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Schweizerschulen im Ausland: So wollen sie mehr Lehrpersonen gewinnen

Eine Frau und zwei Kinder sitzen auf einem Standup-Paddle
An einer Schweizerschule im Ausland zu unterrichten, ist oft ein grossartiges Abenteuer, aber es gibt auch zahlreiche Herausforderungen zu meistern. ldd

Angesichts zunehmender Rekrutierungsschwierigkeiten suchen die Schweizerschulen im Ausland nach neuen Lösungen. Eine parlamentarische Initiative schlägt vor, die Anstellungsbedingungen des Personals zu harmonisieren, um die Attraktivität dieser Einrichtungen zu steigern.

Die Rekrutierungsprobleme der 17 Schweizer Schulen im Ausland beschäftigen nun auch auf Bundesebene. Um die Qualität der Ausbildung zu gewährleisten, schreibt das Gesetz diesen Einrichtungen vor, eine bestimmte Anzahl von Lehrpersonen mit einem Schweizer Diplom zu beschäftigen.

Insgesamt arbeiten rund 250 Lehrpersonen aus der Schweiz in den verschiedenen Einrichtungen, die auf drei Kontinenten verteilt sind. Die Schulen erhalten Bundessubventionen zur Finanzierung eines Teils dieser Stellen.

Doch seit mehreren Jahren ist es schwierig, solches Personal zu finden. Einige Schulen konnten ihre Quote an Schweizer Personal nicht vollständig erfüllen. Auch die Schweizerschulen im Ausland sind von den Auswirkungen des Lehrpersonenmangels betroffen, mit dem die Schweiz seit mehreren Jahren kämpft.

Kinder pflanzen Blumen an
Der Unterricht orientiert sich zwar am Schweizer Lehrplan, doch die Schweizerschulen im Ausland messen auch der Kultur des Gastlands grossen Stellenwert bei. ldd

Zudem stehen sie vor ganz eigenen Herausforderungen. «Die Lehrpersonen unterrichten nach dem Schweizer Lehrplan und tauchen gleichzeitig in eine fremde Kultur ein. Das erfordert weit mehr als nur Abenteuerlust: Es braucht solide pädagogische Kompetenzen, eine grosse Anpassungsfähigkeit und eine gute psychische Belastbarkeit», sagt Serge Künzler, der Direktor von Educationsuisse, dem Dachverband der Schulen.

Mangels Kandidatinnen und Kandidaten mit einer Schweizer Ausbildung mussten einige Schulen Lehrpersonen anderer Nationalitäten rekrutieren. Um gegenzusteuern, verstärkt Educationsuisse die Bemühungen.

Die Organisation erhöht ihre Sichtbarkeit, baut ihr Netzwerk aus und erprobt neue Ansätze wie ein «Speed-Dating» für Stellen, bei dem Kandidatinnen und Kandidaten direkt mit den Schulleitungen in Kontakt treten können.

Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen der Lehrpersonen

Auch eine politische Lösung wird geprüft. Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerats (WBK) hat eine parlamentarische Initiative lanciertExterner Link, die darauf abzielt, die Anstellungsbedingungen des Schweizer Personals an den Schweizerschulen im Ausland zu harmonisieren.

Der Initiativtext sieht eine Gesetzesänderung vor, die es ermöglichen würde, Lehrpersonen direkt durch Educationsuisse anzustellen und anschliessend in die verschiedenen Einrichtungen im Ausland zu entsenden.

Derzeit geniessen die Schweizer Lehrpersonen an den Schulen im Ausland nicht alle denselben Status. In Europa werden sie bereits von Educationsuisse angestellt. Im Rest der Welt werden sie hingegen in der Regel von den Einrichtungen selbst mittels eines lokalen Vertrags beschäftigt.

Zwei Schüler in einem Klassenzimmer
Im Unterricht an der Schweizerschule in Singapur. ldd

Aufgrund internationaler Abkommen und nationaler Gesetzgebungen gibt es erhebliche Unterschiede bei der Sozialversicherung, der Vergütung und der Besteuerung. Um diese Unterschiede auszugleichen, haben die Schulen verschiedene Anstellungsmodelle entwickelt.

Zudem unterstützt Educationsuisse Lehrpersonen administrativ, die ausserhalb Europas tätig sind, damit sie weiterhin in die Schweizer Sozialversicherungen einzahlen können.

Die WBK möchte diese Praktiken nun vereinheitlichen, um eine Gleichbehandlung zu gewährleisten und die Rekrutierung zu erleichtern. Das bis zum 1. November in der Vernehmlassung befindliche Projekt wird von Educationsuisse unterstützt.

Würden Schweizer Lehrpersonen direkt vom Dachverband angestellt, wäre ihr Anschluss an die Schweizer Sozialversicherungen einfacher. Ein einheitlicher Rahmen würde zudem die Mobilität des Personals zwischen den verschiedenen Schulen erleichtern.

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Sozialschutz als wichtiges Argument

Die Möglichkeit, vergleichbare Sozialleistungen wie in der Schweiz zu erhalten, ist für im Ausland tätige Lehrpersonen tatsächlich eines der Hauptanliegen. Gemäss einer Umfrage der Eidgenössischen FinanzkontrolleExterner Link (EFK) ist dies sogar der am häufigsten als «sehr wichtig» genannte Faktor.

