The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Fussball WM 2026: Geboren in Kalifornien, Fans der Schweizer Nati

Familie Strand
Zu Hause wird Schweizerdeutsch gesprochen, den Sommer verbringt die Familie in der Schweiz: Nicole und Benjamin Basler mit ihren Söhnen Theo, Leon und Tim in Kalifornien. zVg

Tim (17), Leon (14) und Theo Basler (12), in den USA geboren, tragen stolz das Schweizer Nati-Trikot. Wenn die Nationalmannschaft zur WM nach Nordamerika kommt, sehen sie die Schweiz endlich einmal im Stadion. Eine schweizerische Geschichte über die Vorfreude auf die Fussball-WM vor der eigenen Haustür in San Francisco.

Während in der Schweiz bereits die Nacht hereinbricht, scheint in Kalifornien die Mittagssonne. Neun Stunden Zeitverschiebung liegen zwischen Bern und den Gesprächspartnern auf dem Bildschirm in Mountain View. Tim (17) und Leon (14) sind soeben aus der Schule nach Hause gekommen. Nur der jüngere Bruder Theo (12) fehlt. Er hat noch Unterricht.

Fähnli
Für das Spiel Schweiz gegen Katar sind sie ausgerüstet: Leon, Theo und Tim (v.l.). zVg

Am Samstag wird die Schweizer Nationalmannschaft nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt ihr erstes WM-Spiel bestreiten. «Wir waren noch nie an einem Spiel der Schweiz», sagt Tim. «Darum wird das wirklich cool.»

Die beiden jungen Auslandschweizer sitzen in ihren roten Schweizer-Nati-Trikots vor dem Laptop. Leon hat es extra für das Gespräch angezogen, Tim trug es bereits in der Schule. Für seine Mitschülerinnen und Mitschüler ist das nichts Aussergewöhnliches. «Meine Freunde kennen mich als Schweizer», sagt er.

Wenn die Schweizer Nationalmannschaft in Nordamerika antritt, jubeln ihr nicht nur angereiste Fans zu. Sie spielt auch vor vielen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern, die in den USA und Kanada leben.

Swissinfo hat im Vorfeld der WM mit Schweizerinnen und Schweizern in San Francisco, Los Angeles und Vancouver gesprochen – drei Städte, in denen die Nati spielen wird. Wie erleben sie das Turnier in ihrer neuen Heimat? Und was bedeutet es für sie, die Schweiz plötzlich vor der eigenen Haustür spielen zu sehen?

Den Auftakt macht eine Schweizer Familie im Silicon Valley.
Schweizer Gruppenspiele in Nordamerika:
Schweiz – Katar, 13.06.2026, San Francisco
Schweiz – Bosnien-Herzegowina, 18.06.2026, Los Angeles
Schweiz – Kanada, 24.06.2026, Vancouver

Grosse Verbundenheit mit der Schweiz

Dabei sind die drei Brüder in Kalifornien geboren und aufgewachsen und besuchen eine öffentliche Schule. Die Familie lebt seit mehr als 20 Jahren im Silicon Valley. Die Schweiz blieb dennoch fester Bestandteil ihres Alltags.

Woher diese Verbundenheit kommt, erklärt Mutter Nicole im Vorfeld des Online-Treffens: Ihr Mann Benjamin erhielt 2005 die Möglichkeit, innerhalb seiner Firma nach San José zu wechseln. Eigentlich wollte die Familie nur für zwei oder drei Jahre in Kalifornien bleiben.

«Daraus sind inzwischen 21 Jahre geworden», sagt sie und lacht. Heute engagiert sich Nicole als ehemalige Lehrerin im Elternrat der Schule ihrer Kinder, in verschiedenen Non-Profit Organisationen und managt als «Vollblut-Soccer-Mom» alle drei Fussballteams von Tim, Leon und Theo.

In den USA geblieben ist die Familie wegen des Lebensgefühls, des Klimas und der internationalen Umgebung. Zu Hause wird bis heute Schweizerdeutsch gesprochen. «Hier ausserhalb unseres Hauses ist Schweizerdeutsch manchmal eine Art Geheimsprache der Jungs», erzählt die 47-jährige Baslerin. Die Kinder wachsen mehrsprachig auf, und die Familie verbringt jeden Sommer mehrere Wochen in der Schweiz, wo noch die gesamte Verwandtschaft lebt. Dieses Jahr ist die Reise nach Hause ein bisschen später – wegen der Weltmeisterschaft.

