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Die Generation Z ist weltweit unzufrieden – das sollte man ernst nehmen

Prathit Singh

Die weltweiten Bewegungen der Generation Z offenbaren eine wachsende Kluft zwischen jungen Menschen und den Institutionen, die behaupten, sie zu vertreten, argumentiert Prathit Singh anlässlich des Internationalen Tags der Jugend am 12. August.

Junge Menschen leben heute unter sehr unterschiedlichen politischen Systemen und sehen sich mit ganz unterschiedlichen nationalen Herausforderungen konfrontiert. Doch die jüngsten, von Jugendlichen angeführten Bewegungen, deuten auf eine gemeinsame Erfahrung hin: eine wachsende Unzufriedenheit mit den Institutionen, die ihr Leben bestimmen.

Die Vereinten Nationen haben «unterschiedliche Kontexte, gemeinsame Bestrebungen» zum Thema des diesjährigen Internationalen Tags der JugendExterner Link gemacht. Um diese Generation zu verstehen, muss man jedoch ebenso viel Aufmerksamkeit den Faktoren schenken, die ihre Frustrationen zunehmend vereinen.

Die Bewegungen der Generation Z der vergangenen Jahre zeigen, dass sich internationale Organisationen für starke und nachhaltige Beziehungen zu jungen Menschen einsetzen müssen – und nicht nur ihre Meinung einholen dürfen.

Von Bangladesch bis Indien

In den letzten Jahren haben sich junge Menschen in Bangladesch, Nepal, Indien, Kenia, Madagaskar, Tansania und Marokko für Themen engagiert, die spezifisch für ihre jeweiligen Länder erscheinen.

So protestierten im Juli 2026 Studierende in Indien gegen das Durchsickern von Prüfungsaufgaben und forderten Rechenschaft für ein System, das über den Zugang zu höherer Bildung und Beschäftigung entscheidet.

Im Jahr 2024 entwickelten sich Demonstrationen in Bangladesch gegen Einstellungsquoten im öffentlichen Dienst zu einer breiteren Bewegung. Gleichzeitig drückte der Widerstand gegen den Finanzgesetzentwurf in Kenia eine tiefere Unzufriedenheit über Besteuerung, Korruption und die Lebenshaltungskosten aus. In ähnlicher Weise haben sich junge Menschen in Nepal, Madagaskar und Tansania mobilisiert.

Diese Bewegungen entstehen in unterschiedlichen politischen Umfeldern: Einige in Wahldemokratien, andere in Regimen, in denen Opposition, unabhängige Medien und öffentliche Versammlungen starken Einschränkungen unterliegen.

Ando Andrianaivoson ist Jugendführer und Mitglied von «Gen Z MadagasikaraExterner Link», einer Gruppe junger Menschen, die eine Bürgerbewegung der Generation Z in Madagaskar vorantreibt.

Er hat festgestellt: «Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent stehen junge Menschen vor sehr ähnlichen Herausforderungen: Korruption, hohe Jugendarbeitslosigkeit und politische Systeme, die uns regelmässig von Entscheidungsprozessen ausschliessen.»

Trotz der unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten seien junge Menschen, so argumentiert er, durch «ein gemeinsames Streben nach Würde, Selbstbestimmung und grundlegendem Wandel» vereint.

Wenn Partizipation auf die Strasse geht

Gleichzeitig haben internationale Institutionen Jugendstrategien, Beiräte und Konsultationen entwickelt, die die Sichtbarkeit erhöhen und echte Chancen schaffen. Ihr Einfluss auf politische Entscheidungen ist jedoch oft schwer zu erkennen.

Stéphanie Rakotomanga, Mitglied von «Gen Z Madagasikara», sagte mir: «Allzu oft werden junge Menschen erst dann in Gespräche einbezogen, wenn die wichtigen Entscheidungen bereits getroffen wurden. Wir werden zwar gebeten, uns zu beteiligen, aber nicht unbedingt, Einfluss zu nehmen.»

Ihr Appell an internationale Organisationen ist daher klar: Man solle «vom symbolischen Jugendengagement zur sinnvollen Jugendbeteiligung» übergehen.

