Brutale Einbrüche verunsichern die Superreichen am Genfersee
Die Genfersee-Region hat mit einer steigenden Zahl gewaltsamer Einbrüche in die Häuser ihrer wohlhabendsten Bewohner:innen zu kämpfen. Diese Vorfälle gefährden den Ruf der Gegend als Rückzugsort für Superreiche. Die Spuren führen nach Frankreich.
Die Schweizer Behörden setzen auf Videoaufnahmen, Kennzeichenerfassung und verstärkte Grenzkontrollen, um gegen sogenannte «Homejackings» vorzugehen, die diese normalerweise friedliche Gegend erschüttert haben.
Bei den Überfällen dringen die Täter:innen typischerweise in bewohnte Häuser ein und bedrohen die Bewohner:innen – bisweilen mit vorgehaltener Waffe –, bevor sie mit Uhren, Schmuck und anderen Wertgegenständen über die Grenze nach Frankreich fliehen.
Zu den Opfern zählen unter anderem Privatbankiers, Rohstoffhändler und wohlhabende Führungskräfte; dies schürt die Besorgnis in einer Region, in der einige der weltweit grössten Banken und Handelshäuser ansässig sind. Wie aus informierten Kreisen verlautet, äusserten sich Unternehmen wie Pictet und Trafigura gegenüber den Behörden beunruhigtüber diese Überfälle.
Deren extreme Brutalität hat einige Politiker:innen dazu veranlasst, gezielte Kontrollen an der französischen Grenze zu fordern, und viele wohlhabende Gemeinden dazu bewogen, private Sicherheitsdienste zu engagieren.
«Diese Überfälle sind in jüngster Zeit deutlich organisierter, gezielter und häufiger geworden», sagte Florence Bettschart-Narbel, Abgeordnete im Kanton Waadt am Nordufer des Genfersees. «Wir sind besorgt über die Auswirkungen auf die Attraktivität der Schweiz für Ausländer und Unternehmen.»
Zu den bekanntesten Opfern zählt der viermalige Formel-1-Weltmeister Alain Prost, in dessen Haus in Nyon am Westufer des Genfersees im Mai gewaltsam eingebrochen wurde.
Nach Angaben der Behörden erlitt ein Familienmitglied bei dem Überfall eine leichte Kopfverletzung, während ein anderes gezwungen wurde, einen Tresor mit Wertsachen zu öffnen.
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Sind Superreiche Fluch oder Segen für die Schweiz?
Ein in Genf ansässiger Rohstoffhändler, der anonym bleiben wollte, berichtet von einem Fall, bei dem Angreifer die Familie eines Freundes ins Visier nahmen, eines der jugendlichen Kinder im Fluchtauto entführten und es kurz vor der Grenze zu Frankreich wieder freiliessen.
Polizeiarbeit auf dem Prüfstand
In Genf wurden im vergangenen Jahr 18 Fälle von gewaltsamen Überfällen in bewohnte Häuser, sogenannte «Homejackings», registriert. Das ist ein Anstieg gegenüber den 15 Fällen des Vorjahres. Die Gesamtzahl der Raubüberfälle ging währenddessen um ein Fünftel zurück.
In einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter Unternehmen in der Region Genf waren 70% von ihnen der Meinung, die Sicherheitslage habe sich in den vergangenen drei Jahren verschlechtert. Als Hauptgründe nannten sie Einbrüche in Privathaushalte und eine unzureichende Polizeipräsenz, wie aus der in dieser Woche von der Stiftung für die Attraktivität des Kantons Genf veröffentlichten Studie hervorgeht.
Diese Vorfälle haben die Überwachung der langen und durchlässigen Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich – die ohne systematische Passkontrollen passiert werden kann – verstärkt in den Fokus gerückt.
Further measures
Nach Angaben der Genfer Polizei gingen sieben der Überfälle im vergangenen Jahr auf das Konto verschiedener Banden aus Südfrankreich. Ermittler brachten vier serbische und sieben französische Staatsangehörige aus der Region Marseille mit den Taten in Verbindung.
Die Banden spähen ihre Opfer laut Polizei im Vorfeld sorgfältig aus, unter anderem über soziale Medien. Dort können Fotos von Uhren, Schmuck, Autos, Urlauben und Lebensstilen Aufschluss über den Wohlstand und die Gewohnheiten der Betroffenen geben.
Die französische Botschaft in der Schweiz erklärte in einer Stellungnahme, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sei «kontinuierlich, umfassend und flexibel».
Weitere Massnahmen
Die Brutalität der Überfälle hat Politiker dazu veranlasst, weitere Massnahmen zu fordern. Das Genfer Parlament prüft derzeit verschiedene Vorschläge, die sowohl Sicherheitsaspekte als auch die Offenlegung von Eigentumsverhältnissen betreffen.
«Es ist unsere Pflicht, Massnahmen zu ergreifen, um dieser – leider importierten – Kriminalität zu begegnen», erklärte Vincent Subilia, Direktor der Genfer Handels- und Industriekammer (CCIG) und Mitglied des Kantonsparlaments.
Zu den diskutierten Massnahmen gehören der Einsatz von mehr Polizeikräften sowie gezielte Kontrollen an Grenzübergängen, auch auf kleineren Strassen. Zudem wird gefordert, der örtlichen Polizei einen effizienteren Zugriff auf Datenbanken zur Kennzeichenerfassung zu ermöglichen.
Im Gespräch ist auch, die Veröffentlichung von Informationen zu Immobilienbesitz einzuschränken. Genfer Politiker:innen wollen Vorschriften abschaffen, die eine öffentliche Bekanntgabe von Einzelheiten zu Immobilientransaktionen – einschliesslich der Namen der Käufer:innen und der Kaufpreise – verlangen. Diese langjährige Praxis soll der Transparenz dienen und macht die Wohnadressen sehr wohlhabender Personen öffentlich zugänglich.
Einige Gemeinden sind bereits aktiv geworden. In Vandœuvres, einer der wohlhabendsten Gemeinden des Kantons Genf, planen die Behörden eine sogenannte «virtuelle Grenze», an der Kennzeichen automatisch erfasst werden, sowie Videoüberwachung an den Gemeindezufahrten.
«In absoluten Zahlen ist das Ausmass nicht hoch, doch die Schweiz ist ein sehr offenes und sicheres Land; wir sind solche kriminellen Aktivitäten nicht gewohnt», sagte Bettschart-Narbel, Abgeordnete im Kanton Waadt. «Es ist wichtig, dass wir handeln.»
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Übertragung aus dem Englischen: Petra Krimphove
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