Verständnis für die katholische Haltung
In einem Gespräch mit swissinfo bekundet Kommunikations-Experte Iwan Rickenbacher Verständnis für die Reaktion der Schweizer Bischöfe.
Die Stopp-Aids-Kampagnen der letzten Jahre haben für den ehemaligen CVP-Generalsekretär zu wenig Kontinuität
swissinfo: Wie ist die emotionale Reaktion der Kirche zu erklären?
Iwan Rickenbacher: Wären die Plakate vor Kirchen gestanden, hätte sich ein Teil der kirchennahen Menschen davon betroffen fühlen können. Vor allem ältere Menschen, die möglicherweise die Sexuallehre der katholischen Kirche als ihre eigene verstehen, hätten sich dadurch provoziert gefühlt. Ich habe Verständnis dafür.
Aids-Erkrankungen haben wieder zugenommen: Weshalb war die Plakat-Aktion vom letzten Jahr nicht so erfolgreich?
Es sind nicht nur die Plakatkampagnen, die in der Prävention eine Rolle spielen oder ausschlaggebend sind. Das Thema ist wirklich ernst und es ist möglich, dass die humoristische, die ironische Note, die hereinkommt, irgendwo kumuliert mit dem Verständnis vieler Menschen, die meinen, die Medikamente seien nun schon entwickelt, um sozusagen die Folgen von Aids eindämmen zu können.
Eine gewisse Gefahr der Verharmlosung der Problematik würde ich nicht ganz ausschliessen.
Wird die Kampagne 2003 schlussendlich von Erfolg gekrönt sein?
Für mich ist das ein grosses Experiment, denn es gibt nicht sehr viele Beispiele in der Schweiz, in denen ein Thema, wo es auch eine gesetzliche Verpflichtung des Bundes gibt, zu informieren, Ratschläge zu erteilen und Prävention zu betreiben, öffentlich gemacht wird. Man muss deshalb die Wirkung auf die Zielgruppen genau analysieren.
Stellen Sie sich vor, man würde eine Anti-Raucherkampagne auf diese Art und Weise aufziehen, das würde wahrscheinlich einige Leute ebenfalls überraschen.
Was würden Sie anders machen?
Ich weiss aus der politischen Werbung und der politischen Forschung, dass die Erkennbarkeit einer Message von der Aufmachung her ganz entscheidend ist. Dies ist besonders wichtig bei der Plakatwerbung, wo die Aufnahme der Botschaft sehr flüchtig ist. Viele Menschen werden diese Plakate nur mobil zur Kenntnis nehmen, aus Fahrzeugen. Da muss die Botschaft besonders schnell wirken.
In den letzten Jahren ist in der Schweiz in Bezug auf die Stopp-Aids-Kampagnen sehr viel experimentiert und auch verändert worden. Die Gefahr besteht, dass die Erkennbarkeit der ganzen Aktion wieder abbrechen kann. Da hätte ich mir etwas mehr Kontinuität gewünscht.
swissinfo, Etienne Strebel
Iwan Rickenbacher ist promovierter Erziehungswissenschafter.
1975 bis 1988: Leiter Lehrerseminar Rickenbach/Schwyz.
1988 bis 1993: Generalsekretär der CVP.
Seit 1992: selbstständiger Kommunikationsberater.
Seit Dezember 1999: Honorarprofessor für politische Wissenschaften an der Uni Bern.
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