Fairer Fisch-Boom
Schweizerinnen und Schweizer sind bereit, für nachhaltig und biologisch hergestellte Nahrungsmittel tief in den Geldbeutel zu greifen - neuerdings auch beim Fisch.
Hormonfleisch, BSE-Skandal und Geflügel mit Salmonellen: Wer sich gerade über die Feiertage etwas Feines gönnen will, greift je länger je häufiger zu Fisch.
Allerdings weist der Schweizer Verein «Fair-Fish» auch auf negative Seiten des Booms hin: «Wenn das so weitergeht, sind die Meere bald leergefischt. Darum kommt ein wachsender Teil der Speisefische aus Zuchtanlagen. Auch nicht unproblematisch für die Umwelt.»
Dem sind sich auch die Grossverteiler hierzulande bewusst: Mit ganzseitigen Inseraten wirbt beispielsweise Coop passend zur Weihnachtszeit für inländische und ausländische «Label»-Fische.
Angeboten werden Karpfen, Forellen und vor allem Lachs aus biologischen Zuchtbetrieben oder ökologisch zertifizierten Wildfang-Methoden.
Grossverteiler setzen auf nachhaltige Bewirtschaftung
«Noch sind wir erst in den Kinderschuhen», sagt René Benguerel, Medienverantwortlicher bei Coop. Von wirklichen Marktanteilen könne man nicht sprechen ein halbes Jahr nach der Einführung der Produkte.
«Noch nicht», betont Benguerel. Denn Coop geht davon aus, dass Konumentinnen und Konsumenten auch beim Fisch immer häufiger zu nachhaltig produzierter Ware greifen werden – so wie es bei Eiern und Fleisch in der Schweiz für viele Kunden selbstverständlich geworden ist.
Für nachhaltige Nutzung der Bestände bei Wildfisch garantiert das internationale Label «MSC» («Marine Stewardship Council»). Da sind in der Schweiz sowohl Coop wie auch der Grossverteiler Migros mit dabei.
Ein Viertel des Rauchlachses mit Label
15 Mio. Franken mache zurzeit der Umsatz aus, das sei «beachtlich nach nur einem Jahr», sagt Erwin Freitag, Bereichsleiter Fisch bei Migros. Ein Viertel des verkauften Rauchlachses komme aus nachhaltiger Fischerei.
Anders als Coop finden sich bei Migros keine Fische aus biologischen Zuchtbetrieben. Man sei mit Forellenzuchten am Verhandeln, erklärt Freitag.
Angebot noch zu klein
Ein Augenschein in einem grossen Coop-Betrieb zeigt, dass trotz der Werbung im Laden keine Bio-Fische zu finden sind. Kein Einzelfall, gibt René Benguerel zu: «Wir haben bisweilen Probleme mit der Waren-Verfügbarkeit. Es sind vor allem kleine Betriebe, die umgestellt haben.»
Wer Biofisch findet, muss beim Kauf tief in den Geldbeutel greifen. Anders als beim Gemüse, wo die biologischen Produkte in der Schweiz etwa 10% teurer sind als herkömmliche, ist Biofisch teuer. Von einer Erhöhung von 20, 25% sprechen die Grossverteiler. Allerdings – so zeigen die Erfahrungen beim Fleisch – ist die Skala bisweilen gegen oben offen.
Dennoch ist Benguerel optimistisch: «Wenn sie Vertrauen in ein Produkt haben, dann gibt es Konsumenten, die bereit sind, einen Mehrpreis zu zahlen.» Die bisherigen Erfahrungen geben ihm recht.
Eva Herrmann
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