Der Begriff «Jugendbeteiligung» ist zunehmend im Sprachgebrauch von Regierungen und internationalen Organisationen verankert. Junge Menschen werden dazu ermutigt, zu wählen, sich ehrenamtlich zu engagieren, an Konsultationen und Jugendbeiräten teilzunehmen und an globalen Foren mitzuwirken.

Die Verteilung der politischen und wirtschaftlichen Macht bleibt jedoch oft unberührt. Wenn diese Kanäle also lediglich Sichtbarkeit, aber keinen Einfluss schaffen, wird die Strasse zu einem der wenigen Orte, an denen Beteiligung politische Konsequenzen hat.

«Das Schweigen der UNO»

Junge Menschen haben miterlebt, wie Regierungen den zivilgesellschaftlichen Raum einschränken, dabei aber ihre internationale Legitimität bewahren. Sie haben gesehen, wie demokratische Prinzipien in manchen Kontexten energisch verteidigt wurden, in anderen hingegen nur zaghaft. Sie haben Versprechen zum Klimaschutz gehört, während ihre Gemeinden mit Überschwemmungen, Dürren und dem Verlust ihrer Lebensgrundlagen zu kämpfen haben.

«Ich war frustriert, als die UNO schwieg, während meine Freunde auf den Strassen demonstrierten. Das hat mich dazu veranlasst, über die Distanz nachzudenken, die ich zwischen meiner Realität und Organisationen wie der UNO spüre, die von Menschen in Genf und New York geleitet werden», sagte ein Aktivist, den ich nach den Protesten in Neu-Delhi traf.

Wenn junge Menschen nationale und internationale Institutionen zunehmend als losgelöst von ihrer gelebten Realität wahrnehmen, dann steht das Internationale Genf vor einer Herausforderung. Eine Herausforderung, der ich mich in meiner Arbeit stelle, indem ich mit diesen Akteurinnen und Akteuren in Kontakt trete und ihre Stimmen in das multilaterale Ökosystem von Genf einbringe.

Ein junger Mensch, der sich in Tansania aktiv in der Gen-Z-Bewegung engagiert – in einem Umfeld, das von staatlicher Unterdrückung und Überwachung geprägt ist –, erzählte mir, dass diese Mobilisierungen zeigen würden, wie sich eine Generation von der Gleichgültigkeit gegenüber der Demokratie abwende.

Junge Menschen in Tansania seien «zutiefst davon überzeugt», so der Aktivist, doch viele fühlten sich von Entscheidungen über ihre Zukunft ausgeschlossen. Als die Frustration über Wahlen, Korruption, Menschenrechtsverletzungen und den Missbrauch öffentlicher Mittel wuchs, wurden Demonstrationen zu «einer der wenigen Möglichkeiten, Rechenschaftspflicht und demokratische Reformen einzufordern».

Neue Formen der politischen Organisation

Dieses Muster lässt sich grenzüberschreitend beobachten. Ein Prüfungsleck in Indien wirft die Frage auf, ob Leistung noch eine Rolle spielt. Eine Beschäftigungsquote in Bangladesch löst eine Debatte über vererbte Privilegien aus. Ein Steuervorschlag in Kenia führt zu einer Auseinandersetzung über das Verhältnis zwischen Bürger:innen und politischen Eliten.

Ein konkreter Missstand bringt die über Jahre hinweg aufgestauten Frustrationen zum Ausdruck. Diese Bewegungen stützen sich auf lose Netzwerke aus Studierenden, jungen Berufstätigen, Künstler:innen und Online-Communities.

Entscheidend ist jedoch, dass ihre Botschaft nicht lautet, Demokratie sei irrelevant geworden – sondern dass die derzeit praktizierte Demokratie ihre Versprechen nicht einhält.

Diese Bewegungen experimentieren zudem mit neuen Formen der politischen Organisation. Viele von ihnen vermeiden bewusst hierarchische Führungsstrukturen, stützen sich auf dezentrale digitale Netzwerke und ziehen kollektive Eigenverantwortung formalen Strukturen vor. Damit stellen sie nicht nur Regierungen infrage, sondern hinterfragen auch überlieferte Annahmen darüber, wie demokratische Teilhabe organisiert sein sollte.

