Armeeleitbild XXI setzt auf Module
Die Armee XXI soll schlanker werden, aber auch neue Strukturen erhalten: Der Vergangenheit angehören könnten bald Armeekorps, Divisionen, Regimente und Pferde; dies zu Gunsten eines modulartigen Aufbaus mit freiwilligen Frauen in Kampftruppen.
«Keine Armee der Welt kennt eine solche Organisation», sagte Brigadier Ulrich Zwygart, Projektleiter des Armeeleitbilds XXI, in einem Zeitungs-Interview vom Samstag (03.06.) zum geplanten modulartigen Aufbau der Armee. Dieser sieht vor, dass kleinere Einheiten, Bataillone und Abteilungen je nach Aufgabe zusammengestellt und von Einsatzstäben geführt werden.
Wie Zwygart auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte, sollen die derzeit 33 grossen Verbände wie Armeekorps, Divisionen und Regimente aufgelöst und um rund die Hälfte auf 16 oder 17 grosse Einheiten – nämlich Brigaden und Einsatzstäbe – reduziert werden. Von den derzeit rund 70 höheren Stabsoffizieren wie Brigadiers, Divisionären und Korpskommandanten gäbe es künftig deren 40 bis 50.
Kratzer am Mythos Gebirge?
Mit der neuen Armee würde auch das Gebirgsarmeekorps verschwinden, das neben den drei Feldarmeekorps besteht. Gänzlich abgeschafft würden die Bergspezialisten dennoch nicht, so Zwygart. Geplant seien je nach Modell eine bis zwei Gebirgsbrigaden.
Ebenfalls unklar ist, ob die Train-Kolonnen abgeschafft werden; die einzige Einheit der Schweizer Armee, wo noch Pferde zum Einsatz kommen.
Frauen neu mit allen Waffen
Neu sollen auch Frauen zu Kampftruppen zugelassen werden. Bisher durften sie sich nur zum Selbstschutz mit Pistole oder Sturmgewehr bewaffnen, die Zuteilung in eine Kampftruppe war ausgeschlossen. Damit dies möglich würde und Frauen sämtliche Waffen tragen und auch Kampfflugzeuge fliegen dürften, braucht es laut Zwygart lediglich eine Anpassung auf Verordnungsstufe, keine Gesetzesänderung.
Neue Territorialregionen und Aushebungszonen
«Es ist weder professionell noch effizient, wenn wir die Aushebung weiterhin an 120 verschiedenen Orten in der Schweiz vornehmen», sagte Zwygart zu den geplanten fünf bis sechs permanenten Aushebungszonen. Die bereits auf den Plan gerufenen Kritiker will das VBS mit der Aussicht auf jeweils zwei bis drei ad hoc bestimmten Aussenstandorten besänftigen.
Die regionale Verwurzelung wolle man auch bei den neuen Territorialregionen berücksichtigen, die die bisherigen vier Armeekorpsregionen ersetzen. «Wir rechnen mit drei bis vier Regionen, deren Territorialregionsstäbe je nach Einsatz modulartig zusammengestellte Truppen erhalten.»
Der Bundesrat hat das Armeeleitbild XXI am vergangenen Mittwoch verabschiedet. Im Januar 2001 soll es in die Vernehmlassung gehen und im Juni 2001 vom Bundesrat zu Handen des Parlaments verabschiedet werden. Die Umsetzung der Armee XXI soll im Jahr 2003 starten.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch