Falsche Schweizer Marken erobern Afrika
Schweizer Uhren und Armeemesser sowie Nahrungsmittel von Nestlé gehören zu den gefälschten Waren auf afrikanischen Märkten.
Der Handel mit gefälschten Schweizer Produkte in Afrika blüht, die Strassen und die Märkte der grossen Städte sind damit überschwemmt. Dies, obwohl es gesetzliche Massnahmen dagegen gibt.
Senegals Gerichte beschäftigt zur Zeit ein Fall zwischen dem Nahrungsmittel-Produzenten Nestlé und der Senegalesischen Handelsgesellschaft. Der Prozess sollte im November beginnen, ist aber auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben worden.
Billige Fälschung in grossem Ausmass
«Der Umfang dieses Handels ist quantitativ nicht erfassbar», sagte Jean-Jacques Leutenegger, Konsul der Schweizer Botschaft in Dar es Salaam, Tansania. Es werde vermutet, dass asiatische Länder wie Taiwan, Hong-Kong und China sowie fernöstliche Länder Lieferanten des afrikanischen Marktes sind.
Handarbeit ist preiswert in diesen Ländern und deshalb sind die Kosten der Waren tiefer, als wenn sie Ursprungsland wie beispielsweise der Schweiz produziert werden. Das macht die Produkte in Afrika erschwinglich für die breite Bevölkerung. «Das bescheidene Einkommen erlaubt den meisten Leuten nur, Imitaitionen der Originalprodukte zu kaufen», sagte Leutenegger.
Trotz Gesetz kein Durchgreifen möglich
Afrika ist das «Mekka» für nachgemachte Waren, sagte Doudou Sagna, Beamter der Afrikanischen Organisation für Geistiges Eigentum. Afrikanische Länder hätten nicht die Mittel, die es brauche, um Schmuggelwaren von den Regalen zu verbannen.
In Tansania zum Beispiel bestraft das Gesetz die Fälschung und den Verkauf nachgemachter Produkte. Doch wurde es nie angewendet, weil es eine «lange und eine teure Prozedur» sei.
Auch in Marokko werden die Märkte in grossen Städten wie Rabat, Casablanca und Agadir mit gefälschten Schweizer Waren überschwemmt. Laut Claude Duvoisin, Konsul an der Schweizer Botschaft in Rabat, ist die Schweizer Uhrenindustrie am stärksten betroffen.
Die Schweizer Wirtschaft hat zusammen mit der Botschaft in Rabat und in der Schweizerisch-Marokkanischen Handelskammer bisher erfolglos versucht, etwas gegen den Missbrauch zu unternehmen.
Senegal hat einen Vertrag mit der Afrikanischen Organisation für Geistiges Eigentum geschlossen, das Handelsmarken schützt. Am Anfang des Jahres beschlagnahmte die senegalesische Polizei mehr als 13’000 gefälschte «Bic Rasiermesser» aufgrund einer Beanstandung durch eine französischen Firma.
Im September 2000 zeigten sich Polizeileiter aus 16 afrikanischen Westländern damit einverstanden, die Fälschung der industriellen Waren sowie geistiges Eigentum zu bekämpfen. Es handle sich um ein grenzenübergreifendes Verbrechen.
swissinfo und Agenturen
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