Unzufriedenheit mit den Lebenshaltungskosten und den Chancen

Diese Unzufriedenheit, die die Jugend auf die Strasse treibt, hat ihre Wurzeln in den Bedingungen, unter denen diese Generation ihr Leben aufbauen soll. In Ländern, in denen es kürzlich zu Protesten der Generation Z kam, garantiert eine Ausbildung keine sichere Beschäftigung mehr, da die Löhne mit den Lebenshaltungskosten nicht Schritt halten können.

Gleichzeitig wird Wohnraum weltweit unerschwinglicher, während der Klimawandel Lebensgrundlagen zerstört und Migration zu einem der wenigen Wege zur wirtschaftlichen Mobilität geworden ist.

Die Unzufriedenheit macht nicht an nationalen Grenzen halt. Eine junge Frau aus Nepal, die eine aktive Rolle bei der Koordinierung einer Vereinbarung zwischen der Übergangsregierung und Gen-Z-Gruppen im ganzen Land spielte, wies auf ein «globales Misstrauen gegenüber Institutionen» hin.

Dieses Misstrauen lässt sich nicht allein durch institutionelle Autorität beheben. «Die Menschen vertrauen dir nicht einfach so, nur weil du bei der UNO arbeitest und 25 Jahre Erfahrung hast», sagte sie.

Internationale Akteure müssen den Kontext verstehen, zuhören, bevor sie Empfehlungen aussprechen, sich proaktiv darum bemühen, die Lebensrealitäten junger Menschen zu begreifen, gemeinsam mit ihnen und den Regierungen an der Umsetzung ihrer Forderungen arbeiten und engagiert bleiben.

Vor den Protesten wurde die politische Landschaft Nepals von Persönlichkeiten geprägt, die im Friedensprozess nach dem Bürgerkrieg eine Rolle gespielt hatten. Lesen Sie unseren Artikel zum Frieden in Nepal:

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Ein Wandel von der Konsultation zur gemeinsamen Gestaltung

Das Internationale Genf hat nun die Chance, engere Verbindungen zwischen seinen multilateralen Institutionen und jungen Menschen zu knüpfen, die das politische Leben in ihren Ländern neu gestalten wollen. Dafür sind Räume erforderlich, in denen junge Führungskräfte miteinander in Kontakt treten, gemeinsame Positionen entwickeln und mit internationalen Entscheidungsträger:innen in den Dialog treten können.

Es braucht zudem einen Wandel von gelegentlichen Einladungen hin zu nachhaltigen politischen Beziehungen. Miharisoa Rakotondravelo, eine 28-jährige Jugendaktivistin aus Madagaskar, sagte mir: «Es ist an der Zeit, junge Menschen einzubeziehen – nicht als Schachfiguren oder Werkzeuge, sondern als echte Gemeinschaft, die gemeinsam arbeitet und etwas aufbaut.» Es muss ein Wandel von der Konsultation zur Mitgestaltung stattfinden.

In all diesen Bewegungen ist die Forderung einheitlich. Junge Menschen fordern gerechte öffentliche Institutionen, rechenschaftspflichtige politische Führungskräfte, wirtschaftliche Chancen, die nicht von Privilegien bestimmt sind, sowie demokratische Teilhabe, die echten politischen Einfluss ermöglicht.

Sie wollen, dass internationale Institutionen ihre Prinzipien hochhalten und sich ernsthafter mit den Realitäten auseinandersetzen, in denen diese Prinzipien verteidigt werden.

Für junge Menschen erfordert politische Handlungsfähigkeit mehr als nur eine Einladung, das Wort zu ergreifen. Demokratische Erneuerung hängt von der Verbindung zwischen Mitspracherecht, kollektiver Organisation und politischer Macht ab – eine Verbindung, die multilaterale Foren wie Genf ermöglichen können.

Die hier geäusserten Ansichten sind die des Autors und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten von Swissinfo wider.

Der Autor möchte betonen, dass seine Ansichten nicht unbedingt die Ansichten der Institutionen widerspiegeln, denen er angehört.

Lesen Sie auch unseren Artikel, in dem wir der Frage nachgehen, wann eine Demokratie aufhört, eine Demokratie zu sein:

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Editiert von Benjamin von Wyl/vm, Übertragung aus dem Englischen: Melanie Eichenberger

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