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Den Journalismus zu den Leuten bringen

Giannis Mavris

Liebe Leserin, lieber Leser

Letztes Wochenende fand in Bern das True Story Festival statt. Ein Journalismusfestival, bei dem der Fokus auf dem Austausch mit dem breiten Publikum liegt: Mehr als drei Dutzend Anlässe fanden statt, an denen das Publikum mit Journalistinnen und Journalisten interagieren konnte. Swissinfo ist Medienpartner des Festivals.

Die eingeladenen Journalistinnen und Journalisten kamen aus aller Welt. Was mir bei Gesprächen mit einigen von ihnen auffiel, sind zwei Dinge, die offenbar für die Branche weltweit gelten: Die Situation ist für Medien angespannt. Und viele sehen einen Ausweg darin, den Journalismus näher zu den Leuten zu bringen – unter anderem mit solchen Formaten.

Das traditionelle Geschäftsmodell vieler Zeitungen, das auf einen Mix von Werbung und Abonnementen basierte, funktioniert im digitalen Zeitalter schon länger nicht mehr. Nun kommt eine neue Furcht dazu: Manche erwarten mit der explosionsartigen Verbreitung von KI einen regelrechten Kollaps der Branche.

Es müssen also neue Modelle her – und die direkte Verbindung zur Leserschaft rückt immer mehr in den Fokus. Dadurch erhöht man nämlich Transparenz und Vertrauen, und dafür sind Menschen auch bereit zu zahlen.

Und offenbar auch um Journalisten zuzuhören, wie sie über ihre Geschichten sprechen: Das Festival war sehr gut besucht, nach meinem Empfinden mehr als in anderen Jahren. Von einigen Berufskolleginnen hörte ich, dass sie sich überlegen bei sich ebenfalls ein solches Format auszuprobieren.

Denn was eine KI nicht machen kann, ist rausgehen, mit Menschen sprechen, beobachten und darüber berichten. Eine klassische Reportage halt – und der Journalismus lebt immer noch davon, dass er starke Geschichten erzählen kann.

Um sich also nicht wahnsinnig machen zu lassen von all den negativen Entwicklungen, tut man gut immer wieder innezuhalten und sich auf die eigenen Stärken zu fokussieren. Gut zusammengefasst hat es der nigerianische Journalist Usman Abba Zanna. Er sagte, das Festival sei «eine Erinnerung daran, dass Geschichten Kraft haben – aber nur, wenn wir den Mut haben, sie zu erzählen, und die Menschlichkeit, ihnen zuzuhören».

Wie ist die Situation der Medien in Ihrem Land? Sie können mir wie immer schreiben auf giannis.mavris@swissinfo.ch

Mit freundlichen Grüssen,

Giannis Mavris

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