Finanzskandal in Indien führt in die Schweiz
Behörden decken einen Skandal auf: Fehlbuchungen von 159 Milliarden Dollar. Im Zentrum stehen eine Tessiner Goldraffinerie und eine Luzerner Holding.
Rajesh Exports ist gemessen am Umsatz das viertgrösste Unternehmen Indiens. Doch nun zeigt sich: Es ist vieles nur heisse Luft. Die Geschäftszahlen der Tochterunternehmen in der Schweiz waren aufgeblasen, die Erträge sind 99 Prozent kleiner als ausgewiesen. Zu diesem Schluss kommt die indische Finanzmarktaufsicht Securities and Exchange Board of India (Sebi) in einem über 100 Seiten umfassenden BerichtExterner Link.
Rajesh: Mit Gold gross geworden
Rajesh Exports ist eine in Indien börsenkotierte Firma und ist gross im Goldgeschäft, macht Goldschmuck und beliefert tausende von Läden. Die Firma hat ihren Sitz in Bangalore und wird von Firmengründer Rajesh Mehta kontrolliert, der gleichzeitig Firmenchef und Präsident ist.
Die indischen Behörden werfen der Firma Rajesh Exports Täuschung, Betrug, Intransparenz und Manipulation vor. Das Unternehmen habe zu hohe Einnahmen verbucht, um die Investoren zu täuschen. Die Bilanz sei im Zeitraum von April 2020 bis März 2025 um 159 Milliarden Dollar aufgeblasen worden, mit fiktiven Erträgen.
Die Schweizer Firmen im Fokus
Rajesh Exports kontrolliert in der Schweiz zwei Firmen, die bei den Ermittlungen im Zentrum stehen. Zum einen die Goldraffinerie Valcambi im Tessin und zum anderen die Holdinggesellschaft Global Gold Refineries AG in Luzern.
Die indische Finanzaufsicht zeigt im Bericht, dass die Geschäftszahlen aus dem Tessin in der Holdinggesellschaft in Luzern vervielfacht worden sein sollen.
Magie: Von 358 Millionen auf 159 Milliarden
Am Anfang der Kette steht die Goldraffinerie Valcambi im Tessin. Das Unternehmen verarbeitet pro Tag mehr als sieben Tonnen Gold. Bei Valcambi arbeiten 177 Personen. Das Besondere bei der Firma ist, dass sie mit einem aussergewöhnlich wertvollen Material arbeitet, mit Gold, einem der teuersten Edelmetalle. Der strittige Punkt ist, wie die Erträge der Firma verrechnet und verbucht werden sollen.
Valcambi selbst verbucht in der eigenen Buchhaltung die Erträge der geleisteten Arbeit, also das Umschmelzen von Gold. Das Gold kommt in die Fabrik, wird in Barren und Münzen verarbeitet und wird dann weitertransportiert an grosse Investoren und Zentralbanken. Laut der indischen Finanzaufsicht erwirtschaftete Valcambi innerhalb von fünf Jahren Erträge von 358 Millionen Franken. Die indischen Eigentümer verbuchen dann allerdings via der Luzerner Holdinggesellschaft nicht mehr die Wertschöpfung im Tessin, sondern die Goldverkäufe als Einnahmen. Dies wird von der Behörde kritisiert, der eigentliche Wert seien lediglich die geleisteten Arbeiten und nicht das Gold selbst.
Täuschung der Anleger und Investoren
Die Untersuchungen im Fall haben vor fast drei Jahren begonnen. Inzwischen haben die Aktionäre das Vertrauen verloren. Der Rajesh-Aktienkurs ist innerhalb von drei Jahren um mehr als 80 Prozent eingebrochen, die Anlegerinnen und Anleger haben seit Anfang 2023 rund 2.7 Milliarden Dollar verloren.
Die Aufsichtsbehörde kritisiert in ihrem Zwischenbericht die fehlende Transparenz. Rajesh Exports habe sich geweigert, den Ermittlern eine komplette Kundenliste von Valcambi auszuhändigen. Die Firma habe sich auf den Datenschutz in der Schweiz berufen. Dass sich die indischen Eigentümer weigern, den Aufsichtsbehörden die Kundenliste auszuhändigen, wirft Fragen auf, was es zu verbergen gibt.
Folgen für die Schweiz
Der Buchungsskandal in Indien könnte dem Ruf des Finanzplatzes der Schweiz schaden und insbesondere die Rolle als internationale Drehscheibe von Gold. Neben Valcambi gibt es weitere Raffinerien, in denen Gold umgeschmolzen wird. Die Schweiz ist in diesem Geschäft weltweit führend. Valcambi wird wiederholt fehlende Transparenz vorgeworfen: Bereits vor drei Jahren hat das Unternehmen nach Unstimmigkeiten die Schweizerische Vereinigung der Edelmetall-Fabrikanten und -Händler verlassen.
In verschiedenen Stellungnahmen weist Rajesh Exports die Anschuldigungen der Aufsichtsbehörde zurück. Es sei ein Missverständnis, es handle sich erst um einen Zwischenbericht. Valcambi wiederum wollte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters keine Stellung beziehen. Der Fall betreffe den kontrollierenden Hauptaktionär.
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