Die FC Basel-Fans in Kalifornien

Auch die Fussballbegeisterung hat ihre Wurzeln auf der anderen Seite des Atlantiks. Während eines Sommeraufenthalts in der Schweiz im Jahr 2021 wurden die Brüder von der EM-Stimmung rund um die Nationalmannschaft angesteckt. Heute spielen alle drei Söhne in Teams. «Soccer», wie es in den USA heisst.

Stadium CH
Die FC Basel-Fans waren 2025 an der Fraueneuropameisterschaft im Stadion in St. Gallen. zVg

Dass die Schweiz nun ausgerechnet in Nordamerika um den WM-Titel spielt, macht das Turnier für die Familie besonders. Einen Wermutstropfen gibt es für die FC-Basel-Fans aber trotzdem: «Wir sind enttäuscht, dass kein aktiver Basel-Spieler fürs Nati-Kader nominiert wurde», sagt Tim.

Die Hoffnung auf ein besonderes Andenken an das erste Nati-Spiel bleibt dennoch. Würden die Brüder nach dem Spiel ein Trikot geschenkt bekommen, wäre die Wahl schnell getroffen. «Von Breel Embolo», sagt Tim sofort. Nur Theo würde wohl widersprechen. Der Zwölfjährige, der während des Interviews noch in der Schule sitzt, sei laut seinen Brüdern ein grosser Yann Sommer-Fan. Seit dieser seine Karriere im Nati-Kader beendet hat, schwärmt er für Xhaka und Akanji.

WM-Besuch hat seinen Preis

Der Stadionbesuch ist teuer. Rund 300 Franken pro Ticket bezahlt die Familie für das Gruppenspiel gegen Katar. Weil die Plätze für fünf Personen deutlich teurer gewesen wären, bleibt der Vater zu Hause. «Er hat sich freiwillig als Chauffeur gemeldet», sagt Nicole. Die Sitzplätze befinden sich weit oben im Stadion. Auf die Stimmung freuen sich die Brüder trotzdem mindestens so sehr wie auf das Spiel selbst.

Trotz der Nähe zum Turnier ist die WM im Alltag kaum spürbar. «Bei uns merkt man fast nicht, dass die WM bald anfängt», sagt Nicole. In Vancouver etwa sei die WM viel präsenter, wie sie es bei einem Kurzbesuch festgestellt habe. In San Francisco dagegen dominierten weiterhin Basketball und andere Sportarten die Schlagzeilen.

Auch in der Schule sei die Euphorie wenig spürbar. Während in der Schweiz Kinder derzeit Panini-Bilder tauschen und über mögliche WM-Resultate diskutieren, spielt Fussball an der Schule der drei Auslandschweizer eine deutlich kleinere Rolle. «Es wird schon darüber gesprochen», sagt Tim. «Aber nicht so wie in der Schweiz.»

Wie weit kommt die Schweizer?

Umso mehr freuen sie sich auf das Turnier. Die Erwartungen an die Schweizer Mannschaft sind hoch. «Mindestens Viertelfinal», sagt Tim überzeugt. «Vielleicht sogar Halbfinal oder Finale», ergänzt Leon.

EURO CH
Die Frauen-Euro in der Schweiz war ein grosses Highlight für die Fussballfans. zVg

Die Verbundenheit zur Schweiz zeigt sich auch abseits des Fussballs. Die Familie ist etwa im Schweizer Club «Peninsula Swiss Club» aktiv. Und auf die Frage, was sie an der Schweiz besonders mögen, müssen die Brüder nicht lange überlegen. «Das Essen», sagt Tim sofort. «Vor allem das Brot vom Beck.» «Und Glace», ergänzt Leon. Auch Käse und Milchprodukte seien in der Schweiz besser. «Und dass unsere ganze Familie dort lebt», fügt Leon an.

Was ihnen dagegen nicht gefällt? Die Antwort fällt schwer. «Eigentlich nichts», sagt Leon nach kurzem Überlegen.

Die Vorfreude auf das Spiel Schweiz gegen Katar ist gross. Schon die Frauen-EM in der Schweiz im vergangenen Jahr verfolgten sie begeistert. Nun spielt die Männer-Nati vor ihrer Haustür.

Egal wie weit die Schweizer Nati in diesem Turnier kommen wird: Für die drei Auslandschweizer aus Kalifornien wird dieses erste Gruppenspiel an der Fussballweltmeisterschaft 2026 in Mexiko, den USA und Kanada wohl ewig in Erinnerung bleiben.

Und für wen wären sie, wenn die Schweiz einmal auf die USA treffen würde? Die Antwort kommt ohne Zögern: «Definitiv für die Schweiz.»

Diskutieren Sie mit:

Externer Inhalt

Editiert von Benjamin von Wyl

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft