aller auf den Kopf. Ärzte kämpfen um Leben, Pflegepersonal kümmert sich aufopfernd um Erkrankte. Läden mussten schliessen, Menschen bangen um ihre Existenz. Eine verschobene Hochzeit – kaum der Rede wert.
Aber für uns war es in den vergangenen Wochen – trotz der dramatischen Entwicklungen rund um das Coronavirus – ein grosses Thema. Und ich bin überzeugt, dass es vielen so ging, die ebenfalls ihre Hochzeit, einen Geburtstag oder eine langgeplante Reise absagen oder gar abbrechen mussten. Das macht traurig. Eine lange Zeit der Vorfreude und Planung – auf einen Schlag dahin.
«Das Selbstmitleid, das bei uns kurz aufblitzte, ist aber längst anderen Gefühlen gewichen: Fassungslosigkeit, dass es so weit gekommen ist. Ohnmacht, weil es gegen das Virus selber noch kein Mittel gibt. Angst, dass es uns, unsere Liebsten treffen könnte», schreibt mein Partner in seinem Artikel. Wir haben die Situation längst akzeptiert. Es gibt viel Schlimmeres.
Heiraten kann man auch später. Jetzt müssen wir es zuerst alle zusammen durch diese schwierige Zeit schaffen. Liebe Leserinnen und Leser, tragen Sie sich Sorge und bleiben Sie gesund.
Hier finden Sie den persönlichen Einblick in unsere Hochzeitsgeschichte: https://desktop.12app.ch/articles/24607239Externer Link
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