Eine junge Frau sitzt auf dem Dach eines Jeeps
Nach einer Eingewöhnungsphase hat Océane Voutat ihre zwei Jahre an der Schweizerschule in Bogotá genossen. ldd

Für die 25-jährige Océane Voutat spielte die Möglichkeit, im Schweizer Sozialsystem verankert zu bleiben, tatsächlich eine Rolle, als sie sich entschied, an der Schweizer Schule in Bogotá zwei Jahre lang zu unterrichten.

«Ich hatte gerade mein Studium abgeschlossen und wollte Auslanderfahrung sammeln. Die Arbeit in einer Schweizer Schule im Ausland ermöglichte es mir, meinen Beruf in einem anderen Land auszuüben, während ich in das schweizerische Schulsystem integriert blieb und eine gute Sozialversicherung behielt», so die Lehrerin.

Auch Clara Frehner, die seit 2023 an der Schweizerschule in Peking unterrichtet, wurde durch die Möglichkeit überzeugt, auszuwandern, ohne Lücken in der Sozialversicherung zu haben.

«Hier haben wir einen chinesischen Vertrag und unterzeichnen parallel dazu eine Vereinbarung mit Educationsuisse, welche die Schweizer Sozialversicherungen regelt. Diese Lösung funktioniert sehr gut», sagt sie.

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Es bleiben einige Hürden zu überwinden

Jenseits der administrativen Aspekte zeigen die für diesen Artikel gesammelten Erfahrungsberichte, dass ein Auslandaufenthalt als Lehrkraft zahlreiche persönliche und berufliche Herausforderungen mit sich bringt.

Océane Voutat beispielsweise stammt aus einem Dorf mit rund 300 Einwohnerinnen und Einwohnern im Berner Jura und musste sich an das Leben in Bogotá gewöhnen, einer Metropole mit mehr als zehn Millionen Menschen.

«Die ersten sechs Monate waren schwierig. Ich habe sogar erwogen, in die Schweiz zurückzukehren. Mehrere meiner Kolleginnen und Kollegen sind übrigens nach sehr kurzer Zeit abgereist», gesteht sie.

Auch beruflich brauchte die Anpassung Zeit. «Ich musste meinen Unterricht an Schülerinnen und Schüler anpassen, von denen viele Französisch als Zweitsprache lernen.»

Und in Kolumbien unterscheidet sich auch die Arbeitskultur von jener, die sie aus der Schweiz kannte. «In der Schweiz haben wir eine recht strenge Organisation. Hier gibt es mehr Spontaneität. Vieles ändert sich im Lauf des Jahres. Am Anfang war das etwas frustrierend.»

Trotz dieser Schwierigkeiten bezeichnet die Lehrerin die Erfahrung als besonders bereichernd. Sie hat Spanisch gelernt, eine neue Kultur entdeckt und wertvolle Berufserfahrung gesammelt.

Clara Frehner hat sich ihrerseits schnell an das Leben in Peking gewöhnt. «Ich bin mit meinem Mann umgezogen, was den Übergang sicher erleichtert hat. Wenn einer von uns eine kleine Krise durchmachte, konnte der andere ihm helfen, sie zu überwinden, und umgekehrt», erzählt sie. Inzwischen hat das Paar etwas Chinesisch gelernt, um sich besser in das Land zu integrieren.

Die 34-jährige Lehrerin gibt jedoch zu, dass die Integration in die chinesische Gesellschaft weiterhin eine Herausforderung darstellt. «Es ist schwierig, Menschen kennenzulernen, da viele Chinesinnen und Chinesen wenig Englisch sprechen und viele Expats schlecht Chinesisch beherrschen. Für Personen, die alleine sind, ist das wahrscheinlich die grösste Schwierigkeit, zusammen mit der Entfernung von der Familie.»

Eine junge Frau
Johanna Henao, auch sie eine Lehrerin an der Schweizerschule in Kolumbien. ldd

Um die Chancen zu maximieren, empfiehlt sie, sich vor der Abreise über die Sprachlernangebote zu informieren und mit der Schule sowie möglichst auch mit anderen Lehrpersonen in Kontakt zu treten, um sich mit dem künftigen Umfeld vertraut zu machen.

«Es ist auch wichtig, abzureisen und zu wissen, dass vieles neu sein wird und dass es Zeit braucht, bis man sich zu Hause fühlt», fasst Frehner zusammen.

Wiederfinden der eigenen Wurzeln

Der Fall von Johanna Henao ist etwas anders gelagert. Die schweizerisch-kolumbianische Lehrerin wuchs in Kolumbien auf und liess sich 2002 in der Schweiz nieder, um ihr Studium fortzusetzen.

Nach zwanzig Jahren im Land und mehrjähriger Unterrichtstätigkeit entschied sie sich, an die Schweizerschule in Bogotá zu wechseln – vor allem, um ihrem Sohn die Möglichkeit zu geben, seine kolumbianischen Wurzeln zu entdecken.

«Ich wollte ihm die Möglichkeit geben, Spanisch zu lernen und mein Herkunftsland und seine Kultur zu entdecken», erklärt sie. Die Rechnung ist aufgegangen.

Ihr Sohn, der sich weigerte, Spanisch zu sprechen, als sie in der Schweiz lebten, spricht es heute fliessend. «Für mich ist das der schönste Erfolg dieser ganzen Erfahrung. Er ist nun tief von der kolumbianischen Kultur und ihrer Weltsicht geprägt.»

Editiert von Samuel Jaberg, Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub

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