Das Genfer Quartier Nations und seine Geschäfte geraten in Schwierigkeiten
Angesichts der Stellenstreichungen in den UNO-Organisationen erleben Restaurants, Boutiquen und Dienstleistungsbetriebe im Quartier Nations einen drastischen Rückgang ihrer Kundschaft. Das Jahr 2026 könnte für diese Genfer Geschäfte zum entscheidenden Jahr werden: Es drohen Schliessungen und grosse Unsicherheiten.
Im Restaurant Mama & Zita, nur wenige Schritte vom Place des Nations entfernt, herrscht Mittagshektik. Kundinnen und Kunden folgen aufeinander. Insgesamt sind es etwa siebzig Personen. Die meisten von ihnen arbeiten im Quartier und kommen in ihrer Mittagspause zum Essen.
Younes Ouldammar, der Geschäftsführer des Betriebs, empfängt sie mit einem Lächeln. Und doch fällt es ihm seit 2024 zunehmend schwer, dieses zu bewahren. In zwei Jahren hat er etwa 20% seines Umsatzes verloren.
«Früher waren wir jeden Mittag ausgebucht. Seit einiger Zeit können wir das Restaurant nicht mehr jeden Tag füllen. Ich musste mich leider von einigen Angestellten trennen», sagte der Inhaber in der Sendung «Le 19:30» des Westschweizer Fernsehens RTS.
Der Beitrag der Tagesschau des Westschweizer Fernsehens RTS (Franz.):
Mehrere Geschäfte sind betroffen
Der Grund? Im internationalen Genf wurden mehrere tausend Stellen gestrichen oder verlagert. Verantwortlich dafür ist der massive Rückzug der Vereinigten Staaten und die Verringerung der Beiträge zahlreicher Länder an die UNO-Institutionen. Diese Krise hat Kollateralauswirkungen auf die Geschäfte des Quartiers.
Um sich ein Bild vom Ausmass zu machen, genügt ein Besuch im Duty-Free-Shop. Unter der Aufsicht des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit ist der Zugang auf Mitglieder des Personals der ständigen Vertretungen, der internationalen Organisationen sowie auf ausländische Delegierte und Fachpersonen in Mission mit diplomatischem Status beschränkt.
Im Jahr 2025 verzeichnete dieser Duty-Free einen Rückgang von 10% seines Umsatzes. «Die Kundschaft achtet mehr darauf, was sie kauft und wofür sie ihr Geld ausgibt. Es herrscht ein Klima der Trübseligkeit und Entmutigung. Wir hoffen, dass die Organisationen andere Finanzierungsquellen finden werden», sagt Ekaterina Ievleva Najem, Betriebsleiterin der Lagardère Travel Retail Gruppe.
Verschiedene Arten von Geschäften sind betroffen. Mit den internationalen Arbeitskräften sind auch ihre Routinen verloren gegangen. Das reicht von der Wäscherei, die Verträge mit internationalen Organisationen hatte und seit 2024 30% ihrer Kundschaft verloren hat, bis zum Coiffeursalon, der einen Rückgang von 20% feststellt. Laut Informationen von RTS sind auch die Filialen der im Quartier ansässigen Grossverteiler betroffen.
Befürchtungen für 2026
Einige Geschäfte haben bereits geschlossen, andere befürchten, dass 2026 für sie existenzbedrohend werden könnte. Das Restaurant L’Ariana war schon lange vor der Errichtung des imposanten Gebäudes des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) präsent, das sich direkt gegenüber befindet. Viele seiner internationalen Kundinnen und Kunden, die dem Betrieb seit Jahren treu waren, sind heute nicht mehr da.
Für den Geschäftsführer Nicolas Deus ist es schwierig, optimistisch in die Zukunft zu blicken. «Alles oder nichts… Wir sind ein wichtiger Ort, wir gehören zum internationalen Genf. Wenn das internationale Genf geht, wird auch das L’Ariana verschwinden.»
Die von gewissen Organisationen angekündigten Stellenstreichungen wurden noch nicht umgesetzt, sie dürften jedoch in diesem Jahr vollzogen werden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Unsicherheit könnten auch zahlreiche Länder beschliessen, die Anzahl internationaler Konferenzen im Quartier zu reduzieren. Das Klima der Trübsal am rechten Genferseeufer dürfte sich fortsetzen.
Übertragung aus dem Französischen mithilfe von KI-Tools: Christian Raaflaub
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