Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Krankenkassen-Systeme im Ländervergleich

Operationssaal im Universitätsklinikum der süddeutschen Stadt Freiburg.

(Keystone)

Staatliches Gesundheitssystem, Einheitskasse oder eine Vielzahl Kassen, die miteinander konkurrieren - die Krankenversicherungs-Systeme sind von Land zu Land sehr unterschiedlich geregelt.

Auch bei der Finanzierung des Gesundheitswesens gehen die Lösungen weit auseinander. Jedes der Systeme kennt Vor- und Nachteile - das Ei des Kolumbus haben indes auch andere Länder noch nicht gefunden.

Dänemark ist für die Verfechter einer Einheitskrankenkasse in der Schweiz das Land der Hoffnung.

Sie führen das Land im Abstimmungskampf als Beispiel für ein gut funktionierendes System an.

98% der Däninnen und Dänen sind in der staatlichen Krankenkasse versichert, die Gesundheitskosten sind geringer als in der Schweiz und trotzdem stimmt die Qualität.

Doch das dänische System kann nicht direkt mit der Einheitskrankenkasse in der Schweiz verglichen werden, über die am 11. März abgestimmt wird.

Denn in Dänemark gibt es keine freie Arztwahl und die Ärzte werden pauschal entschädigt statt für einzelne Leistungen. Themen, an denen sich in der Schweiz niemand die Finger verbrennen will.

Schweden kennt Einheitskasse

Auch Schweden setzt bereits seit längerem auf die Staatskrankenkasse.

Sie heisst dort Versicherungskasse und verwaltet auch Auszahlungen, die in der Schweiz von der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) übernommen werden.

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist das dortige Gesundheitswesen eher teuer. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zahlen die neun Millionen Einwohner weltweit fast die höchsten Sozialabgaben.

Trotz dieser hohen Kosten gilt das schwedische Gesundheitssystem als nicht sehr effizient. Vor allem die langen Wartezeiten machen Patientinnen und Patienten zu schaffen und sorgen für Kritik.

OECD

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist seit 1961 die Nachfolge-Organisation der Organisation für ...

Deutschland: Ähnlich wie die Schweiz

Am ehesten mit der Schweiz vergleichbar ist das deutsche System. Rund 90% der Deutschen sind in der Gesetzlichen Krankenversicherung versichert.

Diese wird von über 250 Kassen betrieben, die als öffentlich-rechtliche Körperschaften organisiert sind und miteinander konkurrieren. Die meisten Versicherten können ihre Kasse frei wählen.

Finanziert wird die Versicherung durch Beiträge von Mitgliedern und Arbeitgebern sowie durch Steuern. Die Beiträge sind abhängig vom Einkommen (mit Obergrenze) und von Kasse zu Kasse unterschiedlich. Zudem bezahlen die Versicherten Zuschläge (z.B. Praxisgebühr) und Eigenanteile.

Krankenversicherung

Seit 1996 das Krankenversicherungs-Gesetz (KVG) in Kraft ist, muss sich jede in der Schweiz wohnhafte Person obligatorisch bei einer Krankenkasse ...

Keine Konkurrenz in Österreich

In Österreich gehört die Krankenversicherung zusammen mit Unfall- und Rentenversicherung zur Sozialversicherung. Darin sind fast alle Personen versichert.

Ein Dutzend öffentlich-rechtliche Krankenkassen sind für die Versicherten zuständig. Es gibt regionale und berufsspezifische Kassen, die einander aber nicht konkurrieren. Auch besteht keine freie Kassenwahl.

Eine Analyse der Europäischen Union (EU) betreffend Zugang zum österreichischen Gesundheitssystem kommt zum Schluss, es gebe aufgrund der hohen Kapazitäten bei medizinischen Leistungen keine nennenswerten Wartezeiten.

Finanziert werden die Leistungen aus Beiträgen von Mitgliedern und Arbeitgebern sowie durch Steuern. Die Beiträge sind abhängig vom Einkommen (mit Obergrenze) und werden gesetzlich festgelegt. Zudem bezahlen die Versicherten Zuschläge (z.B. Rezeptgebühr) und Eigenanteile.

Mehrere Systeme in Frankreich

In Frankreich gibt es mehrere Krankenversicherungs-Systeme. Etwa 80% der Bevölkerung sind in der staatlichen Nationalen Krankenkasse für Arbeitnehmende versichert und unterstehen damit dem "régime général d'assurance maladie des travailleurs salariés" (RGAMTS).

Die EU-Analyse sieht das Risiko, dass das Angebot die steigende Nachfrage nicht mehr decken kann. Allerdings werde das System seit 2004 umgestellt, so der Bericht.

Finanziert wir das RGAMTS aus Beiträgen der Mitglieder, der Arbeitgeber und aus Steuern. Die Beiträge sind abhängig vom Einkommen (ohne Obergrenze) und werden staatlich festgelegt. Zudem bezahlen die Versicherten Zuschläge (z.B. Spitalpauschale) und Eigenanteile.

Italien: Staatlicher Gesundheitsdienst

1978 hat Italien für alle Personen mit Wohnsitz im Land einen staatlichen Gesundheitsdienst geschaffen. Für die Organisation sind regionale öffentlich-rechtliche Körperschaften verantwortlich.

Die EU-Analyse listet verschiedene Kritikpunkte auf: Wartelisten für Spitäler und Spezialbehandlungen, regionale Unterschiede bei der Qualität der Leistungen sowie Einschränkungen bei den Behandlungsmöglichkeiten daheim.

Finanziert wird das System mit Steuern. Die Versicherten bezahlen Zuschläge (z.B. für Spitalaufenthalte) und Eigenanteile.

swissinfo, Christian Raaflaub und Agenturen

In Kürze

Gesundheitsausgaben 2004 in Prozent des Bruttoinland-Produkts (BIP):

USA: 15,3%

Schweiz: 11,6%

Deutschland: 10,9%

Frankreich: 10,5%

Österreich: 9,6%

Schweden: 9,1%

Durchschnitt der OECD-Länder: 8,9%

Dänemark: 8,9%

Italien: 8,4%

(Quelle: OECD)

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×